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Reisetagebuch aus Kuba

04.01.2010 Stuttgart – Havanna
Für dieses Jahr hatten wir uns
vorgenommen, Fidels Kuba, einer der
letzten Bastionen des Sozialismus einen
Besuch abzustatten. Da der alte Herr
bekanntermaßen nicht bei bester
Gesundheit ist und wir den natürlichen
Vorgängen des Zerfalls zuvor kommen
wollten, war ein wenig Eile geboten. Ein
letztes Mal Kuba erleben, wie es war und
ist und bald nicht mehr sein wird, wenn
Fidel Castro sich endgültig von der
politischen Szene Kubas verabschiedet.
4:30 ging es bei frostigen Minusgraden
erst mit dem Taxi, dann mit dem Zug zum
Frankfurter Flughafen. Soweit so gut
ging es dann etwas verschlafen zum Check
- In von IBERIA. Die nette Dame an der
Abfertigung hatte aber ein wirksames
Mittelchen parat, was uns aus unserem
Schlummerzustand riss: „Leider können
wir Sie auf diesem Flug nicht mitnehmen,
weil eine Touristenkarte, die Bedingung
für die Einreise nach Kuba ist, fehlt.
Leider bleibt für Sie keine Zeit mehr
kurzfristig eine Ersatztouristenkarte zu
besorgen.“
Na
prima, da war die Freude groß und wir
waren hell wach. Unser Wohlfühlpaket
Flexi-Drive (Mietwagen ohne
Kilometerbegrenzung) incl. Hotel -
Voucher (freie Hotelwahl aus über 120
Hotels über ganz Kuba verteilt) des
Veranstalters AvenTOURa (http://www.aventoura.de/)
hatte uns nur eine Touristenkarte
beigelegt. Woher also gegen 7 Uhr
morgens innerhalb kurzer Zeit eine
Touristenkarte besorgen? Wir haben
erfahren, dass am Flughafen über die
großen Reiseveranstalter, wie TUI, für
30 Euro eine Touristenkarte innerhalb
weniger Minuten ausgestellt wird. Also
flugs zu TUI gelaufen, Touristenkarte
ergattert und wir waren wieder im Spiel.
Als nächsten Schachzug haben wir unsern
Anschlussflug Frankfurt-Madrid auf den
nächsten möglichen Flug zur Mittagszeit
umgebucht. Da in Madrid sowieso eine
mehrstündige Pause für den Weiterflug
nach Havanna vorgesehen war, hätten wir
eigentlich noch mit etwas Rückenwind den
Anschlussflug nach Kuba erreichen
können.
Nachdem wir unseren Flug erfolgreich
umorganisiert hatten, artig selbst alle
Papiere besorgt hatten, hieß es warten
bis zur Mittagsmaschine. Unser Puls
wollte sich gerade wieder in den
Schlafzustand einpendeln, bis wir über
Lautsprecher ausgerufen wurden. Man
teilte uns überraschenderweise von
IBERIA mit, dass wir nun doch mit der
Maschine fliegen können, die hätte schon
längst weg sein müssen. Also Puls wieder
nach oben geschraubt, Flugtickets wieder
umorganisieren, wieder auf LOS gehen und
gemütlich am Boarding der ursprünglichen
Maschine teilnehmen.
Das
Wetter schien es in unserem Sinne gut
mit uns zu meinen. Aufgrund vereister
Tragflächen konnte die Maschine erst mit
1 ½-stündiger Verspätung abheben.
Die spanische Wirtschaft sollte auch
von unserem mehrstündigen Aufenthalt in
Madrid profitieren. Und so verkostete
ich die hier am Flughafen angebotenen
Tapas mit Wein. Naja, das hätte ich
lieber bleiben lassen sollen. Denn der
Geschmack war im Gleichklang mit dem
nasskalten, wolkenverhangenen sich im
Dauerregen befindlichen Wetter in
Madrid. Aber die Wettersituation sollte
sich unserer Hoffnung nach doch bald
ändern. Unser nächster Stopp war
schließlich Kubas Hauptstadt Havanna in
der Karibik – oder etwa nicht?!
5.1.2010 – Havanna Zentrum direkt am
Malecon im Hotel Deauville
4
Uhr morgens im Hotelzimmer und das
Jet-lag hat mich voll im Griff. An
Schlaf ist nicht mehr zu denken und um
mir die Zeit zu vertreiben, lausche ich
dem aufgewühlten Meer, welches mit
großem Getöse gegen die Kaimauern des
Malecon kracht.
Ab
7 Uhr gab es endlich Frühstück in einem
Raum, der den Charme eines
Bahnhofwartesaals versprüht. In
Anbetracht der Schwierigkeiten,
Lebensmittel auf dem kubanischen Markt
zu erhalten, war unser Frühstücksangebot
den Umständen entsprechend reichhaltig
und gut. Da das Hotel Deauville sehr
zentral liegt, konnten wir auf unser
Auto verzichten und alles per Pedes
erkundschaften. Wir nahmen den Lonely
Planet „Cuba“ (Ausgabe September 2009)
als Vorlage und zwei ausgewählte Touren
in den Stadtteilen Centro Habana und
Habana Vieja.
Beide
Touren waren sehr gut geeignet einen
Einblick in die kulturellen Highlights
der Stadt zu bekommen und das Flair und
teilweise morbide Aussehen der alten
Dame Havanna auf sich wirken zu lassen.
Überall überraschen die extremen
Gegensätze zwischen neu herausgeputzten
Häusern, die in unmittelbarer Nähe zu
komplett verfallenen Fassaden stehen,
die nur noch notdürftig mit ein paar
Balken vor dem kompletten Einsturz
geschützt sind.
Zerfallene
Häuser, denen man noch heute den
Reichtum Ihrer ehemaligen Besitzer
ansieht, leiden darunter, dass ihre
höchst aufwendig gestalteten Fassaden
schutzlos dem Verfall preis gegeben
werden. Teilweise wachsen kleine
Bäumchen aus den Fugen und Ritzen der
Wände, was die Bewohner nicht weiter zu
stören scheint.
Doch
es bleibt die Hoffnung, dass das eine
oder andere Haus gerettet werden kann,
da immer wieder Klopfen und Hämmern aus
den Hinterhöfen zu hören ist und man an
einigen Stellen über Berge von Bauschutt
steigen muss.
Noch
kann man es bewundern, das qualmende und
tuckernde Automuseum auf Kuba´s
Strassen. Auch wenn hier der Wandel zu
aktuellen Automodellen unübersehbar ist.
