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© 1999-2010  Matthias Riedel

 
 

 

 

 

 

 
   

Reisetagebuch aus La Palma

 

09.10.2007

Nach einem aufgrund von Rückenwind um eine halbe Stunde verkürzten Flug, sind wir auf dem Flughafen Santa Cruz de la Palma, der Inselhauptstadt angekommen. Klein und beschaulich geht es hier zu ohne jegliche Hektik bei der Gepäckabfertigung. Ein idealer Start sich von der Gelassenheit der Einheimischen anstecken zu lassen. Unsere Unterkunft haben wir in einem verschlafenen Nest kurz vor Los Sauces gebucht, welches im Naturschutzgebiet der Lorbeerwälder liegt. Eine dreiviertel Stunde Fahrt Richtung Norden und wir konnten in unser sehr empfehlenswertes Appartement (Casa Los Nacientes: Marcos in Camino de las Orotava No. 24, Las Lomadas, 38729 San Andés y Sauces) mit Blick auf das Meer, gebaut im kanarisch-spanischen Stil einziehen. Das Haus liegt inmitten der in Meeresnähe angelegten kilometerlangen Bananenplantagen. Was lag für den Vermieter somit im wahrsten Sinn des Wortes „näher“ zur Begrüßung eine Obstschale mit einem grossen Bund Bananen bereit zu stellen.

Um den Abend ausklingen zu lassen, sind wir in die nahegelegene Naturschwimmbeckenanlage nach La Fajana gefahren. Hier wurden die natürlichen Vertiefungen im Lavagestein teilweise mit Mauern abgeteilt, sodass eine künstliche, über mehrere Ebenen verlaufende  Poollandschaft entstanden ist. Hier kann man kostenlos nach Lust und Laune plantschen.

10.10.2007

Wenn man schon ein Quartier in Los Sauces bezogen hat, was liegt dann näher, sich die umliegende Umgebung etwas genauer anzuschauen.

 Erwähnenswert für diese Region ist der Lorbeerwald, der in dieser Form einzigartig ist. Um es für den ersten Wandertag zur Einstimmung etwas geruhsamer angehen zu lassen, haben wir uns eine Rundtour ausgesucht, deren Start in Los Tilos ist. Die Strasse, die zum Informationszentrum von Los Tilos führt, ist leicht zu verfehlen, da diese direkt vor der grossen Brücke nach Los Sauces nach links abzweigt. Hinter der Touristeninformation geht es zum Einstieg in Richtung Aussichtsplatz „De las Barrandas“. Der Weg schlängelt sich steil ansteigend für ca. 45 Minuten durch den Lorbeerwald. Erst am Aussichtsplatz hat man zum ersten Mal die Möglichkeit einen Überblick über die gesamte Landschaft zu bekommen. Man hat einen großartigen Ausblick auf das Meer und Richtung Osten das nächste Etappenziel, den Marktplatz von Los Sauces.

 

Der Weg nach Los Sauces führt hinunter über eine wenig befahrene Schotterpiste, die dann abschnittsweise in einen sehr steilen, gepflasterten Fussweg mündet. Das Dorf ist alles andere als touristisch und so kann man sich ganz entspannt mit einem Cafe con leche unter das Volk mischen und dabei dem wilden Palaver lauschen und dem hoch emotionalen Kartenspiel der Einheimischen zusehen. Wenn man sich am grossen Kiosk am Plaza einen Cappuccino bestellt, erhält man eine recht kuriose Geschmacksvariante. Der Milchschaum wird hier mit Zimt überpudert, was für den einen oder andern etwas gewöhnungsbedürftig ist. Um die Rundtour abzuschließen, ging es dann wieder entlang der Strasse hoch zum Ausgangspunkt, dem Informationszentrum. Hier ist eigentlich nur der untere Teil der Strecke interessant, weil dieser einen wunderschönen Blick auf die Schlucht ermöglicht, die von einer Brücke überspannt wird. Wer Glück hat, kann sich per Anhalter bis zum Informationszentrum mitnehmen lassen. Wir hatten Pech, das hieß laufen! Offensichtlich hatten wir noch nicht genug von der Wanderei und daher entschlossen wir uns zu einem Kurztrip zum „Mirador Espigon Atravesado“. Auf einer breiten Forstpiste kann man bequem in knapp einer Stunde die Aussichtsplattform erreichen. Nun ja Aussichtsplattform ist insofern etwas zu hoch gegriffen, da die Fläche maximal für fünf bis sechs Personen ausreichend ist. Da aber zu dieser Jahreszeit glücklicherweise wenig Touristen unterwegs sind, hatten wir den Aussichtspunkt für uns allein und konnten einen grandiosen Rundblick in die Schluchten genießen. Nach der Tour haben wir uns unterhalb vom Informationszentrum im Restaurant Casa Demetrio mit gegrilltem Ziegenkäse (Queso a la plancha), Brot und einem grossen Bier gestärkt. Das Brot allerdings war nach Meinung der hier versammelten verfressenen Vogelschar nicht nur für uns bestimmt. Die kleinen Piepmätze gaben einem deutlich zu verstehen, dass man für den Sitzplatz in der freien Natur einen Obolus zu bezahlen hat. Wir kamen deshalb nicht umhin, die Brotkrümelabgabe direkt an die verfressene Bande abzuführen.

