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© 1999-2010  Matthias Riedel

 
 
 
 
 

 

 

 

 

 
 

 

Reisetagebuch aus Kuba

04.01.2010 Stuttgart – Havanna

 Für dieses Jahr hatten wir uns vorgenommen, Fidels Kuba, einer der letzten Bastionen des Sozialismus einen Besuch abzustatten. Da der alte Herr bekanntermaßen nicht bei bester Gesundheit ist und wir den natürlichen Vorgängen des Zerfalls zuvor kommen wollten, war ein wenig Eile geboten. Ein letztes Mal Kuba erleben, wie es war und ist und bald nicht mehr sein wird, wenn Fidel Castro sich endgültig von der politischen Szene Kubas verabschiedet.

 4:30 ging es bei frostigen Minusgraden erst mit dem Taxi, dann mit dem Zug zum Frankfurter Flughafen. Soweit so gut ging es dann etwas verschlafen zum Check - In von IBERIA. Die nette Dame an der Abfertigung hatte aber ein wirksames Mittelchen parat, was uns aus unserem Schlummerzustand riss: „Leider können wir Sie auf diesem Flug nicht mitnehmen, weil eine Touristenkarte, die Bedingung für die Einreise nach Kuba ist, fehlt. Leider bleibt für Sie keine Zeit mehr kurzfristig eine Ersatztouristenkarte zu besorgen.“

Na prima, da war die Freude groß und wir waren hell wach. Unser Wohlfühlpaket Flexi-Drive (Mietwagen ohne Kilometerbegrenzung) incl. Hotel - Voucher (freie Hotelwahl aus über 120 Hotels über ganz Kuba verteilt) des Veranstalters AvenTOURa (http://www.aventoura.de/) hatte uns nur eine Touristenkarte beigelegt. Woher also gegen 7 Uhr morgens innerhalb kurzer Zeit eine Touristenkarte besorgen? Wir haben erfahren, dass am Flughafen über die großen Reiseveranstalter, wie TUI, für 35 Euro eine Touristenkarte innerhalb weniger Minuten ausgestellt wird.  Also flugs zu TUI gelaufen, Touristenkarte ergattert und wir waren wieder im Spiel. Als nächsten Schachzug haben wir unsern Anschlussflug Frankfurt-Madrid auf den nächsten möglichen Flug zur Mittagszeit umgebucht. Da in Madrid sowieso eine mehrstündige Pause für den Weiterflug nach Havanna vorgesehen war, hätten wir eigentlich noch mit etwas Rückenwind den Anschlussflug nach Kuba erreichen können.

Nachdem wir unseren Flug erfolgreich umorganisiert hatten, artig selbst alle Papiere besorgt hatten, hieß es warten bis zur Mittagsmaschine. Unser Puls wollte sich gerade wieder in den Schlafzustand einpendeln, bis wir über Lautsprecher ausgerufen wurden. Man teilte uns überraschenderweise von IBERIA mit, dass wir nun doch mit der Maschine fliegen können, die hätte schon längst weg sein müssen. Also Puls wieder nach oben geschraubt, Flugtickets wieder umorganisieren, wieder auf LOS gehen und gemütlich am Boarding der ursprünglichen Maschine teilnehmen.

Das Wetter schien es in unserem Sinne gut mit uns zu meinen. Aufgrund vereister Tragflächen konnte die Maschine erst mit 1 ½-stündiger Verspätung abheben.

 Die spanische Wirtschaft sollte auch von unserem mehrstündigen Aufenthalt in Madrid profitieren. Und so verkostete ich die hier am Flughafen angebotenen Tapas mit Wein. Naja, das hätte ich lieber bleiben lassen sollen. Denn der Geschmack war im Gleichklang mit dem nasskalten, wolkenverhangenen sich im Dauerregen befindlichen Wetter in Madrid. Aber die Wettersituation sollte sich unserer Hoffnung nach doch bald ändern. Unser nächster Stopp war schließlich Kubas Hauptstadt Havanna in der Karibik – oder etwa nicht?!

5.1.2010 – Havanna Zentrum direkt am Malecon im Hotel Deauville

 4 Uhr morgens im Hotelzimmer und das Jet-lag hat mich voll im Griff. An Schlaf ist nicht mehr zu denken und um mir die Zeit zu vertreiben, lausche ich dem aufgewühlten Meer, welches mit großem Getöse gegen die Kaimauern des Malecon kracht.

Ab 7 Uhr gab es endlich Frühstück in einem Raum, der den Charme eines Bahnhofwartesaals versprüht. In Anbetracht der Schwierigkeiten, Lebensmittel auf dem kubanischen Markt zu erhalten, war unser Frühstücksangebot den Umständen entsprechend reichhaltig und gut. Da das Hotel Deauville sehr zentral liegt, konnten wir auf unser Auto verzichten und alles per Pedes erkundschaften. Wir nahmen den Lonely Planet „Cuba“ (Ausgabe September 2009) als Vorlage und zwei ausgewählte Touren in den Stadtteilen Centro Habana und Habana Vieja.

Beide Touren waren sehr gut geeignet einen Einblick in die kulturellen Highlights der Stadt zu bekommen und das Flair und teilweise morbide Aussehen der alten Dame Havanna auf sich wirken zu lassen.

 Überall überraschen die extremen Gegensätze zwischen neu herausgeputzten Häusern, die in unmittelbarer Nähe zu komplett verfallenen Fassaden stehen, die nur noch notdürftig mit ein paar Balken vor dem kompletten Einsturz geschützt sind.

Zerfallene Häuser, denen man noch heute den Reichtum Ihrer ehemaligen Besitzer ansieht, leiden darunter, dass ihre höchst aufwendig gestalteten Fassaden schutzlos dem Verfall preis gegeben werden. Teilweise wachsen kleine Bäumchen aus den Fugen und Ritzen der Wände, was die Bewohner nicht weiter zu stören scheint.

Doch es bleibt die Hoffnung, dass das eine oder andere Haus gerettet werden kann, da immer wieder Klopfen und Hämmern aus den Hinterhöfen zu hören ist und man an einigen Stellen über Berge von Bauschutt steigen muss.