Schon jetzt hat man das Gefühl, dass die
Oldtimer auf dem Rückzug sind und sich
dem Wandel der Zeit geschlagen geben
müssen. Aber immer noch werden die alten
Modelle stolz den Touristen präsentiert
um diese zu einer Taxifahrt zu
animieren. Direkt vor dem Capitolo
Nacional konnten wir die
ausgefallendsten und mit viel Liebe
hergerichteten Modelle bestaunen.
Für
beide Touren haben wir uns viel Zeit
genommen, was dazu führte, dass wir den
kompletten Tag auf den Beinen waren.
Dabei hatten wir nie das Gefühl, dass
man sich lieber nicht in einige
Stadtviertel aufgrund von
Sicherheitsbedenken verirren sollte.
Natürlich findet man sich immer wieder
von Menschen nach Süßigkeiten oder Seife
angebettelt, was aber immer seither ohne
aggressiven Unterton geschah. Wir hatten
uns auf diese Situation, bewaffnet mit
einer Tüte Süßigkeiten und Seife aus dem
Hotelzimmer, eingestellt. Dass Armut
nicht gleich unglücklich sein muss, wird
auch hier immer wieder durch die
Herzlichkeit und Freundlichkeit der
Menschen spürbar.
Auf
Empfehlung eines Kanadiers, der in
Havanna lebt, haben wir in dem der
spanischen Küche angelehnten „El
Templete“ (an der Ecke Av. Carlos Manuel
de Céspedes/Empedrado gelegen) gegessen.
Dort kann man mit dem Blick auf den
Hafen dem Treiben der Schiffe zusehen.
Hier hatte ich auch im Gegensatz zu
meinen nach Chlor schmeckenden
Fehlstarts in anderen Cafés Begegnung
mit meinem ersten lecker schmeckenden
Mojito, der mit Mineralwasser aufgefüllt
wurde. Ich denke ich werde noch viel
Zeit haben, den besten Mojito auf Kuba
zu finden. Aber eines ist jetzt schon
einmal sicher: ein Mojito mit
verchlortem Leitungswasser macht
wirklich kein Spaß.
06.01.2009 - Havanna
Jeden
Tag dürfen wir neue Ausstattungsmerkmale
unseres Hotels kennen lernen. Sehr gut
hat uns gefallen, dass man besonderen
Wert auf die Gesundheit seiner Gäste
legt. Im Animationsprogramm werden
sportliche Aktivitäten angeboten, wie
Treppensteigen in den 13. Stock (da der
Fahrstuhl immer wieder defekt ist),
gesundheitsbewußte Kneipkuren, die
24-stündig angeboten werden (kalte
Dusche, nur kaltes Wasser), Streichelzoo
für unsere Kleinsten (scheue
Kakerlaken). Da ich mir nun doch nicht
diesen Kommentar verkneifen konnte,
möchte ich ihn doch fairer Weise
relativieren. Man ist um Sauberkeit im
Hotel sichtbar bemüht, aber in den
südlichen Ländern, ist dies doch immer
wieder eine Herausforderung. Auch an der
Geschäftstüchtigkeit des
Hotelmanagements mussten wir keine
Zweifel mehr haben, nachdem man vor dem
Hotel tägliche Parkbewachungsgebühren
(täglich 2 CUC) erhob, obwohl dies
unserer Meinung nach (s. Abschnitt „Zum
Abschluss“) nicht unbedingt notwendig
ist.
 Heute
haben wir uns im Stadtteil Habana Vieja
durch die Gassen treiben lassen.
Irgendwann landeten wir am Plaza de la
Cathedral, den geschäftstüchtige
Einheimische nutzen, den Touristen sich
selbst als Fotomotiv gegen Bezahlung zur
Verfügung zu stellen. Ob Frauen in
traditionellen Gewändern, ein Fidel
Castro – Verschnitt, Teilzeit –
Wahrsagerinnen oder lächerlich
angezogene Hunde. Es scheint den
Geschmack der Kunden zu treffen. Wenn
man sich durch die etwas entlegenen
Seitengassen bewegt, trifft man immer
wieder auf Mini - Snackbars, bzw.
Kleinstkrämerläden.
Die
Snackbars werden repräsentiert durch
kleine Fenster in den Häusern, aus denen
günstige Leckereien wie die Pesopizza
feil geboten werden. Für 10 kubanische
Peso (ca. 30 Cent) bekommt man einen ca.
10 cm großen mit hauptsächlich Käse
belegten und Tomatensauce bestrichenen
frisch gebackenen Pizzateig. Der
Nachbarladen hat dann evtl. die passende
Flasche Mineralwasser oder 2 bis 3
Sorten Rum im Angebot, während im
übernächsten Haus der Gasauffüllservice
für die eigenen Feuerzeuge angeboten
wird. Jeder versucht so gut er kann mit
seinen kleinen Minigeschäften etwas
dazuzuverdienen.
Wir
schienen zur richten Zeit am richtigen
Ort zu sein, denn plötzlich tauchte mit
viel Tam-Tam eine Art Faschingszug auf.
Bunt kostümierte Menschen führten ein
Menschentross an, der sich unter Pauken
und Trompeten in Richtung Plaza Vieja
bewegte. Wir ließen uns langsam mit
treiben und landeten letztendlich vor
einer provisorischen Bühne, auf den
mehrere Tanzgruppen unterschiedlichste
Tänze in farbenfrohen Gewändern
aufführten.
Das
selbstgemalte Bühnenbild, das eine
Meeresküste mit einem in Abendstimmung
befindlichen Himmel darstellte, war
offensichtlich von dessen Maler noch
nicht ganz fertig gestellt worden.
Unbeirrt davon, dass die ersten Künstler
ihre ersten Tänze vor dieser
halbfertigen Kulisse aufführten,
beendete der Maler in aller Ruhe sein
Kunstwerk. Natürlich war er den Tänzern
dabei etwas im Weg. Aber was ein echter
Künstler ist, der lässt sich durch
solche Nebensächlichkeiten nicht aus der
Ruhe bringen. Nach einigen Stunden war
die Show zu Ende, wie auch die Arbeiten
des Künstlers. Wirklich ein gelungener
Tag für skurrile Fotomotive.

7.1.2010 - Vinales
Früh am Morgen haben wir uns dann auf
die sich in gutem Zustand befindliche
Autobahn in Richtung Westen nach Vinales
aufgemacht. Da, wie schon sehr oft
gehört, die Beschilderung der Strassen
äußerst spärlich, bzw. überhaupt nicht
vorhanden ist, könnte ein Kompass eine
gute Hilfe sein, hätte man denn einen
dabei. Einfach einen kaufen –
Fehlanzeige mangels Angebot. Aber man
hat ja noch die Sonne, die einem den Weg
weist und so haben wir mittels
Navigation der alten Seefahrer unseren
Weg auf die Autobahn gefunden.