11.10.2007

Für den heutigen Tag haben wir uns eine etwas ambitioniertere Tour vorgenommen. Zusammengestellt haben wir uns eine achtstündige Rundwanderung über Casa del Monte zu den Wasserfällen der Quelle Marcos und der etwas weiter entfernt liegenden Quelle Corderos und wieder zurück über den „Baranco de Agua“. Um die Strecke etwas abzukürzen, nahmen wir mit dem Auto die schmale Landstraße über San Pedro in Richtung Casa del Monte. Unser Auto musste leider schon etliche Kilometer vor Casa del Monte kapitulieren, da die Straße plötzlich in eine für normale Pkw nicht befahrbare holprige Schotterpiste überging. Hier ist glücklicherweise genug Platz um sein Fahrzeug abzustellen, und ein hölzernes Hinweisschild weist auf den Einstiegspunkt in Richtung Casa del Monte. Von hier bis zur Casa del Monte hat man einen stetigen, ca. eineinhalbstündigen Anstieg von ca. 500 Höhenmetern zu überwinden. Die Route führt durch den Pinienwald und ermöglicht daher fast keine Ausblicke in die umliegende Landschaft. Beim Casa del Monte beginnt dann das eigentliche Highlight der Tour. Man wird durch ein Hinweisschild darauf aufmerksam gemacht, dass man diesen Wegabschnitt auf eigene Gefahr begeht. Meinem Gefühl nach, ist dieser Weg keinesfalls gefährlich, aber etwas Schwindelfreiheit wäre doch angebracht. Absolut notwendig sind Taschenlampen. Warum Taschenlampen? Nun vor uns liegen 13 schmale Tunnel, die dazu dienen das Wasser aus dem Quellgebiet mittels eines Wasserkanals in Richtung der Plantagen zu leiten.

Die teilweise sehr niedrigen Tunnel dienen somit hauptsächlich als Wasserkanal. Wenn ich schon gerade von Wasser spreche, sollte man vielleicht auch erwähnen, dass der letzte Tunnel ein berauschendes Erlebnis sein kann. Berauschend insofern, dass das Wasser nach Regenfällen an manchen Stellen durch die Spalten der Tunneldecke rauscht. Folglich sollte man nicht damit rechnen vollkommen trocken diese Tunnel wieder zu verlassen. So ging es also los durch eine Gegend mit steilen Schluchten, engen Pfaden, engen und niedrigen Tunneldurchquerungen und grandiosen Ausblicken. Nicht entgehen lassen sollte man sich  die Nischen innerhalb der Tunnel, die vielmals einen direkten Blick in die Schluchten ermöglichen. Angekommen an der Quelle Corderos hat man die maximale Höhe des Wanderweges von 1.300 Metern erreicht. Ab hier geht es steil abwärts, nicht nur auf schmalen Pfaden, sondern auch ein gutes Stück durch ein Flussbett. Unsere Wanderkarte wies eine Verbindung aus in etwa auf Höhe von dem Aussichtspunkt „Mirador Espigon Atravesado“ zum Casa del Monte. Der Abzweig in Richtung dieses Abschnittes war schnell gefunden. Es stellte sich aber nach ca. 20 Minuten Fussmarsches, entlang eines gut ausgebauten Fussweges heraus, dass dieser abrupt an einem Steilhang endete. Das Einzige, was wir vorfanden, war ein gespanntes Stahlseil über die Schlucht. Da ich doch zu wenig Übung hatte mich auf eine abenteuerliche Weise mit Hilfe der Wanderstöcke über das Drahtseil gleiten zu lassen, musste ich die Alternative eines erheblichen Umweges von ca. drei Stunden in Kauf nehmen. Meine Zeitplanung war damit komplett futsch. Aber wie es der Zufall so will, hatten wir einen aufmerksamen Zuschauer, bzw. Zuhörer bei der Diskussion, wie man wohl am Besten mit dem Drahtseil die Schlucht überqueren könnte. Überzeugt von der zu großen Waghalsigkeit dieses Unterfangens bot er an, uns mit seinem Pkw zu unserem Auto zurück zu bringen. Das gestrige Pech, etwa 45 Minuten Fußmarsch per Anhalter nicht abkürzen zu können, wurde heute mehr als ausgeglichen.