 Noch kann man es bewundern, das qualmende und tuckernde Automuseum auf Kuba´s Strassen. Auch wenn hier der Wandel zu aktuellen Automodellen unübersehbar ist. Schon jetzt hat man das Gefühl, dass die Oldtimer auf dem Rückzug sind und sich dem Wandel der Zeit geschlagen geben müssen. Aber immer noch werden die alten Modelle stolz den Touristen präsentiert um diese zu einer Taxifahrt zu animieren. Direkt vor dem Capitolo Nacional konnten wir die ausgefallendsten und mit viel Liebe hergerichteten Modelle bestaunen.

 

 Für beide Touren haben wir uns viel Zeit genommen, was dazu führte, dass wir den kompletten Tag auf den Beinen waren. Dabei hatten wir nie das Gefühl, dass man sich lieber nicht in einige Stadtviertel aufgrund von Sicherheitsbedenken verirren sollte. Natürlich findet man sich immer wieder von Menschen nach Süßigkeiten oder Seife angebettelt, was aber immer seither ohne aggressiven Unterton geschah. Wir hatten uns auf diese Situation, bewaffnet mit einer Tüte Süßigkeiten und Seife aus dem Hotelzimmer, eingestellt. Dass Armut nicht gleich unglücklich sein muss, wird auch hier immer wieder durch die Herzlichkeit und Freundlichkeit der Menschen spürbar.

 Auf Empfehlung eines Kanadiers, der in Havanna lebt, haben wir in dem der spanischen Küche angelehnten „El Templete“ (an der Ecke Av. Carlos Manuel de Céspedes/Empedrado gelegen) gegessen. Dort kann man mit dem Blick auf den Hafen dem Treiben der Schiffe zusehen. Hier hatte ich auch im Gegensatz zu meinen nach Chlor schmeckenden Fehlstarts in anderen Cafés Begegnung mit meinem ersten lecker schmeckenden Mojito, der mit Mineralwasser aufgefüllt wurde. Ich denke ich werde noch viel Zeit haben, den besten Mojito auf Kuba zu finden. Aber eines ist jetzt schon einmal sicher: ein Mojito mit verchlortem Leitungswasser macht wirklich kein Spaß.

06.01.2009 - Havanna 

Jeden Tag dürfen wir neue Ausstattungsmerkmale unseres Hotels kennen lernen. Sehr gut hat uns gefallen, dass man besonderen Wert auf die Gesundheit seiner Gäste legt. Im Animationsprogramm werden sportliche Aktivitäten angeboten, wie Treppensteigen in den 13. Stock (da der Fahrstuhl immer wieder defekt ist), gesundheitsbewußte Kneipkuren, die 24-stündig angeboten werden (kalte Dusche, nur kaltes Wasser), Streichelzoo für unsere Kleinsten (scheue Kakerlaken). Da ich mir nun doch nicht diesen Kommentar verkneifen konnte, möchte ich ihn doch fairer Weise relativieren. Man ist um Sauberkeit im Hotel sichtbar bemüht, aber in den südlichen Ländern, ist dies doch immer wieder eine Herausforderung. Auch an der Geschäftstüchtigkeit des Hotelmanagements mussten wir keine Zweifel mehr haben, nachdem man vor dem Hotel tägliche Parkbewachungsgebühren (täglich 2 CUC) erhob, obwohl dies unserer Meinung nach (s. Abschnitt „Zum Abschluss“) nicht unbedingt notwendig ist.  

Heute haben wir uns im Stadtteil Habana Vieja durch die Gassen treiben lassen. Irgendwann landeten wir am Plaza de la Cathedral, den geschäftstüchtige Einheimische nutzen, den Touristen sich selbst als Fotomotiv gegen Bezahlung zur Verfügung zu stellen. Ob Frauen in traditionellen Gewändern, ein Fidel Castro – Verschnitt, Teilzeit – Wahrsagerinnen oder lächerlich angezogene Hunde. Es scheint den Geschmack der Kunden zu treffen. Wenn man sich durch die etwas entlegenen Seitengassen bewegt, trifft man immer wieder auf Mini - Snackbars, bzw. Kleinstkrämerläden.

Die Snackbars werden repräsentiert durch kleine Fenster in den Häusern, aus denen günstige Leckereien wie die Pesopizza feil geboten werden. Für 10 kubanische Peso (ca. 30 Cent) bekommt man einen ca. 10 cm großen mit hauptsächlich Käse belegten und Tomatensauce bestrichenen frisch gebackenen Pizzateig. Der Nachbarladen hat dann evtl. die passende Flasche Mineralwasser oder 2 bis 3 Sorten Rum im Angebot, während im übernächsten Haus der Gasauffüllservice für die eigenen Feuerzeuge angeboten wird. Jeder versucht so gut er kann mit seinen kleinen Minigeschäften etwas dazuzuverdienen.  

Wir schienen zur richten Zeit am richtigen Ort zu sein, denn plötzlich tauchte mit viel Tam-Tam eine Art Faschingszug auf. Bunt kostümierte Menschen führten ein Menschentross an, der sich unter Pauken und Trompeten in Richtung Plaza Vieja bewegte. Wir ließen uns langsam mit treiben und landeten letztendlich vor einer provisorischen Bühne, auf den mehrere Tanzgruppen unterschiedlichste Tänze in farbenfrohen Gewändern aufführten.

Das selbstgemalte Bühnenbild, das eine Meeresküste mit einem in Abendstimmung befindlichen Himmel darstellte, war offensichtlich von dessen Maler noch nicht ganz fertig gestellt worden. Unbeirrt davon, dass die ersten Künstler ihre ersten Tänze vor dieser halbfertigen Kulisse aufführten, beendete der Maler in aller Ruhe sein Kunstwerk. Natürlich war er den Tänzern dabei etwas im Weg. Aber was ein echter Künstler ist, der lässt sich durch solche Nebensächlichkeiten nicht aus der Ruhe bringen. Nach einigen Stunden war die Show zu Ende, wie auch die Arbeiten des Künstlers. Wirklich ein gelungener Tag für skurrile Fotomotive.

7.1.2010 - Vinales 

Früh am Morgen haben wir uns dann auf die sich in gutem Zustand befindliche Autobahn in Richtung Westen nach Vinales aufgemacht. Da, wie schon sehr oft gehört, die Beschilderung der Strassen äußerst spärlich, bzw. überhaupt nicht vorhanden ist, könnte ein Kompass eine gute Hilfe sein, hätte man denn einen dabei. Einfach einen kaufen – Fehlanzeige mangels Angebot. Aber man hat ja noch die Sonne, die einem den Weg weist und so haben wir mittels Navigation der alten Seefahrer unseren Weg auf die Autobahn gefunden.