Ca.
50 km vor Pinar del Rio stand plötzlich
ein Tankstellenwärter auf der Autobahn
und verstellte uns, wild mit den Armen
fuchtelnd, todesmutig den Weg. Rechter
Hand lag zwar seine Tankstelle, aber
eine Betankung auf diese Entfernung wäre
dann doch etwas ambitioniert gewesen.
Aber Spaß beiseite, er wollte für einen
Kunden eine Mitfahrgelegenheit nach
Pinar del Rio organisieren, was ihm dann
auch – zu seiner Freude – bei uns
gelang. Unser Fahrgast erklärte uns,
dass er auf einer Tabakanbaumesse in
Havanna war und alles über neue
Pflanzensorten und die dazugehörigen,
robusteren Tabakpflanzensamen gelernt
hatte. Da es sich offensichtlich um
einen Mann vom Fach handelte, nahmen wir
das Angebot von ihm wahr, eine
Tabakpflanzung zu besuchen und den
Herstellungsprozess der Zigarren im
Detail erklärt zu bekommen. Auf einem
etwas entlegenen Tabakfeld wurden wir
dann von einem sehr gut englisch
sprechenden Kollegen in Empfang
genommen, der uns sehr ausführlich den
Prozess vom Tabaksamenkorn bis zur
fertigen Zigarre aufzeigte. Hier war es
auch möglich im Gegensatz zu den
Führungen in der Fabrik das Drehen einer
Zigarre zu fotografieren und den
Mitarbeiter durch Fragen von seiner
Arbeit abzuhalten. In der Fabrik ist
dies natürlich nicht möglich, da sonst
die Touristenmassen eine effektive
Arbeit unmöglich machen würden. Nach dem
sehr informativen Abstecher zur
Zigarrenproduktion sind wir dann
nördlich in die Berge zu unserem
eigentlichen Ziel Vinales gefahren. Auch
hier haben wir einen der vielen Anhalter
vom Straßenrand aufgelesen, der uns eine
gute Navigationshilfe zum Hotel war.
Das
Hotel Los Jasmines, auf einem Hügel am
Rande des Tals gelegen, bietet
atemberaubende Ausblicke von seinen
Zimmern über die gesamte Region. Wer
kann, sollte unbedingt eine Nacht in
diesem Hotel verbringen, da allein schon
der Ausblick neben den schön
eingerichteten Zimmern, eine
Übernachtung wert ist. Allerdings war
auch hier die Dusche wieder mit einigen
Besonderheiten ausgestattet. Mit der
Vorliebe an Kneipp´schen Aufgüssen hatte
ich ja bereits schon meine Erfahrung im
ersten Hotel gemacht. Allerdings hat man
hier die Warm-/Kaltaufgüsse
perfektioniert. Die Dusche zeigte eine
Vorliebe dafür innerhalb von dreissig
Sekunden eine komplette Temperaturkurve
von 15 bis zu 50 C und zurück
durchzufahren. So konnte man unter der
Dusche ein bisschen das Tanzbein
schwingen und im richtigen Rhythmus
immer wieder einen Schwall Wasser mit
seiner Wunschtemperatur erhaschen.
Als
Einheimischer von Vinales und nur einige
wenige Meter vom Hotel wohnend, bot
unser Anhalter geschäftstüchtig an uns
seine Stadt und Umgebung zu zeigen. Da
er sehr gut Englisch sprach, haben wir
sein Angebot angenommen und uns eine
Einführung in die
Standardtouristenhighlights geben
lassen. Zum einen waren dies zwei
Grottenbesichtigungen (eine zu Fuß, die
andere per Boot) und zum anderen eine
überdimensionale Steinmalerei an einer
Felswand, die man besser von Ferne
betrachtet, bevor die unter der Felswand
liegende Touristenfalle, getarnt als
Restaurant, zuschnappt.
Zum
Abendessen organisierte er uns eine
Reservierung in einem der Vielzahl
vorhandenen familiengeführten
Privatrestaurants. Das Essen war
reichhaltig und lecker und preislich für
10 CUC pro Person angemessen.
08.01.2010 – Vinales - Maria La Gorda
Heute war der erste wolkenfreie Tag und
somit die ideale Ausgangsbasis für eine
Wanderung im Tal Valle de La Guasasa,
dessen Einstiegspunkt etwa 10 Minuten
Autofahrt entfernt vom Hotel Los
Jasmines liegt. In Vinales lässt man
sich die Strasse Adela Azcuy von den
Einheimischen zeigen und fährt an dessen
Ende, welches gleichzeitig der
Einstiegspunkt für den Treck in das Tal
ist. Es geht entlang eines durch
Ochsenkarren tief zerfurchten Weges
gesäumt von Tabak-, und Aloevera oder
Ananasfeldern und kleinen Ansiedlungen.
Zur Mittagszeit zurück am Hotel,
genossen wir noch einmal bei einer
Cohiba und einem 7-jährigen Havana-Club
Rum die Aussicht über das Tal, welches
durch die zuckerhutförmigen Hügel seinen
besonderen Reiz erhält.
Der
Glaube, die Auffahrt zur Schnellstrasse
von Pinar del Rio nach La Fe schnell zu
finden, erwies sich als Irrtum.
Spätestens als wir im Stadtkern von von
Pinar del Rio entgegen der Fahrtrichtung
in eine Einbahnstrasse einfuhren, war
uns klar, dass es an der Zeit war nach
dem Weg zu fragen. Und keine 10 Sekunden
vergingen als aus heiterem Himmel ein
älterer Herr auf seinem Rennrad
auftauchte und uns ohne viel Aufhebens
seine Hilfe anbot, den Weg zur richtigen
Ausfahrt durch die ganze Stadt in
Richtung Maria La Gorda zu finden. Wie
von einer Tarantel gestochen, schoss er
mit seinem Rennrad durch alle Gassen,
Wege und Kreuzungen hinweg, immer mit
einem Schulterblick sicher stellend,
dass wir seiner rasanten Rennradfahrt
überhaupt noch folgen konnten.