Da wir durch diese hilfreiche Unterstützung so gut in der Zeit lagen, konnten wir sogar abends noch nach Sta. Cruz fahren und die Altstadt auf uns wirken lassen. Die wirklich sehenswerten Häuser der Altstadt stehen in zweiter Reihe entlang der Küstenstrasse. Hier gibt es ein sehr empfehlenswertes Restaurant namens „La Placeta“ (Placeta de Borrero 1), welches sehr gute Tapas serviert.

12.10.2007

 Was bietet La Palma unter Wasser? Wie in jedem Urlaub, versuchen wir nicht nur die Naturschönheiten über Wasser, sondern auch einen Einblick in die Natur unterhalb des Meeresspiegels zu erhaschen. Hierzu haben wir uns bei einer der wenigen Tauchbasen der Insel für zwei Tauchgänge (70 Euro pro Person im Paket) eingebucht (Buceo Sub, H10 Costa Salinas, loc. 3, Los Cancajos). Wir wurden an zwei Tauchspots in der Umgebung von Los Cancajos geführt. La Palma gehört sicherlich nicht zu einer der herausragenden Tauchreviere auf diesem Planeten. Aus diesem Grund hatten wir auch keine hohen Erwartungen an das, was es unter Wasser zu sehen gibt. In diesem Sinne wurden unsere Erwartungen auch vollständig erfüllt. Erstarrte karge, korallenlose Lavaströme mit nur mäßigem Fischreichtum.

Für den Rückweg entschlossen wir uns die schmale kurvenreiche Küstenstrasse von San Juan de Puntallana aus zu nehmen. Aus Neugier folgten wir dem Abzweig nach Los Lomadas in Richtung Playa de Nogales. In sehr steilen Serpentinen geht es hinunter zu dem Parkplatz, der Ausgangspunkt ist für den an der Steilküste entlang führenden Zugangsweg zum Strand. Allein schon dieser Weg ist spektakulär, da er in die Steilwand hinein gehauen wurde und so einen weiten Blick über das Meer und die Küste ermöglicht. Der tiefschwarze Sandstrand verdient wirklich die Bezeichnung feiner Sandstrand. Romantische Naturen sollten nach einem Regenfall diesen Ort besuchen, da dann von den umgebenden Felswänden ein ca. hundert Meter hoher Wasserfall in die Tiefe rauscht. Prädikat: sehr empfehlenswert!

 

 

13.10.2007

 Heute wollten wir uns den Nationalpark der Caldera de Taburiente etwas genauer ansehen. Ein guter Einstieg sich mit den Gegebenheiten des Nationalparks und deren Touren vertraut zu machen ist der Besuch des Besucherzentrums, kurz vor El Paso (Ctra. General de Padrón, núm. 47, 38750 El Paso), Eintritt frei. Hier hat man die Möglichkeit auf Nachfrage einen Film anzuschauen, der in sehr guter Weise alle möglichen Touren des Nationalparks kurz zusammenfasst und deren Highlights herausstellt. An etlichen Informationstafeln innerhalb eines Showrooms wird die Entstehung des Parks sehr anschaulich erklärt. Zu guter letzt kann man sich noch eine Tourenkarte aushändigen lassen. Wichtig für Langschläfer sei noch angemerkt, dass man spätestens bis 11 Uhr am Park sein sollte, wenn man die Tour auf den 1854 m hohen Pico Bejenado plant. Der Grund hierfür ist, dass die Zufahrtstrasse zwischen 11 und 14 Uhr geschlossen wird, um eine Überfüllung mit Autos zu verhindern. In diesem Fall könnte man das Ziel nur per pedes vom Informationszentrum erreichen, welches die Tour um etliche Stunden verlängern würde.