Ca. 50 km vor Pinar del Rio stand plötzlich ein Tankstellenwärter auf der Autobahn und verstellte uns, wild mit den Armen fuchtelnd, todesmutig den Weg. Rechter Hand lag zwar seine Tankstelle, aber eine Betankung auf diese Entfernung wäre dann doch etwas ambitioniert gewesen. Aber Spaß beiseite, er wollte für einen Kunden eine Mitfahrgelegenheit nach Pinar del Rio organisieren, was ihm dann auch – zu seiner Freude – bei uns gelang. Unser Fahrgast erklärte uns, dass er auf einer Tabakanbaumesse in Havanna war und alles über neue Pflanzensorten und die dazugehörigen, robusteren Tabakpflanzensamen gelernt hatte. Da es sich offensichtlich um einen Mann vom Fach handelte, nahmen wir das Angebot von ihm wahr, eine Tabakpflanzung zu besuchen und den Herstellungsprozess der Zigarren im Detail erklärt zu bekommen. Auf einem etwas entlegenen Tabakfeld wurden wir dann von einem sehr gut englisch sprechenden Kollegen in Empfang genommen, der uns sehr ausführlich den Prozess vom Tabaksamenkorn bis zur fertigen Zigarre aufzeigte. Hier war es auch möglich im Gegensatz zu den Führungen in der Fabrik das Drehen einer Zigarre zu fotografieren und den Mitarbeiter durch Fragen von seiner Arbeit abzuhalten. In der Fabrik ist dies natürlich nicht möglich, da sonst die Touristenmassen eine effektive Arbeit unmöglich machen würden. Nach dem sehr informativen Abstecher zur Zigarrenproduktion sind wir dann nördlich in die Berge zu unserem eigentlichen Ziel Vinales gefahren. Auch hier haben wir einen der vielen Anhalter vom Straßenrand aufgelesen, der uns eine gute Navigationshilfe zum Hotel war. Das Hotel Los Jasmines, auf einem Hügel am Rande des Tals gelegen, bietet atemberaubende Ausblicke von seinen Zimmern über die gesamte Region. Wer kann, sollte unbedingt eine Nacht in diesem Hotel verbringen, da allein schon der Ausblick neben den schön eingerichteten Zimmern, eine Übernachtung wert ist. Allerdings war auch hier die Dusche wieder mit einigen Besonderheiten ausgestattet. Mit der Vorliebe an Kneipp´schen Aufgüssen hatte ich ja bereits schon meine Erfahrung im ersten Hotel gemacht. Allerdings hat man hier die Warm-/Kaltaufgüsse  perfektioniert. Die Dusche zeigte eine Vorliebe dafür innerhalb von dreissig Sekunden eine komplette Temperaturkurve von 15 bis zu 50 C und zurück durchzufahren. So konnte man unter der Dusche ein bisschen das Tanzbein schwingen und im richtigen Rhythmus immer wieder einen Schwall Wasser mit seiner Wunschtemperatur erhaschen.

Als Einheimischer von Vinales und nur einige wenige Meter vom Hotel wohnend, bot unser Anhalter geschäftstüchtig an uns seine Stadt und Umgebung zu zeigen. Da er sehr gut Englisch sprach, haben wir sein Angebot angenommen und uns eine Einführung in die Standardtouristenhighlights geben lassen. Zum einen waren dies zwei Grottenbesichtigungen (eine zu Fuß, die andere per Boot) und zum anderen  eine überdimensionale Steinmalerei an einer Felswand, die man besser von Ferne betrachtet, bevor die unter der Felswand liegende Touristenfalle, getarnt als Restaurant, zuschnappt.

Zum Abendessen organisierte er uns eine Reservierung in einem der Vielzahl vorhandenen familiengeführten Privatrestaurants. Das Essen war reichhaltig und lecker und preislich für 10 CUC pro Person angemessen.

08.01.2010 – Vinales - Maria La Gorda

Heute war der erste wolkenfreie Tag und somit die ideale Ausgangsbasis für eine Wanderung im Tal Valle de La Guasasa, dessen Einstiegspunkt etwa 10 Minuten Autofahrt entfernt vom Hotel Los Jasmines liegt. In Vinales lässt man sich die Strasse Adela Azcuy von den Einheimischen zeigen und fährt an dessen Ende, welches gleichzeitig der Einstiegspunkt für den Treck in das Tal ist. Es geht entlang eines durch Ochsenkarren tief zerfurchten Weges gesäumt von Tabak-, und Aloevera oder Ananasfeldern und kleinen Ansiedlungen. Zur Mittagszeit zurück am Hotel, genossen wir noch einmal bei einer Cohiba und einem 7-jährigen Havana-Club Rum die Aussicht über das Tal, welches durch die zuckerhutförmigen Hügel seinen besonderen Reiz erhält.

Der Glaube, die Auffahrt zur Schnellstrasse von Pinar del Rio nach La Fe schnell zu finden, erwies sich als Irrtum. Spätestens als wir im Stadtkern von von Pinar del Rio entgegen der Fahrtrichtung in eine Einbahnstrasse einfuhren, war uns klar, dass es an der Zeit war nach dem Weg zu fragen. Und keine 10 Sekunden vergingen als aus heiterem Himmel ein älterer Herr auf seinem Rennrad auftauchte und uns ohne viel Aufhebens seine Hilfe anbot, den Weg zur richtigen Ausfahrt durch die ganze Stadt in Richtung Maria La Gorda zu finden. Wie von einer Tarantel gestochen, schoss er mit seinem Rennrad durch alle Gassen, Wege und Kreuzungen hinweg, immer mit einem Schulterblick sicher stellend, dass wir seiner rasanten Rennradfahrt überhaupt noch folgen konnten.