Er war
klar im Vorteil, da er sich durch den
Verkehr von Autofahrern, Ochsenkarren
und Fußgängern elegant
hindurchschlängeln konnte. Als wir
langsam anfingen an seinen
Navigationskünsten zu zweifeln, hielt er
plötzlich an und deutete auf die
Ausfahrt in Richtung La Fe, die wir
alleine wohl nicht so rasant gefunden
hätten. Das nenne ich wirklich
sportliche Hilfsbereitschaft mit vollem
Körpereinsatz. Überglücklich über das
kleine Abschiedsgeschenk was wir ihm
zusteckten, liessen wir ihn mit einem
Strahlen auf dem Gesicht zurück. Je mehr
man sich Maria la Gorda nähert, umso
schmaler und schlechter ausgebaut werden
die Strassen. Aber immerhin ist es auch
in den letzten Abschnitten des
Nationalparks immer noch möglich mit bis
zu 60 km/Std., um ein paar Schlaglöchern
herumschlängelnd voran zu kommen. Maria
de la Gorda ist leider nur eine für
Touristen zugängliche Ferienanlage, in
deren Nähe keinerlei Ansiedlungen zu
finden sind. Man ist somit dem Angebot
der Anlage an Restaurants und
Aktivitäten wie Tauchen und geführten
Exkursionen zur Vogelbeobachtung
ausgeliefert.
09.01.2010 – Maria La Gorda
Leider hatten wir mit dem Wetter richtig
Pech. Regenwolken verhangener Himmel,
starke kühlende Winde mit feinem
Sprühregen durchkreuzen alle Pläne sich
draußen aufzuhalten und das Reservat
genauer zu erkunden. Aber tapfer wie wir
waren, unternahmen wir trotzdem den
Versuch, eine Wanderung durch das
Reservat zu unternehmen. Da eine
geführte Tour obligatorisch ist, sind
wir zum 14 km entfernten Besucherzentrum
zurück gefahren. Außer der Putzfrau, die
uns erklärte, dass momentan weit und
breit keine Guides zu finden sind, war
niemand in der Station anzutreffen.
Wir
gaben daher die Variante der geführten
Tour auf, fuhren zurück nach Maria la Gorda und stiefelten von dort aus in
Richtung einer neu angelegten Trasse in
den Urwald hinein. Wir schlossen sofort
Freundschaft mit allerlei piesackenden
Quälgeistern, die meine Backe und
Schläfe durch Ihre Stiche in
Kraterlandschaften verwandelten.
Natürlich ließen wir uns von solcherlei
Attacken nicht zurück schlagen und
versuchten einige der vielberühmten
Vogelarten vor die Linse zu bekommen.
Nun es schien so, dass die Vögel
aufgrund der Witterung sich auch schon
gen warmen Süden verabschiedet hatten
und wir daher alleine im Regen standen.
Da wir nicht weiter als Abendessen für
die Mücken her halten wollten, gingen
wir zurück zur Hotelanlage und wärmten
uns an einem kubanischen Rum und einer
Trinidad-Zigarre. Zur Aufmunterung des
Tages funktionierte immerhin zum ersten
Mal auf unserer Tour die Dusche
anstandslos, bis auf das
vernachlässigbare Problem, dass der
Duschkopf nicht in der Richtung das
Wasser abgeben wollte, wo ich mich als
Zielobjekt positionierte.
10.01.2010 – Maria La Gorda – Sand Diego
Und
wieder starteten wir mit Wolken
verhangenem Himmel den Tag. Auf
Nachfrage bei der Tauchbasis, keimte
etwas Hoffnung nach besserem Wetter auf,
da sie für den heutigen Tag alle
Tauchgänge bestätigten. Ich entschloss
mich, wenn sich das Wetter bessern
würde, wie von den
Tauchbasis-Mitarbeitern vorausgesagt,
nach dem Frühstück an dem zweiten
Tauchgang teilzunehmen. Aber auch
diesmal hatten die Mitarbeiter der
Tauchbasis die Rechnung ohne Neptun
gemacht. Der Wind frischte so stark auf,
dass durch den ansteigenden Wellengang
an Tauchfahrten in dem Boot nicht mehr
zu denken war. Da wir mit der Absage
aller Tauchgänge zu rechnen hatten,
haben wir beschlossen vorzeitig
abzureisen und nach San Diego zu fahren,
um dort die heißen Quellen zu besuchen
und um uns dort von dem kalten Wetter
aufzuwärmen.
Wir wählten dieses Mal eine
Route im Süden entlang der Küste über
Manuel Laso nach Cortés, um weitab von
Touristenströmen an dem etwas
ursprünglicheren Kuba entlang zu fahren.
Wir wollten generell langsam fahren, um
die Gegend auf uns wirken zu lassen. Die
Straßenverhältnisse waren aber so
schlecht, dass man nur mit ca. 20
Std./km voran kam, was unsere
Zeitplanung etwas durcheinander brachte.
Wer also nicht viel Zeit mitbringen
kann, sollte diesen Straßenabschnitt auf
jeden Fall meiden. Da wir bereits
wussten, dass es fast keine
Beschilderung auf der Autobahn gibt,
haben wir uns vorab bei einem Anhalter
informiert, welche markante Stelle die
Ausfahrt von San Diego markiert. Wir
bekamen den Hinweis, dass wir bei der 4.
Brücke von Pinar del Rio aus gezählt
nach links abfahren müssen. Artig
zählten wir die durchfahrenen Brücken,
aber an der 4. Brücke war weit und breit
keine Trasse für eine Abfahrt zu
erkennen. Erst auf den zweiten
ungeschulten europäischen Blick war auf
der gegenüberliegenden Seite, entlang
der Brücke eine schmale Piste direkt in
der roten Erde zu erkennen. Von
Erzählungen hatten wir bereits gehört,
dass Wenden über den Mittelstreifen
nichts Ungewöhnliches ist, insbesondere
dann, wenn sich die Ausfahrt auf der
gegenüberliegenden Seite befindet. Wir
passten uns also den hiesigen
Verkehrsgepflogenheiten an, wendeten
über den Mittelstreifen und fuhren über
den Acker von der Autobahn ab.
Es schien
sich wirklich um eine „reguläre“ Auf-
und Abfahrt zu handeln, da uns
Einheimische entgegenkamen, die diesen
Weg als Auffahrt auf die Autobahn
nutzten. Passanten entlang des Weges,
bestätigten uns dass es sich um die
Strasse in Richtung San Diego handelt.
Jetzt wurde uns auch klar, warum man uns
die Ausfahrt mit der Anzahl der zu
durchfahrenden Brücken angegeben hatte,
weil eine Ausfahrt im europäischen
Verständnis sonst gar nicht zu vermuten
wäre. Sehr viele Brücken sind zwar
gebaut worden, aber sind von beiden
Seiten seither noch nicht an eine
Strasse angebunden worden. Die alte
kreuzende Straße, wurde einfach von der
Autobahn durchschnitten.