Da wir zum Glück nicht zum Club der Extremschlafkappen zählen, konnten wir mit dem Auto am Dorf Valencia vorbei, über die unbefestigte Schotterpiste zum Einstiegspunkt der Wandertour „Pista de Valencia“ fahren. Der erste Teilabschnitt führt durch einen Kiefernwald mit geringem Unterwuchs, dem man seine Geschichte von etlichen Waldbränden deutlich ansieht, zum El Rodeo. Durch den spärlichen Unterwuchs eröffnen einem während des gesamten steilen Anstiegs herrliche Ausblicke in das Aridane-Tal. Ein kurzer Abstecher soll dem Wanderer noch Einblicke in die kunsthandwerklichen Fähigkeiten der palmerischen Vorfahren geben. Ein kurzer Abzweig führt zu einer Pyroglyphenfundstelle. Kurz gesagt, selbst diese kurze Abzweigung kann man sich sparen, da die Pyroglyphen so verwittert sind, dass fast nichts mehr zu erkennen ist. Vom Abschnitt El Rodeo zum Pico Bejenado hat man schon die ersten Einblicke hinein in die Caldera. Aufziehende Wolken, die in die Caldera hereinschwappen, ergeben ein wunderschönes Schauspiel. Auf dem Pico Bejenado saßen wir oberhalb der Wolkengrenze und konnten bei herrlichem Sonnenschein das Schauspiel der zur Mittagszeit immer dichter werdenden Wolkenformationen ausgiebig beobachten. Nachdem sich über dem Aridane-Tal die Wolkendecke vollständig geschlossen hatte, entschlossen wir uns auf der Alternativroute am Calderarand entlang zum Abstieg. Als reine Laufzeit lässt sich die Rundtour, die  650 Höhenmeter umfasst, entspannt innerhalb von 4 Stunden zurücklegen.

Zum Abendessen haben wir einen Abstecher in das nahegelegene El Paso unternommen. Angelockt von einer Empfehlung unseres Reiseführers wollten wir selber feststellen, ob im Tasca Barbanera wirklich einer der besten Köche La Palmas für einheimische Küche am Herd steht. Nun, hoffen wir einmal für die Küche La Palmas, dass dieser Koch an diesem Tag Urlaub hatte und eine Aushilfe deswegen aus der Not heraus die fettigen Tapas des Vortages nochmals kurz zum Aufwärmen in die Friteuse warf. Leider hatten wir nicht die Zeit zu warten, bis der Koch aus seinem wohlverdienten Urlaub zurück kommt, um uns von dessen wirklichen Qualitäten überzeugen zu können.

14.10.2007

 Was wäre La Palma ohne seine Vulkane.

Um uns selbst davon zu überzeugen, haben wir aus erdgeschichtlicher Sicht ein neugeborenes Baby besucht. Das Baby heißt „Volcán Teneguía“, welcher 1971 während eines 23-tägigen Geburtsvorganges entstanden ist. Um uns vorab noch weitere Informationen einzuholen, haben wir einen Abstecher zum Besucherzentrum beim naheliegenden Volcán San Antonio gemacht. Um auf den Parkplatz, bzw. in das Besucherzentrum gelangen zu können, ist eine Gebühr von 3,50 Euro fällig. Der dort angebotene Informationsfilm, entspringt mehr dem Wunschdenken der lokalen Tourismusförderung als einem informativen Dokumentarfilm. Absolut enttäuschend ist dann die Möglichkeit, die dem Besucher gegeben wird, den Volcán San Antonio zu erkunden. Man darf sich nur auf einem kurzen Teilstück am Kraterrand zu einer Aussichtsplattform bewegen, welche touristisch total überlaufen ist. D.h. es besteht nicht einmal die Möglichkeit den Vulkankrater zu umwandern.