Er war klar im Vorteil, da er sich durch den Verkehr von Autofahrern, Ochsenkarren und Fußgängern elegant hindurchschlängeln konnte. Als wir langsam anfingen an seinen Navigationskünsten zu zweifeln, hielt er plötzlich an und deutete auf die Ausfahrt in Richtung La Fe, die wir alleine wohl nicht so rasant gefunden hätten. Das nenne ich wirklich sportliche Hilfsbereitschaft mit vollem Körpereinsatz. Überglücklich über das kleine Abschiedsgeschenk was wir ihm zusteckten, liessen wir ihn mit einem Strahlen auf dem Gesicht zurück. Je mehr man sich Maria la Gorda nähert, umso schmaler und schlechter ausgebaut werden die Strassen. Aber immerhin ist es auch in den letzten Abschnitten des Nationalparks immer noch möglich mit bis zu 60 km/Std., um ein paar Schlaglöchern herumschlängelnd voran zu kommen. Maria de la Gorda ist leider nur eine für Touristen zugängliche Ferienanlage, in deren Nähe keinerlei Ansiedlungen zu finden sind. Man ist somit dem Angebot der Anlage an Restaurants und Aktivitäten wie Tauchen und geführten Exkursionen zur Vogelbeobachtung ausgeliefert.

09.01.2010 – Maria La Gorda

 

Leider hatten wir mit dem Wetter richtig Pech. Regenwolken verhangener Himmel, starke kühlende Winde mit feinem Sprühregen durchkreuzen alle Pläne sich draußen aufzuhalten und das Reservat genauer zu erkunden. Aber tapfer wie wir waren, unternahmen wir trotzdem den Versuch, eine Wanderung durch das Reservat zu unternehmen. Da eine geführte Tour obligatorisch ist, sind wir zum 14 km entfernten Besucherzentrum zurück gefahren. Außer der Putzfrau, die uns erklärte, dass momentan weit und breit keine Guides zu finden sind, war niemand in der Station anzutreffen. Wir gaben daher die Variante der geführten Tour auf, fuhren zurück nach Maria la Gorda und stiefelten von dort aus in Richtung einer neu angelegten Trasse in den Urwald hinein. Wir schlossen sofort Freundschaft mit allerlei piesackenden Quälgeistern, die meine Backe und Schläfe durch Ihre Stiche in Kraterlandschaften verwandelten. Natürlich ließen wir uns von solcherlei Attacken nicht zurück schlagen und versuchten einige der vielberühmten Vogelarten vor die Linse zu bekommen. Nun es schien so, dass die Vögel aufgrund der Witterung sich auch schon gen warmen Süden verabschiedet hatten und wir daher alleine im Regen standen. Da wir nicht weiter als Abendessen für die Mücken her halten wollten, gingen wir zurück zur Hotelanlage und wärmten uns an einem kubanischen Rum und einer Trinidad-Zigarre. Zur Aufmunterung des Tages funktionierte immerhin zum ersten Mal auf unserer Tour die Dusche anstandslos, bis auf das vernachlässigbare Problem, dass der Duschkopf nicht in der Richtung das Wasser abgeben wollte, wo ich mich als Zielobjekt positionierte.

10.01.2010 – Maria La Gorda – Sand Diego

Und wieder starteten wir mit Wolken verhangenem Himmel den Tag. Auf  Nachfrage bei der Tauchbasis, keimte etwas Hoffnung nach besserem Wetter auf, da sie für den heutigen Tag alle Tauchgänge bestätigten.  Ich entschloss mich, wenn sich das Wetter bessern würde, wie von den Tauchbasis-Mitarbeitern vorausgesagt, nach dem Frühstück an dem zweiten Tauchgang teilzunehmen. Aber auch diesmal hatten die Mitarbeiter der Tauchbasis die Rechnung ohne Neptun gemacht. Der Wind frischte so stark auf, dass durch den ansteigenden Wellengang an Tauchfahrten in dem Boot nicht mehr zu denken war. Da wir mit der Absage aller Tauchgänge zu rechnen hatten, haben wir beschlossen vorzeitig abzureisen und nach San Diego zu fahren, um dort die heißen Quellen zu besuchen und um uns dort von dem kalten Wetter aufzuwärmen. Wir wählten dieses Mal eine Route im Süden entlang der Küste über Manuel Laso nach Cortés, um weitab von Touristenströmen an dem etwas ursprünglicheren Kuba entlang zu fahren. Wir wollten generell langsam fahren, um die Gegend auf uns wirken zu lassen. Die Straßenverhältnisse waren aber so schlecht, dass man nur mit ca. 20 Std./km voran kam, was unsere Zeitplanung etwas durcheinander brachte. Wer also nicht viel Zeit mitbringen kann, sollte diesen Straßenabschnitt auf jeden Fall meiden. Da wir bereits wussten, dass es fast keine Beschilderung auf der Autobahn gibt, haben wir uns vorab bei einem Anhalter informiert, welche markante Stelle die Ausfahrt von San Diego markiert.  Wir bekamen den Hinweis, dass wir bei der 4. Brücke von Pinar del Rio aus gezählt nach links abfahren müssen. Artig zählten wir die durchfahrenen Brücken, aber an der 4. Brücke war weit und breit keine Trasse für eine Abfahrt zu erkennen. Erst auf den zweiten ungeschulten europäischen Blick war auf der gegenüberliegenden Seite, entlang der Brücke eine schmale Piste direkt in der roten Erde zu erkennen. Von Erzählungen hatten wir bereits gehört, dass Wenden über den Mittelstreifen nichts Ungewöhnliches ist, insbesondere dann, wenn sich die Ausfahrt auf der gegenüberliegenden Seite befindet. Wir passten uns also den hiesigen Verkehrsgepflogenheiten an, wendeten über den Mittelstreifen und fuhren über den Acker von der Autobahn ab. Es schien sich wirklich um eine „reguläre“ Auf- und Abfahrt zu handeln, da uns Einheimische entgegenkamen, die diesen Weg als Auffahrt auf die Autobahn nutzten. Passanten entlang des Weges, bestätigten uns dass es sich um die Strasse in Richtung San Diego handelt. Jetzt wurde uns auch klar, warum man uns die Ausfahrt  mit der Anzahl der zu durchfahrenden Brücken angegeben hatte, weil eine Ausfahrt im europäischen Verständnis sonst gar nicht zu vermuten wäre. Sehr viele Brücken sind zwar gebaut worden,  aber sind von beiden Seiten seither noch nicht an eine Strasse angebunden worden. Die alte kreuzende Straße, wurde einfach von der Autobahn durchschnitten.