Angekommen am Hotel Mirador de San Diego
und mit der Vorfreude sich in den heißen
Quellen aufzuwärmen, fragten wir an der
Rezeption nach dem Weg. Dort teilte man
uns mit, dass man die Badeanlagen,
welche von den Quellen gespeist werden,
derzeit renoviert und daher ein Besuch
nicht möglich wäre. Nun, was soll man
noch machen. Da bleibt einem nur sich
für den nächsten Tag endlich karibisches
Wetter zu bestellen und sich bei einer
warmen Dusche auf das Hotelzimmer zurück
zu ziehen. Da leider das warme Wasser
nur in homöopathischen Dosen aus dem
Duschkopf tröpfelte, musste der letzte
Programmpunkt ausfallen. Da fast keine
Gäste im Hotel waren, war auch die Küche
für das Abendessen ein klein wenig
reduziert. Wir bestellten Hühnchen mit
Pommes Frites und erlebten dabei eine
Überraschung. Nach 15 Minuten kam der
Kellner mit einem Gruß aus der Küche,
welcher aus einem Schälchen Pommes
Frites bestand und entschuldigte sich
dafür, dass es mit dem Hühnchen
mindestens noch eine halbe Stunde dauern
würde. Das war natürlich kein Problem
für uns, da Bier reichlich vorhanden
war. Nach ca. einer dreiviertel Stunde
wurde dann ein hervorragend frisch
schmeckendes wohlgenährtes Schenkelchen
serviert. Der übliche Witz über die
lange Wartezeit, dass man das Huhn wohl
erst fangen und schlachten muss, stellte
sich dieses Mal zu unserem Erstaunen als
die Wahrheit heraus. Das Personal war
jedenfalls sichtbar bemüht, auch unter
erschwerten Bedingungen, die Wünsche der
Gäste zur vollen Zufriedenheit zu
erfüllen.
11.01.2001 Varadero – oh Schreck!
Das
Wetter hatte sich nicht gebessert und so
hofften wir in Fahrt in Richtung Osten
auf einen Himmel mit viel Sonne, da am
östlichen Horizont Wolkenauflockerungen
erkennbar waren. Unser Ziel war die
Touristenhochburg Varadero, was sich im
Nachhinein als keine gute Wahl heraus
stellte. Für all diejenigen, die mit
Massentourismus, weißem Sandstrand und
möglichst nicht mit dem realen
Kuba konfrontiert werden wollen, ist
Varadero sicherlich der richtige Ort.
Kaum hatten wir uns im Club Amigo
Tropical eingemietet, sahen wir uns
unversehens als All-Inclusive-Tourist
mit Handmanschette in die
Massentourismusmaschinerie eingespannt.
Die Zimmer, das Essen sowie das gesamte
Flair können schwerlich einem
Drei-Sterne-Anspruch genügen. Deutlich
abgewohnte Zimmer, verschmutzte
Tischdecken, verkochte geschmacklose
Speisen, teilweise wenig hilfsbereites
Hotelpersonal war das Kontrastprogramm
für das seither Erlebte in Kuba. Hierfür
gab es nur eine Lösung: so schnell raus
aus Varadero wie möglich und zurück in
die Realität.
12.01.2001 Playa Larga an der Bahia de
Cochinos, besser bekannt als
Schweinebucht
Mucho frio! Aus den Nachrichten hatten
wir erfahren, dass es sich bei hiesigen
Temperaturen um Kälterekorde handelte.
In manchen Gegenden fiel das Thermometer
bis auf 5 Grad in der Nacht, was eine
extrem ungewöhnliche Wettersituation für
das Land darstellte und damit
Gesprächsthema Nummer eins in den Medien
und auf der Straße war. Froh, endlich
das Hotel verlassen zu können, in dem
wir ein Zimmer mit Straßenblick hatten,
bei dem man ständig das Gefühl hatte,
dass der Lkw direkt durchs Zimmer fährt,
brachen wir in den Süden mit Ziel Playa
Larga auf. Wie die vergangenen Tage
immer problemlos geschehen, baten wir
das Rezeptionspersonal, eine
Reservierung für uns im Zielhotel
vorzunehmen. Völlig uninteressiert,
verwies man uns auf eine Vertreterin von
Cubanacan, die für diese Dinge zuständig
sei. Der Mitarbeiterin schien unser
Anliegen äußerst lästig zu sein und sie
versuchte uns daher abzuwimmeln. Erst
nachdem ich ihr klar verdeutlicht hatte,
wie ihr Verhalten im krassen Gegensatz
zu allen anderen Kollegen im Lande
stand, schien Leben in diesen Körper
zurück zu kehren und sie wurde plötzlich
äußerst aktiv. Diese ganze Geschichte
zeigte mir wieder, wie übersättigt die
Mitarbeiter hier bereits vom
Massentourismus waren.
Mit
der Hilfe von etlichen Anhaltern, die
wir von Stadt zu Stadt mitnahmen, einem
Fahrradfahrer, der uns wieder durch die
Stadt lotste, etlichen sehr
hilfsbereiten Passanten und gut
ausgebauten Straßen erreichten wir
innerhalb von 2 1/2 Stunden unser Ziel,
Playa Larga deutlich schneller als
erwartet. Das Hotel, welches aus einer
Anlage von vielen verschiedenen
Bungalows besteht, wurde vor 2 Jahren
renoviert, was man seiner Ausstattung in
sehr positiver Weise deutlich ansieht
(die in der Nähe liegende Hotelanlage
von Playa Giron wurde hier im Gegensatz
nicht renoviert und zeigt daher massive
Abnutzungserscheinungen – Bewertung:
Daumen nach unten). In Playa Larga gibt
es zwei Hauptaktivitäten: die eine ist
die Beobachtung und Erkundung der Tier-
und Pflanzenwelt Monte Mar (Gran Parque
Natural Monte Mar), die andere das
Tauchen direkt vom Strand aus an den
steil abfallenden Riffwänden. Entlang
der Straße Playa Larga nach Playa Giron
gibt es überall Tauchspots an denen wie
am Cueva de los Peces aus einer
Blechhütte voll ausgestattete Tauchgänge
für 25 CUC angeboten werden. Da wir hier
endlich Sonne hatten und wir
ausgehungert nach einem Sprung in die
warme Karibik waren, nutzten wir die
Gelegenheit und erkundeten die
Unterwasserwelt. Auch hier haben die
Tornados der letzten Jahre den Korallen
schwere Schäden zugefügt. Der
Meeresboden ist übersät von
abgebrochenen weiß ausgeblichenen
abgestorbenen Korallenstücken. Trotzdem
waren wir fasziniert von der
Farbenpracht und Artenreichtum von
Neptuns Zoo.