Hier blieb uns nur die Flucht vor den, durch ständig neu ankommende Busse heraus gespülten Menschenmassen zu entkommen. Ganz anders sieht es beim Volcán Teneguía aus, den man über eine Schotterpiste mit dem Auto erreichen kann. Busse bleiben dort zum Glück außen vor. Der Vulkan bietet die Möglichkeit seinen Krater und dessen Lavaströme in all ihren Formationen aus nächster Nähe ausgiebig zu erkunden. Der Aufstieg auf den Teneguía ist momentan noch problemlos möglich. Von hier oben hat man bei extrem starken Winden eine gute Übersicht über den Verlauf der Lavaströme. An der einen oder der anderen Stelle gibt es noch einige Löcher, aus denen heiße Luft strömt. Mit der Hand lässt sich noch die Hitze spüren, die einst diesen Berg geformt hat. Beim Durchwandern der tiefschwarzen Lavafelder, erkennt man, dass die Pflanzenwelt kurz davor ist, sich dieses Gebiet zurück zu erobern. Vereinzelt entsteht das erste Grün auf dem zerklüfteten, grobporigen Untergrund.

 

Der Wanderweg endet an den Salinas de Fuencaliente. Hier wird noch heute auf grossen Verdunstungsflächen Salz aus dem Meerwasser gewonnen. Der Fabrikverkauf hat unsere Salzversorgung für das nächste Jahr sicher gestellt und so haben wir ein Hauch von La Palma auf dem Frühstücksei mit nach Hause genommen.

Wenn man die Westküste Richtung Norden weiter fährt, erreicht man den steinigen Playa Punta Larga, welcher in einer geschützten Bucht liegt. Hier kann man in einer kleinen Strandkneipe (Kiosko Punta Larga) bei einem Cerveza Dorada (Bier) und Fischgerichten die starke Brandung auf sich wirken lassen. Die Fischgerichte selbst sind nicht gerade ein Leckerbissen, es sei denn man hat ein Faible für frittierte Schuhsohlen. Diese Art der Zubereitung scheint aber den Geschmack der Einheimischen zu treffen, da die Strandkneipe recht gut besucht war.

Zum Ausklang des Tages haben wir noch einen kurzen Abstecher nach San Andrés unternommen. Das Dorf wirkt verschlafen, hat sich aber für den Besucher besonders schön heraus geputzt. Das Restaurant oberhalb der Kirche (Restaurante San Andrés) lädt zu einem Bierchen und Tapas mit Blick auf das Meer ein. Es ist immer wieder erstaunlich, in wie vielen leckeren Varianten der Queso a la Plancha con Mojo angeboten wird (gebratener Ziegenkäse mit grüner Sosse). Jedes Mal hat dieses Gericht seine ganz eigene Note, je nachdem wie das Hausrezept für die grüne Sosse ausgestaltet ist und wie stark der Ziegenkäse geröstet worden ist.

 

 

 

 

 

15.10.2007

Einige Regionen auf La Palma lassen sich auch sehr gut auf vier Rädern erkunden. Prädestiniert hierfür ist die Route ab Barlovento über die LP 109 in Richtung Hoya Grande (nicht zu verwechseln mit dem Hoya Grande bei Los Sauces) und steil hinauf zum Roque de los Muchachos.

Wenn man sich ab Barlovento auf der einspurigen Seitenstrasse LP 109 bewegt, kann man in aller Ruhe die steil abfallenden Schluchten, Pinien bewaldete Hänge und weit reichende Blicke über die gesamte Landschaft bis auf das Meer hinaus erleben. Die Strasse ist so schmal und so kurvenreich, dass hier nur eine Höchstgeschwindigkeit von 30 bis 40 km/h zugelassen ist. Der Landschaft wegen wäre es auch schade hier schneller zu fahren. Wir hatten fast die ganze Zeit das enge Strässlein für uns alleine, welches fast als gepflasterter Wanderweg durchgehen könnte. Ab Hoya Grande führt eine steile, gut ausgebaute Strasse (LP 4) zum 2426 m hohen Roque de los Muchachos. Der Pinienwald, der die Hänge bedeckt, verschwindet erst wenige hundert Meter vor dem Gipfel, welcher mit einer Vielzahl von Observatorien übersät ist.