Angekommen am Hotel Mirador de San Diego und mit der Vorfreude sich in den heißen Quellen aufzuwärmen, fragten wir an der Rezeption nach dem Weg. Dort teilte man uns mit, dass man die Badeanlagen, welche von den Quellen gespeist werden, derzeit renoviert und daher ein Besuch nicht möglich wäre. Nun, was soll man noch machen. Da bleibt einem nur sich für den nächsten Tag endlich karibisches Wetter zu bestellen und sich bei einer warmen Dusche auf das Hotelzimmer zurück zu ziehen. Da leider das warme Wasser nur in homöopathischen Dosen aus dem Duschkopf tröpfelte, musste der letzte Programmpunkt ausfallen.  Da fast keine Gäste im Hotel waren, war auch die Küche für das Abendessen ein klein wenig reduziert. Wir bestellten Hühnchen mit Pommes Frites und erlebten dabei eine Überraschung. Nach 15 Minuten kam der Kellner mit einem Gruß aus der Küche, welcher aus einem Schälchen Pommes Frites bestand und entschuldigte sich dafür, dass es mit dem Hühnchen mindestens noch eine halbe Stunde dauern würde. Das war natürlich kein Problem für uns, da Bier reichlich vorhanden war. Nach ca. einer dreiviertel Stunde wurde dann ein hervorragend frisch schmeckendes wohlgenährtes Schenkelchen serviert. Der übliche Witz über die lange Wartezeit, dass man das Huhn wohl erst fangen und schlachten muss, stellte sich dieses Mal zu unserem Erstaunen als die Wahrheit heraus. Das Personal war jedenfalls sichtbar bemüht, auch unter erschwerten Bedingungen, die Wünsche der Gäste zur vollen Zufriedenheit zu erfüllen.

11.01.2001 Varadero – oh Schreck!

Das Wetter hatte sich nicht gebessert und so hofften wir in Fahrt in Richtung Osten auf einen Himmel mit viel Sonne, da am östlichen Horizont Wolkenauflockerungen erkennbar waren. Unser Ziel war die Touristenhochburg Varadero, was sich im Nachhinein als keine gute Wahl heraus stellte. Für all diejenigen, die mit Massentourismus, weißem Sandstrand und möglichst nicht mit dem realen Kuba konfrontiert werden wollen, ist Varadero sicherlich der richtige Ort.

Kaum hatten wir uns im Club Amigo Tropical eingemietet, sahen wir uns unversehens als All-Inclusive-Tourist mit Handmanschette in die Massentourismusmaschinerie eingespannt. Die Zimmer, das Essen sowie das gesamte Flair können schwerlich einem Drei-Sterne-Anspruch genügen. Deutlich abgewohnte Zimmer, verschmutzte Tischdecken, verkochte geschmacklose Speisen, teilweise wenig hilfsbereites Hotelpersonal war das Kontrastprogramm für das seither Erlebte in Kuba. Hierfür gab es nur eine Lösung: so schnell raus aus Varadero wie möglich und zurück in die Realität.

12.01.2001  Playa Larga an der Bahia de Cochinos, besser bekannt als Schweinebucht

Mucho frio! Aus den Nachrichten hatten wir erfahren, dass es sich bei hiesigen Temperaturen um Kälterekorde handelte. In manchen Gegenden fiel das Thermometer bis auf 5 Grad in der Nacht, was eine extrem ungewöhnliche Wettersituation für das Land darstellte und damit Gesprächsthema Nummer eins in den Medien und auf der Straße war. Froh, endlich das Hotel verlassen zu können, in dem wir ein Zimmer mit Straßenblick hatten, bei dem man ständig das Gefühl hatte, dass der Lkw direkt durchs Zimmer fährt, brachen wir in den Süden mit Ziel Playa Larga auf. Wie die vergangenen Tage immer problemlos geschehen, baten wir das Rezeptionspersonal, eine Reservierung für uns im Zielhotel vorzunehmen. Völlig uninteressiert, verwies man uns auf eine Vertreterin von Cubanacan, die für diese Dinge zuständig sei. Der Mitarbeiterin schien unser Anliegen äußerst lästig zu sein und sie versuchte uns daher abzuwimmeln. Erst nachdem ich ihr klar verdeutlicht hatte, wie ihr Verhalten im krassen Gegensatz zu allen anderen Kollegen im Lande stand, schien Leben in diesen Körper zurück zu kehren und sie wurde plötzlich äußerst aktiv. Diese ganze Geschichte zeigte mir wieder, wie übersättigt die Mitarbeiter hier bereits vom Massentourismus waren.

Mit der Hilfe von etlichen Anhaltern, die wir von Stadt zu Stadt mitnahmen, einem Fahrradfahrer, der uns wieder durch die Stadt lotste, etlichen sehr hilfsbereiten Passanten und gut ausgebauten Straßen erreichten wir innerhalb von 2 1/2 Stunden unser Ziel, Playa Larga deutlich schneller als erwartet. Das Hotel, welches aus einer Anlage von vielen verschiedenen Bungalows besteht, wurde vor 2 Jahren renoviert, was man seiner Ausstattung in sehr positiver Weise deutlich ansieht (die in der Nähe liegende Hotelanlage von Playa Giron wurde hier im Gegensatz nicht renoviert und zeigt daher massive Abnutzungserscheinungen – Bewertung: Daumen nach unten). In Playa Larga gibt es zwei Hauptaktivitäten: die eine ist die Beobachtung und Erkundung der Tier- und Pflanzenwelt Monte Mar (Gran Parque Natural Monte Mar), die andere das Tauchen direkt vom Strand aus an den steil abfallenden Riffwänden. Entlang der Straße Playa Larga nach Playa Giron gibt es überall Tauchspots an denen wie am Cueva de los Peces aus einer Blechhütte voll ausgestattete Tauchgänge für 25 CUC angeboten werden. Da wir hier endlich Sonne hatten und wir ausgehungert nach einem Sprung in die warme Karibik waren, nutzten wir die Gelegenheit und erkundeten die Unterwasserwelt. Auch hier haben die Tornados der letzten Jahre den Korallen schwere Schäden zugefügt. Der Meeresboden ist übersät von abgebrochenen weiß ausgeblichenen abgestorbenen Korallenstücken. Trotzdem waren wir fasziniert von der Farbenpracht und Artenreichtum von Neptuns Zoo.