13.01.2010 Playa Larga
Das
dampfende Meer bei 14 Grad
Außentemperatur machte beim
Sonnenaufgang auf eindrucksvolle Weise
deutlich, welche extremen
Temperaturunterschiede hier momentan
herrschen. Aber es schien ein
wolkenfreier und damit sonniger Tag zu
werden, was die Temperaturen schnell auf
24 Grad klettern ließen. Unser Versuch,
uns den obligatorischen Guide für die
Einfahrt in das Reservat anzuheuern,
schlug leider fehl, weil ab 8 Uhr schon
alle Führer unterwegs waren und wir erst
gegen 9 Uhr am Büro der Parkverwaltung
ankamen. Kein Problem, wir zogen also
Option zwei und besichtigten an der
Cueva de los Peces bei einem Tauchgang
die Unterwasserwelt und den nur wenige
Meter im Landesinneren liegenden 70
Meter tiefen Teich, der durch seine
besondere geologische Beschaffenheit
extrem steile Wände aufweist, die durch
eine bunte artenreiche Fischwelt
bevölkert wird. Hier kann man den Blick
in ein natürliches Aquarium genießen.
Für
das Abendessen hatten wir uns
vorgenommen das touristische Einerlei
gegen die einheimische Küche
einzutauschen. Sucht man in Kuba nach
der einheimischen Küche muss man sich an
die sogenannten Paladares halten. D.h.
es handelt sich hierbei um einen
staatlich zugelassenen Privathaushalt,
der heimische Küche nach dem Motto „was
der Kühlschrank gerade so hergibt“
anbietet. Wir mussten nicht lange im
Dorf nach einem Paladares fragen, als
ein älteres Ehepaar uns als Guide ihre
Hilfe anbot und einstieg. Nachdem wir
mehrere Häuser abgeklappert hatten und
schon fast die Hoffnung auf heimische
Küche aufgegeben hatten, öffnete in
einem kleineren Haus ein älterer Herr
die Tür und schien sofort begeistert von
der Idee uns ein Abendessen zu
servieren.
Er bot uns für 10 CUC pro
Person Krokodil, Fisch, Pommes Frites,
grüne und rote Tomaten und die
obligatorische Beilage Reis mit
schwarzen Bohnen an. Natürlich sagten
wir zu, da diese Zusammenstellung doch
eher selten auf dem europäischen
Speisezettel zu finden ist. Während der
Herr des Hauses die Speisen zubereitete,
wurden wir von dem uns als Guide
dienenden Pärchen kontinuierlich mit
einem Redefluß eingedeckt. Wir konnten
zwar kein Wort verstehen, das schien
aber unser Gegenüber in keinster Weise
davon abzuhalten uns die wahrscheinlich
interessantesten lokalen Geschichten zu
erzählen. Der Redefluß wurde erst
dadurch gebremst, als das Essen serviert
wurde. Es war einfach lecker, auch wenn
man immer den Hintergedanken hatte, ob
man sich das Essen zweimal durch den
Kopf gehen lassen würde. Unser Magen
bestätigte jedenfalls die Qualität des
Essens – keine Probleme.
14.01.2010 Playa Larga - Cienfuegos
Heute waren wir pünktlich um 8 Uhr
morgens am Büro der Parkverwaltung, um
uns für einen Guide zur Besichtigung des
Reservates einzubuchen (10 CUC pro
Person Eintritt; 7 CUC für den Guide).
Wir hatten Glück, da wir einen Guide
zugeteilt bekamen, der sehr gut englisch
sprach und im Nationalpark aufgewachsen
ist. Er bot an unseren Wagen selbst
durch den Nationalpark zu fahren, um uns
optimalen Freiraum zum Fotografieren zu
lassen. Die Tour geht anfangs durch
höher bewachsenen Baumbestand, der
später in niedrig wachsenden Gras- und
Mangrovenbewuchs übergeht. Es gibt
vereinzelt Aussichtsplattformen, die
einem ausreichend Möglichkeit geben, die
Vogelwelt dieser Landschaft in aller
Ruhe zu beobachten. Nach ca. zwei
Stunden war die Tour beendet und wir
fuhren nach Cienfuegos und buchten uns
in dem sehr schönen, im Zentrum
liegenden Hotel La Union, was in einem
historischen Gebäude untergebracht ist,
ein.
Hat man auf seiner Reise wenig Zeit,
kann man sich das Städtchen sparen.
Sucht man allerdings nach dem perfekten
Mojito, ist am äußersten Ende der
Landzunge bei Punta Gorda die Parkanlage
mit ihrem Pavillons am Meer und der
dazugehörigen Bar eine Empfehlung wert.
15.-16.01.2010 Trinidad
Endlich sind die Temperaturen für ein
Karibikfeeling zurückgekehrt und
Trinidad mit seinen Bergen, der
Innenstadt, die als Freilichtmuseum
fungiert und Sandstränden ist ein
idealer Ort, dies zu genießen. Wir haben
uns im Hotel Club Amigo Ancon mangels
Alternativen eingebucht. Der Hotelbunker
scheint in den 60-er Jahren von
sowjetischen Stararchitekten entworfen
worden zu sein, die wohl auch für die
Entwürfe von Flugzeugträgern zuständig
waren. Monströser Plattenbau mit
Sichtbetoncharme lässt das Herz eines
jeden Genossen höher schlagen. Bedingt
durch die Größe der
Anlage war das
Buffet aber sehr reichhaltig und
abwechslungsreich, was für eine gewisse
Entschädigung sorgen kann, wenn man sich
für die Kantine (Essraum/Restaurant)
vorsichtshalber ein paar Ohrstöpsel
mitnimmt, um den Lärm etwas zu dämpfen.

Die
Altstadt von Trinidad selbst liefert
einem unentwegt Fotomotive, die das
Flair von Kuba wieder spiegeln, welches
man aus Reiseprospekten kennt.
Derjenige, der gerne fotografiert,
sollte es nicht verpassen, die Ruhe und
Gelassenheit dieser kleinen Altstadt auf
sich wirken zu lassen. Trinidad ist auf
jeden Fall eine Reise wert, da es alles
bietet, angefangen von einer schönen
Altstadt, umrahmt von einer
Berglandschaft, die zu Ausflügen ins
Hinterland einlädt bis hin zu dem ca. 15
km entfernten feinkörnigen weißen
Sandstrand, der hinter einer
Mangrovenlandschaft liegt.
17./18.01.2010 Santa Lucia
Da
unser nächstes Ziel Santa Lucia etliche
hundert Kilometer von Trinidad entfernt
liegt, sind wir direkt nach dem
Frühstück in Richtung Osten gestartet.