Auf der Spitze des Berges befindet sich ein kleiner Parkplatz, von dem ein kleiner Pfad entlang des Bergrückens führt. Wir haben uns hier sehr viel Zeit genommen, die aus der unter uns liegenden Wolkendecke nach oben herausreißenden Wolkenformationen zu beobachten. Ein herrliches Naturschauspiel, welches die Schluchten und Berge in einem sich ständig ändernden Wechselspiel aus Licht und Schatten immer wieder neu in Szene setzt.

 

In kürzester Zeit füllen sich Schluchten, wie von einem Wasserfall gespeist mit weißen, wabernden Wolkenmassen, die kurz darauf sich durch stark aufsteigende Winde in Nichts auflösen. Für denjenigen, der nicht gut zu Fuß ist, kann dies sicherlich eines der schönsten Autowandertouren auf der Insel sein.

 

 

 

 

 

 

 

16.10.2007

Unser Reiseführer empfahl die Tour von La Tosca nach Galegos und zurück als einen der „schönsten Teilabschnitte des Inselrundweges GR 130“. Wir bewaffneten uns also mit den Wanderschuhen und ein paar Liter Wasser um die Besonderheiten der Tour selbst in Augenschein zu nehmen. Wir verpassten mit dem Auto den Einstieg zur Tour um ca. einen Kilometer und begannen die Tour am Mirador de la Tosca, da man von hier schon die Drachenbäume sehen konnte. Geht man von diesem Aussichtspunkt einen Weg in Richtung Meer hinunter, trifft man ohne Probleme auf den Wanderweg und kann sich sofort in aller Ruhe den besonderen Wuchs des Drachenbaums anschauen.

Der Weg führt im ständigen Auf und Ab durch mehrere Schluchten und an allerlei Gärten vorbei und sich ständig abwechselnden Busch- und Baumbeständen. Man hat fast während des gesamten Weges den freien Blick auf das Meer und im Hintergrund die ansteigenden Berge. Angekommen im Dorf Galegos entschlossen wir uns den Versuch zu unternehmen zum Ausgangspunkt zurück zu trampen, da dieser Weg im Gegensatz zu unseren vorherigen Unternehmungen nicht ganz so faszinierend war. Wir gingen also vom Dorf zur Hauptverkehrsstrasse hoch und versuchten unser Glück per Anhalter. Es gab aber hierbei ein kleines aber nicht unwesentliches Problem. Denn es kamen fast keine Autos an der Strasse vorbei. Es blieb uns also nichts anderes übrig, der Realität ins Auge zu schauen, dass Trampen ohne vorbei fahrende Autos recht langwierig sein könnte und wir bewegten uns daher per Pedes der Strasse entlang in Richtung Ausgangspunkt.

Um unsere glühenden Fusssohlen abzukühlen, fuhren wir zum Abschluss des Tages zum Naturbad Charco Azul. Hier holten wir uns im frischen Meerwasser die nötige Abkühlung von aussen und bei einem Bier, welches von der naheliegenden Bar angeboten wird, die Abkühlung von innen. Übrigens, die Garnelen mit Knoblauch und die Fischkroketten sind zu empfehlen. 