13.01.2010 Playa Larga

Das dampfende Meer bei 14 Grad Außentemperatur machte beim Sonnenaufgang auf eindrucksvolle Weise deutlich, welche extremen Temperaturunterschiede hier momentan herrschen. Aber es schien ein wolkenfreier und damit sonniger Tag zu werden, was die Temperaturen schnell auf 24 Grad klettern ließen. Unser Versuch, uns den obligatorischen Guide für die Einfahrt in das Reservat anzuheuern, schlug leider fehl, weil ab 8 Uhr schon alle Führer unterwegs waren und wir erst gegen 9 Uhr am Büro der Parkverwaltung ankamen. Kein Problem, wir zogen also Option zwei und besichtigten an der Cueva de los Peces bei einem Tauchgang die Unterwasserwelt und den nur wenige Meter im Landesinneren liegenden 70 Meter tiefen Teich, der durch seine besondere geologische Beschaffenheit extrem steile Wände aufweist, die durch eine bunte artenreiche Fischwelt bevölkert wird. Hier kann man den Blick in ein natürliches Aquarium genießen.

Für das Abendessen hatten wir uns vorgenommen das touristische Einerlei gegen die einheimische Küche einzutauschen. Sucht man in Kuba nach der einheimischen Küche muss man sich an die sogenannten Paladares halten. D.h. es handelt sich hierbei um einen staatlich zugelassenen Privathaushalt, der heimische Küche nach dem Motto „was der Kühlschrank gerade so hergibt“ anbietet. Wir mussten nicht lange im Dorf nach einem Paladares fragen, als ein älteres Ehepaar uns als Guide ihre Hilfe anbot und einstieg. Nachdem wir mehrere Häuser abgeklappert hatten und schon fast die Hoffnung auf heimische Küche aufgegeben hatten, öffnete in einem kleineren Haus ein älterer Herr die Tür und schien sofort begeistert von der Idee uns ein Abendessen zu servieren. Er bot uns für 10 CUC pro Person Krokodil, Fisch, Pommes Frites, grüne und rote Tomaten und die obligatorische Beilage Reis mit schwarzen Bohnen an.  Natürlich sagten wir zu, da diese Zusammenstellung doch eher selten auf dem europäischen Speisezettel zu finden ist. Während der Herr des Hauses die Speisen zubereitete, wurden wir von dem uns als Guide dienenden Pärchen kontinuierlich mit einem Redefluß eingedeckt. Wir konnten zwar kein Wort verstehen, das schien aber unser Gegenüber in keinster Weise davon abzuhalten uns die wahrscheinlich interessantesten lokalen Geschichten zu erzählen. Der Redefluß wurde erst dadurch gebremst, als das Essen serviert wurde. Es war einfach lecker, auch wenn man immer den Hintergedanken hatte, ob man sich das Essen zweimal durch den Kopf gehen lassen würde. Unser Magen bestätigte jedenfalls die Qualität des Essens – keine Probleme.

14.01.2010 Playa Larga - Cienfuegos

 Heute waren wir pünktlich um 8 Uhr morgens am Büro der Parkverwaltung, um uns für einen Guide zur Besichtigung des Reservates einzubuchen (10 CUC pro Person Eintritt; 7 CUC für den Guide). Wir hatten Glück, da wir einen Guide zugeteilt bekamen, der sehr gut englisch sprach und im Nationalpark aufgewachsen ist. Er bot an unseren Wagen selbst durch den Nationalpark zu fahren, um uns optimalen Freiraum zum Fotografieren zu lassen. Die Tour geht anfangs durch höher bewachsenen Baumbestand, der später in niedrig wachsenden Gras- und Mangrovenbewuchs übergeht. Es gibt vereinzelt Aussichtsplattformen, die einem ausreichend Möglichkeit geben, die Vogelwelt dieser Landschaft in aller Ruhe zu beobachten. Nach ca. zwei Stunden war die Tour beendet und wir fuhren nach Cienfuegos und buchten uns in dem sehr schönen, im Zentrum liegenden Hotel La Union, was in einem historischen Gebäude untergebracht ist, ein.

 Hat man auf seiner Reise wenig Zeit, kann man sich das Städtchen sparen. Sucht man allerdings nach dem perfekten Mojito, ist am äußersten Ende der Landzunge bei Punta Gorda die Parkanlage mit ihrem Pavillons am Meer und der dazugehörigen Bar eine Empfehlung wert.

15.-16.01.2010 Trinidad

Endlich sind die Temperaturen für ein Karibikfeeling zurückgekehrt und Trinidad mit seinen Bergen, der Innenstadt, die als Freilichtmuseum fungiert und Sandstränden ist ein idealer Ort, dies zu genießen. Wir haben uns im Hotel Club Amigo Ancon mangels Alternativen eingebucht. Der Hotelbunker scheint in den 60-er Jahren von sowjetischen Stararchitekten entworfen worden zu sein, die wohl auch für die Entwürfe von Flugzeugträgern zuständig waren. Monströser Plattenbau mit Sichtbetoncharme lässt das Herz eines jeden Genossen höher schlagen. Bedingt durch die Größe der Anlage war das Buffet aber sehr reichhaltig und abwechslungsreich, was für eine gewisse Entschädigung sorgen kann, wenn man sich für die Kantine (Essraum/Restaurant) vorsichtshalber ein paar Ohrstöpsel mitnimmt, um den Lärm etwas zu dämpfen.

Die Altstadt von Trinidad selbst liefert einem unentwegt Fotomotive, die das Flair von Kuba wieder spiegeln, welches man aus Reiseprospekten kennt. Derjenige, der gerne fotografiert, sollte es nicht verpassen, die Ruhe und Gelassenheit dieser kleinen Altstadt auf sich wirken zu lassen. Trinidad ist auf jeden Fall eine Reise wert, da es alles bietet, angefangen von einer schönen Altstadt, umrahmt von einer Berglandschaft, die zu Ausflügen ins Hinterland einlädt bis hin zu dem ca. 15 km entfernten feinkörnigen weißen Sandstrand, der hinter einer Mangrovenlandschaft liegt.