Da heute keine Wolken am Himmel waren,
konnte man die Sonne ohne Probleme als
Richtungsanzeiger nutzen. Aber im
Gegensatz zum westlichen Teil des Landes
schien man etwas mehr in eine
Beschilderung der Strassen investiert zu
haben. So war es fast ohne fremde Hilfe
möglich zu wissen, wo man sich
abschätzungsweise aufhielt und welche
grobe Richtung man einschlagen musste.
Aus
dem Tourguide folgten wir der Empfehlung
Sancti Spiritus anzuschauen, welche
vergleichbar mit Trinidad sein sollte.
Nachdem wir eine Stunde durch die Gassen
der Altstadt geschlendert waren, konnten
wir diese Meinung nicht ganz teilen.

Gegen Abend kamen wir im Hotel Club
Amigo Mayanabo an, welches uns in
Trinidad empfohlen worden war. Erst im
zweiten Anlauf bekamen wir ein
akzeptables Zimmer. Der Grund hierfür
lag darin, dass sich das Hotel in einen
alten und einen neuen Trakt unterteilen
lässt. Im alten Trakt sind die Zimmer
dermassen abgewohnt, dass dies eher dem
Standard eines Dreimondes-Hotels
entspricht, als dem selbst gesteckten
Ziel eines Dreisterne-Hotels. Die
Speisen hingegen überraschten durch ihr
abwechslungsreiches Angebot und ihre
vergleichbare gute und reichhaltige
Qualität. Es ist schon interessant, wie
stark sich im Lande die Qualität der
Hotels in der gleichen Kategorie
unterscheiden. Ein wichtiges Kriterium
ist, ob das Hotel das Glück hatte durch
eine Verjüngungskur mittels einer
Renovierung wieder in einen vernünftigen
Zustand gebracht worden zu sein oder ob
man nur Zimmer zur Verfügung hat, die
eine bewegte dreißigjährige Geschichte
hinter sich haben.
Santa Lucia selber bietet das
zweitgrößte Riff hinter dem Great
Barrier- Riff (Australien), was wir mit
der in der Nähe liegenden Tauchstation
Shark´s Friend genauer in Augenschein
nahmen (30 CUC pro Tauchgang incl.
Komplettausrüstung). Dominiert wird das
Riff, welches man durch eine 10-minütige
Bootsfahrt vom Strand aus erreichen
kann, durch bunte Korallen und
artenreiche Fische. Freunde von
Großfischen werden hier nicht auf Ihre
Kosten kommen, es sei denn man ist ein
Freund von touristisch verkorksten Haianfütterungs-Tauchvoyerismus.
Im
Hinterland kommen in der
Mangrovenlandschaft wieder die
Vogelfreunde (wie auch die Moskitos) auf
ihre Kosten. Im Unterschied zu Playa
Larga handelt es sich hier aber nicht um
ein abgesperrtes Reservat. Man hat daher
unbeschränkten Zugang zu Flamingos,
Pelikanen, Kranichen und weiterem
Federvieh von einer Ringstrasse, die um
die Halbinsel führt.
19./20.01.2010 Baracoa – Unser
persönlicher Favorit!
Wir
hätten es sicherlich noch ein, zwei Tage
in Santa Lucia aushalten können. Aber
wir hatten uns dann doch morgens
entschieden, nach einem Blick auf den
Wolken verhangenen Himmel, nach dem über
300 km entfernten Baracoa aufzubrechen,
ohne genau zu wissen, ob die
Straßenverhältnisse es uns erlauben
würden unser Ziel vor Einbruch der Nacht
zu erreichen.
Schon am ersten Teilstück zwischen Santa
Lucia und Las Tunas waren die Straßen
auf einer Länge von ca. 60 km so
schlecht, dass wir hier schon allein für
diese Strecke ca. 2 Stunden benötigten.
In Anbetracht dieser
Reisegeschwindigkeit bekamen wir massive
Zweifel, ob wir unser Ziel heute noch
erreichen könnten. Aber entgegen jeder
Erwartung, je weiter wir nach Osten
kamen, wurden die Straßen immer besser,
obwohl die Region immer menschenleerer
wurde. Dies ging so bis zur völlig
verdreckten Bergbau-Stadt Moa, die mit
einem massiven Umweltproblem zu kämpfen
hat. Die ganze Gegend ist mit einer
rostroten Staubschicht überzogen, die
das Ergebnis der rauchenden Hochöfen
ist. Teilweise sieht es aus, wie auf
einer roten lebensfeindlichen
Marslandschaft, die nur für
Umweltaktivisten ein Ziel sein kann.
Strassentechnisch
wurde dann die Situation auf jedem
Kilometer bis nach Baracoa immer
schlechter (40 km vor Baracoa
unbefestigte Strasse mit Schlaglöchern
und tiefen Gräben), ganz im Gegensatz zu
der immer interessanter werdenden
Urwaldlandschaft. Es war einfach
herrlich so kurz vor unserem Ferienende
noch einmal so ein landschaftlich
unberührtes Kuba zu Gesicht zu bekommen.
Endlich angekommen, landeten wir auch
noch ein Volltreffer mit unserem Hotel
Porto Santo, welches ca. 3 km an einer
Bucht entfernt liegt. Hier bekamen wir
ein großzügiges Zimmer mit Balkon und
einem herrlichen Blick über die gesamte
Bucht. Wer das Gegenteil von Varadero
sucht, unberührte Natur; Animationslärm,
ausgetauscht durch Wellenrauschen;
aufdringliche Verkäufer, verwandelt in
neugierig zurückhaltende Einheimische
und eben ein völlig unbekanntes Gesicht
von Kuba, was in den Reiseprospekten
nicht enthalten ist, der sollte sich
Baracoa nicht entgehen lassen. Um zu
verstehen, was ich meine, darf man
nicht im Hotel bleiben, sondern muss
sich unter die einheimische Bevölkerung
mischen, z. B. bei einem Bier auf dem
Plaza Marti und die Kontakte und
Gespräche freundlicher Menschen
aufnehmen, die einem angeboten werden.
Wer
einen perfekt englisch sprechenden
Tourguide für die nähere Umgebung sucht,
dem kann ich nur Benny empfehlen, der
mit ganzem Herzen bei der Sache ist (email:
laffita@havanator.cu Telefon:5521645358 Mobilfunk:
52645761).