17.10.2007 - 18.10.2007

Relaxen auf feinem Sandstrand unter Kokospalmen? Hierzu fällt den Einheimischen sicherlich der Badeort Puerto Naos ein. Entspannung war für heute angesagt und hierfür haben wir uns den wohl größten Badestrand auf La Palma ausgesucht. Wir wollten selber herausfinden, ob man sich noch entspannen kann an einem der touristischsten Fleckchen der Insel. Und tatsächlich begünstigt durch die Nachsaison war der Strand alles andere als überfüllt und so konnten wir uns noch verschiedene Plätzchen unter den Schatten spendenden Kokospalmen aussuchen. Entlang der kleinen Promenade gibt es in den Bars Tapas und Getränke. All das bleibt in einem Rahmen, der noch weit von den negativen Effekten des Massentourismus entfernt ist. Die Ballermannfraktion würde sich hier glücklicherweise unwohl fühlen bei dem Verzicht von Sangriaeimern und dröhnenden Discos. Um einen Blick unter Wasser auf der Westseite zu werfen, haben wir uns für zwei Tauchtouren eingebucht (Tauchpartner La Palma an der Paseo Maritimo, gegenüber der Promenade – Prädikat empfehlenswert!). Die äußerst familiär und entspannt geführte Tauchstation ließ uns erlebnisreiche Tauchgänge zwischen Lavaströmen, Sepias, Oktopussen und einer Vielzahl von Kleinfischen erleben. Leider gibt es auch hier, wie nicht anders zu erwarten war, fast keinerlei farbenprächtige Korallen. Nur sehr karger Pflanzenbewuchs lockert das schroffe Lavagestein etwas auf. Zum Ausklang des Tages sind wir auf Empfehlung der Tauchbasis zum etwas weiter südlich gelegenen Playa El Remo gefahren.

Hier gibt es direkt am Meer drei Strandkioske, die alle verschiedene Fischgerichte anbieten. Uns wurde der mittlere Strandkiosk empfohlen, in welchem man den am besten zubereiteten Fisch bestellen kann. Nun tatsächlich. Hier haben wir herrlich saftig frischen Fisch in großen Portionen, abgerundet mit grüner Sosse und Papas Arugadas gegessen. Auch die Vielzahl der Katzen war begeistert von unserer Lokalwahl, da sie sich alle versammelt hatten, um mit bettelndem Miauen an unserem Mahl teilzuhaben

 

19.10.2007 Route de los Volcanes.

 Die Route der Vulkane beginnt beim Refugio El Pilar und endet, wenn man sie komplett in eine Richtung durchwandern würde in Fuencaliente (Los Canarios). Da wir geplant hatten den Rückweg zu wandern, haben wir uns nur für den ersten Teilabschnitt der Vulkanroute entschieden. Wir passierten harzig riechende Pinienwälder, Vulkankrater, wie den Hoyo Negro, Duraznero und Deseada II, scharfkantige Schlackefelder, rot-gelb schimmernde Kraterränder, in denen sich noch mit viel Fantasie der Schwefelgeruch erahnen lässt. Durch das teilweise sehr feinkörnige Geröll waren uns bei den rutschigen Abstiegen, die Wanderstöcke eine gute Hilfe.

Die gesamte Route durch die Vulkanlandschaft lag an diesem Tag oberhalb der Wolkengrenze. Es war wunderschön die weißen wabernden Wolkenmassen zu beobachten, welche sich vom starken Wind angetrieben um das tief schwarze Felsmassiv kontrastreich herumschlängeln. Entlang des Weges gibt es noch keine Einschränkungen, sich landschaftliche Details näher anzuschauen, wie die Lava-erstarrten spaltenreichen Kraterböden oder die feinkörnig Asche-übersäten Kraterhänge.

20.10.2007 Entspannungstag 

Nach einem ausgiebigen Frühstück mit frischen Brötchen, welche hier im Dorf durch einen mobilen Brötchenausfahrdienst von der Straße weg gekauft werden können, ließen wir den Tag ganz beruhigt angehen. Es zog uns heute nochmals zum feinstrandigen Playa Nogales, an dem wir uns zwischen Surfern in die tosende Brandung warfen. Leider hat dieser Strand einen kleinen Schönheitsfehler, denn ab ca. drei Uhr nachmittags liegt die an einer Steilküste umrahmte Bucht im Schatten.

Es blieb uns also nichts anderes übrig als den wohl feinsandigsten Strand der Insel zu verlassen und uns zur Sonne hin zum nahegelegenen Charco Azul aufzumachen. Auf dem schwarzen schroffen Lavagestein tummeln sich in der Brandung farbenprächtige Krebse. Wir luden diese hungrigen Zeitgenossen zum Phototermin ein. Verfressen, wie sie nun einmal waren, schoben sie sich mit Ihrem dicken Zangen in der Brandung einen Leckerbissen nach dem anderen ins Maul ohne sich wenigstens einmal für ein Gruppenphoto ordentlich aufzustellen.  