17./18.01.2010 Santa Lucia

Da unser nächstes Ziel Santa Lucia etliche hundert Kilometer von Trinidad entfernt liegt, sind wir direkt nach dem Frühstück in Richtung Osten gestartet. Da heute keine Wolken am Himmel waren, konnte man die Sonne ohne Probleme als Richtungsanzeiger nutzen. Aber im Gegensatz zum westlichen Teil des Landes schien man  etwas mehr in eine Beschilderung der Strassen investiert zu haben. So war es fast ohne fremde Hilfe möglich zu wissen, wo man sich abschätzungsweise aufhielt und welche grobe Richtung man einschlagen musste.

Aus dem Tourguide folgten wir der Empfehlung Sancti Spiritus anzuschauen, welche vergleichbar mit Trinidad sein sollte. Nachdem wir eine Stunde durch die Gassen der Altstadt geschlendert waren, konnten wir diese Meinung nicht ganz teilen.

Gegen Abend kamen wir im Hotel Club Amigo Mayanabo an, welches uns in Trinidad empfohlen worden war. Erst im zweiten Anlauf bekamen wir ein akzeptables Zimmer. Der Grund hierfür lag darin, dass sich das Hotel in einen alten und einen neuen Trakt unterteilen lässt. Im alten Trakt sind die Zimmer dermassen abgewohnt, dass dies eher dem Standard eines Dreimondes-Hotels entspricht, als dem selbst gesteckten Ziel eines Dreisterne-Hotels. Die Speisen hingegen überraschten durch ihr abwechslungsreiches Angebot und ihre vergleichbare gute und reichhaltige Qualität. Es ist schon interessant, wie stark sich im Lande die Qualität der Hotels in der gleichen Kategorie unterscheiden. Ein wichtiges Kriterium ist, ob das Hotel das Glück hatte durch eine Verjüngungskur mittels einer Renovierung wieder in einen vernünftigen Zustand gebracht worden zu sein oder ob man nur Zimmer zur Verfügung hat, die eine bewegte dreißigjährige Geschichte hinter sich haben.

Santa Lucia selber bietet das zweitgrößte Riff hinter dem Great Barrier- Riff (Australien), was wir mit der in der Nähe liegenden Tauchstation Shark´s Friend genauer in Augenschein nahmen (30 CUC pro Tauchgang incl. Komplettausrüstung). Dominiert wird das Riff, welches man durch eine 10-minütige Bootsfahrt vom Strand aus erreichen kann, durch bunte Korallen und artenreiche Fische. Freunde von Großfischen werden hier nicht auf Ihre Kosten kommen, es sei denn man ist ein Freund von touristisch verkorksten Haianfütterungs-Tauchvoyerismus.

Im Hinterland kommen in der Mangrovenlandschaft wieder die Vogelfreunde (wie auch die Moskitos) auf ihre Kosten. Im Unterschied zu Playa Larga handelt es sich hier aber nicht um ein abgesperrtes Reservat. Man hat daher unbeschränkten Zugang zu Flamingos, Pelikanen, Kranichen und weiterem Federvieh von einer Ringstrasse, die um die Halbinsel führt.

19./20.01.2010 Baracoa – Unser persönlicher Favorit!

Wir hätten es sicherlich noch ein, zwei Tage in Santa Lucia aushalten können. Aber wir hatten uns dann doch morgens entschieden, nach einem Blick auf den Wolken verhangenen Himmel, nach dem über 300 km entfernten Baracoa aufzubrechen, ohne genau zu wissen, ob die Straßenverhältnisse es uns erlauben würden unser Ziel vor Einbruch der Nacht zu erreichen.

Schon am ersten Teilstück zwischen Santa Lucia und Las Tunas waren die Straßen auf einer Länge von ca. 60 km so schlecht, dass wir hier schon allein für diese Strecke ca. 2 Stunden benötigten. In Anbetracht dieser Reisegeschwindigkeit bekamen wir massive Zweifel, ob wir unser Ziel heute noch erreichen könnten. Aber entgegen jeder Erwartung, je weiter wir nach Osten kamen, wurden die Straßen immer besser, obwohl die Region immer menschenleerer wurde. Dies ging so bis zur völlig verdreckten Bergbau-Stadt Moa, die mit einem massiven Umweltproblem zu kämpfen hat. Die ganze Gegend ist mit einer rostroten Staubschicht überzogen, die das Ergebnis der rauchenden Hochöfen ist. Teilweise sieht es aus, wie auf einer roten lebensfeindlichen Marslandschaft, die nur für Umweltaktivisten ein Ziel sein kann.

 Strassentechnisch wurde dann die Situation auf jedem Kilometer bis nach Baracoa immer schlechter (40 km vor Baracoa unbefestigte Strasse mit Schlaglöchern und tiefen Gräben), ganz im Gegensatz zu der immer interessanter werdenden Urwaldlandschaft. Es war einfach herrlich so kurz vor unserem Ferienende noch einmal so ein landschaftlich unberührtes Kuba zu Gesicht zu bekommen.

Endlich angekommen, landeten wir auch noch ein Volltreffer mit unserem Hotel Porto Santo, welches ca. 3 km an einer Bucht entfernt liegt.  Hier bekamen wir ein großzügiges Zimmer mit Balkon und einem herrlichen Blick über die gesamte Bucht. Wer das Gegenteil von Varadero sucht, unberührte Natur; Animationslärm, ausgetauscht durch Wellenrauschen; aufdringliche Verkäufer, verwandelt in  neugierig zurückhaltende Einheimische und eben ein völlig unbekanntes Gesicht von Kuba, was in den Reiseprospekten nicht enthalten ist, der sollte sich Baracoa nicht entgehen lassen. Um zu verstehen, was ich meine, darf man  nicht im Hotel bleiben, sondern muss sich unter die einheimische Bevölkerung mischen, z. B. bei einem Bier auf dem Plaza Marti und die Kontakte und Gespräche freundlicher Menschen aufnehmen, die einem angeboten werden.

Wer einen perfekt englisch sprechenden Tourguide für die nähere Umgebung sucht, dem kann ich nur Benny empfehlen, der mit ganzem Herzen bei der Sache ist (email: laffita@havanator.cu Telefon:5521645358 Mobilfunk: 52645761).