Aus
unseren Kontakten vom Vorabend boten
sich zwei Einheimische an für einen
Obolus bestehend aus Kleidung, wie einer
Hose und einem T-shirt uns Land und
Leute zu zeigen. Wir fuhren ca. 30 km in
Richtung des südöstlich liegenden Puente
Rio Yumuri, dessen Einwohner unter dem
letzten Hurricane Ike extrem gelitten
hatten. Viele Häuser, die am Strand
gelegen waren, wurden komplett zerstört.
Zwischenzeitlich sind viele dieser
Häuser mit staatlicher Hilfe wieder
aufgebaut worden, was die Verluste etwas
mindern konnte.
Sechs junge Frauen vom Dorf scharten
sich um uns und versuchten uns
erfolgreich Getränke oder Essen im
Tausch von Kleidung oder Geld
anzubieten. Da Kleidung hier das
vordringlichste Problem war, entschieden
wir uns etliche Kleidungsstücke gegen
selbst gemachten Kakao direkt aus
Kakaobohnen (sozusagen Direktsaft)
einzutauschen. Es war wirklich eine
nette Art so in direkter Weise helfen zu
können und gleichzeitig viel von dem
Land, den Leuten und ihren
unterschiedlichen Bedürfnissen zu
lernen.
Puente Rio Yumuri liegt am Ausgang einer
Schlucht zum Meer. Mit einem
zweieinhalbstündigen Rundwanderweg kann
man durch die Bergwelt wandern in die
immer wieder kleine Hütten mit Gärten
eingebettet sind. Für die gemütliche
Variante werden Bootsfahrten in die
Schlucht hinein angeboten.
21.-23.01.2010 - Holguin
Leider war wieder einmal der Abreisetag
schneller da als gewünscht. Die ersten
40 km des holprigen Rückwegs in Richtung
Holguin waren zwar eine Tortour für das
Auto wohingegen wir in aller Ruhe die
Urwaldlandschaft auf uns wirken liessen
und die Zeit zu einem drei stündigen
Fotoshooting entlang des Weges nutzten.
Nach weiteren vier Stunden kamen wir in
Holguin im Motel El Bosque an, was wir
lieber gegen das etwas ausserhalb auf
einem Berg liegende Hotel Mirador
Mayanabe, welches aber leider ausgebucht
war, eingetauscht hätten. Wir hatten zum
ersten Mal nicht vorreserviert, was sich
im Vergleich der Hotels in Bezug auf
Lage und Ausstattung als Fehler heraus
stellte. Generell hatten wir das Gefühl,
dass während unserer Reisezeit die
gepflegteren bzw. renovierten Hotels
fast immer ausgebucht waren und daher
eine Vorreservierung (mindestens zwei
Tage im Voraus) sehr zu empfehlen ist.
Am nächsten Tag ging es vom Flughafen
Holguin mit einem Zwischenstop in
Havanna und Madrid nach Frankfurt.
Zum
Abschluss...
 Wie
immer konnten wir aufgrund der fehlenden
Zeit nur bruchstückhaft Land und Leute
kennen lernen. Aber wir haben versucht,
möglichst vielfältig das Land zu
bereisen, um einen breiten Überblick zu
erhalten. Varadero und San Diego hätten
wir besser auslassen sollen, aber das
weiß man eben nur mit letzter
Sicherheit, wenn man vor Ort gewesen
ist. Wir hoffen, dass unsere
Reisebeschreibung Euch ein paar
Anhaltspunkte für Eure eigene
Reiseplanung geben kann. Abschließend
noch ein paar generelle Punkte mit denen
Ihr sicherlich in Eurem Kuba-Urlaub
konfrontiert werdet:
-
Insbesondere in
der Region um Playa Larga gibt es
Riffe, die man direkt und ohne Boote
vom Strand erreichen kann. Daher
unbedingt zum Schnorcheln,
Taucherbrille und Schnorchel
mitnehmen
-
Auf Kuba bezahlt
man in bar und für die wichtigen
Dinge in CUC. Die lokale Währung in
Peso kann man nur sehr beschränkt
einsetzen (probiert die leckere
Peso-Pizza für ca. 10 Peso).
-
Kreditkarten
werden wenig akzeptiert, bzw. da
öfters eine Kommunikationsverbindung
zur Bank nicht hergestellt werden
kann, kann aus technischen Gründen
eine Zahlung per Karte nicht
erfolgen
-
Die Hotelliste
von Flexi-Drive ist nicht immer
aktuell, was dazu führen kann, dass
Hotels die Voucher ablehnen und eine
Buchung nicht möglich ist, zB. Hotel
Brisas Santa Lucia
-
Wie üblich:
Vorsicht vor Seeigeln abseits der
Touristenstrände
-
Kompass
mitnehmen, da insbesondere im
westlichen Teil des Landes eine nur
unzureichende Beschilderung der
Straßen vorhanden ist
-
Kuba ist ein
Polizeistaat mit ständiger
Kontrolle. Was von den Einheimischen
oft als Negativ empfunden wird, hat
für den Touristen den Vorteil, dass
er sich im Land auch in dunklen,
engen Gassen sicher bewegen kann.
Auf die immer wieder angebotene
Serviceleistung eines Wächters für
den mit einem roten Kennzeichen
beschilderten Mietwagen kann man
getrost verzichten. Würde der Wagen
geklaut werden, käme der Dieb
sicherlich nur drei
Strassenkreuzungen weit, bevor er
vor der nächsten Polizeistreife
angehalten wird. Ein Einheimischer
in einem neuen Mietwagen würde
auffallen, wie ein bunter Hund.
-
Anhalter kann man
problemlos mitnehmen. Sie sind auch
sehr hilfreich als Navigationssystem
mit Sprachausgabe insbesondere dann,
wenn keinerlei Beschilderung über
große Distanzen zu finden ist.
-
Halb Kuba scheint
in einer Zigarrenfabrik zu arbeiten:
daher Vorsicht bei Angeboten auf der
Strasse vor gefälschten Zigarren.
Die Mainstream-Marke wie Cohiba wird
an jeder Strassenecke angeboten.
Top-Marken, wie Trinidad scheinen
nicht gefälscht zu werden. Wer es
schafft eine Trinidad im
Straßenhandel zu erhalten, darf sich
gerne bei mir melden. Es wäre
wirklich eine große Überraschung für
mich.
-
Insbesondere in
den ländlichen Regionen wird immer
nach Süssigkeiten, Kugelschreibern,
Seife und Kleidung gefragt. Wer hier
etwas aus seinem Kleiderschrank
entbehren kann, findet dankbare
Abnehmer.
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Für die
Flughafengebühr in Havanna 25 CUC
pro Person zurück behalten. Die
Gebühr ist vor der Passkontrolle am
Tax-Schalter zu bezahlen.
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