Die Lava, welche hier ins Meer geflossen ist, ist durchzogen von Spalten und Höhlen, die sich die meterhohe Brandung mit unheimlichem Druck hinein schiebt. Als Ergebnis hat man an verschiedenen Stellen im Rhythmus der Wellen gurgelnde Wasserfontänen oder schnaufende Spalten, in der die Luft unter hohem Druck heraus gedrückt wird. Es fühlt sich an als würde man direkt vor der Nasenöffnung eines großen Drachen sitzen. Na gut zugegeben. Ganz so sicher bin ich nicht, ob der Versuch haltbar ist, da ich mich seither noch nie vor einen schlafenden Drachen gesetzt habe- das werde ich im nächsten Urlaub machen.

21.10.2007 Das Schmugglernest 

Für die letzte Wanderung in diesem Urlaub haben wir uns den Rundwanderweg von der Schmugglerbucht durch den Barranco del Pueblo hinauf, durch Tunnel hindurch und den Barranco del Jurado an der Steilküste hinunter zurück zum Ausgangspunkt ausgesucht. Mit dem Auto kann man über extrem steile Serpentinen bis fast hinunter zur Schmugglerbucht fahren.

Hier liegen vor der direkten Brandung geschützt, nur wenige Meter über dem Meeresspiegel, kleine, gemauerte Hütten, die in die Überhänge der Felsvorsprünge eingelassen sind.

Von hier aus steigt man in kurzen Kehren ca. zweihundert Meter die stark ansteigende Steilküste hinauf bis man die ersten Plateaus erreicht. Die schroffen Felsen des Steilhangs bieten für Pflanzen nur wenig Halt und so ist man fast während des gesamten gelb weiss markierten Aufstiegs der prallen Mittagshitze schutzlos ausgesetzt. Hier helfen nur eine gute Sonnencreme und viel Wasser damit man im eigenen Saft bratend erfolgreich die gesamten 450 Meter den Barranco del Pueblo problemlos aufsteigen kann. Sobald man die erste Schotterpiste erreicht hat, verlässt man den offiziellen Wanderweg LP 12.2  nach rechts und folgt der auf einer Höhenlinie verlaufende Piste bis diese vor einem etwas zugewachsenen Tunnel endet. Jetzt folgen wie an einer Perlenschnur aufgereiht, fünf gut begehbare Tunnel. Für den ersten benötigt man allerdings eine Taschenlampe und bei dem letzten sollte man vor dem verschlossenen Tor nicht kapitulieren, da man dieses im untersten Bereich mittels der tiefsten Gangart durchrobben kann. Ab jetzt geht es ein Stück entlang der Strasse bis man wieder auf den Wanderweg LP 12.2 trifft. Hier geht es zuerst langsam abfallend an in Gewächshäuser verpackten Bananenplantagen vorbei, den Barranco del Jurado hinunter, bis man zum steilen Abstieg über loses, rutschiges Geröll zum Playa del Jurado. Unten angekommen, erwartet uns leider nicht, was man mit einem Sand- oder Kiesstrand vergleichen könnte. Die Korngröße des Strandes hatte eher die Ausmasse von Felsbrocken und war somit eher etwas für die Hardcore-Strandgänger. Wir verzichteten daher auf ein erfrischendes Bad und stiegen noch einmal die Küste ca. 150 Meter auf um auf die Straße zu gelangen, welche zu unserem Ausgangspunkt führt. Von der Sonne gut durchgegart erreichten wir auf qualmenden Sohlen nach 5 Stunden Wanderung unseren Mietwagen in dem wir einige Liter Wasser zur Erfrischung gebunkert hatten. Was jetzt noch fehlte, war das kühlende Nass von außen.

Wir fuhren daher an den Badestrand von Puerto del Tazacorte um uns im Atlantik bei leichtem Wellengang treibend, auf Betriebstemperatur herunter zu kühlen. Leider waren wir nicht die Einzigen, die sich haben treiben lassen, sondern, wie wir etwas zu spät merkten, schipperten in dem leicht trüben Wasser ein Päckchen Babywindeln an uns vorbei. Dies sollte sicherlich das Signal sein, das artenreiche Gewässer zu verlassen und den Abend in der Taberna del Puerto (Plaza Castilla No.1) bei einer leckeren Fischplatte und mehreren Bierchen ausklingen zu lassen.