Aus unseren Kontakten vom Vorabend boten sich zwei Einheimische an für einen Obolus bestehend aus Kleidung, wie einer Hose und einem T-shirt  uns Land und Leute zu zeigen. Wir fuhren ca. 30 km in Richtung des südöstlich liegenden Puente Rio Yumuri, dessen Einwohner unter dem letzten Hurricane Ike extrem gelitten hatten. Viele Häuser, die am Strand gelegen waren, wurden komplett zerstört.

Zwischenzeitlich sind viele dieser Häuser mit staatlicher Hilfe wieder aufgebaut worden, was die Verluste etwas mindern konnte.

Sechs junge Frauen vom Dorf scharten sich um uns und versuchten uns erfolgreich Getränke oder Essen im Tausch von Kleidung oder Geld anzubieten. Da Kleidung hier das vordringlichste Problem war, entschieden wir uns etliche Kleidungsstücke gegen selbst gemachten Kakao direkt aus Kakaobohnen (sozusagen Direktsaft) einzutauschen. Es war wirklich eine nette Art so in direkter Weise helfen zu können und gleichzeitig viel von dem Land, den Leuten und ihren unterschiedlichen Bedürfnissen zu lernen.

Puente Rio Yumuri liegt am Ausgang einer Schlucht zum Meer. Mit einem zweieinhalbstündigen Rundwanderweg  kann man durch die Bergwelt wandern in die immer wieder kleine Hütten mit Gärten eingebettet sind. Für die gemütliche Variante werden Bootsfahrten in die Schlucht hinein angeboten.

21.-23.01.2010 - Holguin

Leider war wieder einmal der Abreisetag schneller da als gewünscht. Die ersten 40 km des holprigen Rückwegs in Richtung Holguin waren zwar eine Tortour für das Auto wohingegen wir in aller Ruhe die Urwaldlandschaft auf uns wirken liessen und die Zeit zu einem drei stündigen Fotoshooting entlang des Weges nutzten. Nach weiteren vier Stunden kamen wir in Holguin im Motel El Bosque an, was wir lieber gegen das etwas ausserhalb auf einem Berg liegende Hotel Mirador Mayanabe, welches aber leider ausgebucht war, eingetauscht hätten. Wir hatten zum ersten Mal nicht vorreserviert, was sich im Vergleich der Hotels in Bezug auf Lage und Ausstattung als Fehler heraus stellte. Generell hatten wir das Gefühl, dass während unserer Reisezeit die gepflegteren bzw. renovierten Hotels fast immer ausgebucht waren und daher eine Vorreservierung (mindestens zwei Tage im Voraus) sehr zu empfehlen ist. Am nächsten Tag ging es vom Flughafen Holguin mit einem Zwischenstop in Havanna und Madrid nach Frankfurt.

Zum Abschluss...

Wie immer konnten wir aufgrund der fehlenden Zeit nur bruchstückhaft Land und Leute kennen lernen. Aber wir haben versucht, möglichst vielfältig das Land zu bereisen, um einen breiten Überblick zu erhalten. Varadero und San Diego hätten wir besser auslassen sollen, aber das weiß man eben nur mit letzter Sicherheit, wenn man vor Ort gewesen ist. Wir hoffen, dass unsere Reisebeschreibung Euch ein paar Anhaltspunkte für Eure eigene Reiseplanung geben kann. Abschließend noch ein paar generelle Punkte mit denen Ihr sicherlich in Eurem Kuba-Urlaub konfrontiert werdet:

 

  • Insbesondere in der Region um Playa Larga gibt es Riffe, die man direkt und ohne Boote vom Strand erreichen kann. Daher unbedingt zum Schnorcheln, Taucherbrille und Schnorchel mitnehmen

  • Auf Kuba bezahlt man in bar und für die wichtigen Dinge in CUC. Die lokale Währung in Peso kann man nur sehr beschränkt einsetzen (probiert die leckere Peso-Pizza für ca. 10 Peso).

  • Kreditkarten werden wenig akzeptiert, bzw. da öfters eine Kommunikationsverbindung zur Bank nicht hergestellt werden kann, kann aus technischen Gründen eine Zahlung per Karte nicht erfolgen

  • Die Hotelliste von Flexi-Drive ist nicht immer aktuell, was dazu führen kann, dass Hotels die Voucher ablehnen und eine Buchung nicht möglich ist, zB. Hotel Brisas Santa Lucia

  • Wie üblich: Vorsicht vor Seeigeln abseits der Touristenstrände

  • Kompass mitnehmen, da insbesondere im westlichen Teil des Landes eine nur unzureichende  Beschilderung der Straßen vorhanden ist

  • Kuba ist ein Polizeistaat mit ständiger Kontrolle. Was von den Einheimischen oft als Negativ empfunden wird, hat für den Touristen den Vorteil, dass er sich im Land auch in dunklen, engen Gassen sicher bewegen kann. Auf die immer wieder angebotene Serviceleistung eines Wächters für den mit einem roten Kennzeichen beschilderten Mietwagen kann man getrost verzichten. Würde der Wagen geklaut werden, käme der Dieb sicherlich nur drei Strassenkreuzungen weit, bevor er vor der nächsten Polizeistreife angehalten wird. Ein Einheimischer in einem neuen Mietwagen würde auffallen, wie ein bunter Hund.

  • Anhalter kann man problemlos mitnehmen. Sie sind auch sehr hilfreich als Navigationssystem mit Sprachausgabe insbesondere dann, wenn keinerlei Beschilderung über große Distanzen zu finden ist.

  • Halb Kuba scheint in einer Zigarrenfabrik zu arbeiten: daher Vorsicht bei Angeboten auf der Strasse vor gefälschten Zigarren. Die Mainstream-Marke wie Cohiba wird an jeder Strassenecke angeboten. Top-Marken, wie Trinidad scheinen nicht gefälscht zu werden. Wer es schafft eine Trinidad im Straßenhandel zu erhalten, darf sich gerne bei mir melden. Es wäre wirklich eine große Überraschung für mich.

  • Insbesondere in den ländlichen Regionen wird immer nach Süssigkeiten, Kugelschreibern, Seife und Kleidung gefragt. Wer hier etwas aus seinem Kleiderschrank entbehren kann, findet dankbare Abnehmer.

  • Für die  Flughafengebühr in Havanna 25 CUC pro Person zurück behalten. Die Gebühr ist vor der Passkontrolle am Tax-Schalter zu bezahlen.