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Reisetagebuch aus Madeira
Reisebericht Madeira vom 30. September
bis 7. Oktober 2010

Madeira: Tunnel- und grünes Bergland
Laut Flugplan hätte uns die Condor
mittels eines Direktflugs Richtung
Funchal von Stuttgart innerhalb von 4 ½
Stunden bringen sollen. Nun ja, wir
landeten schließlich mit einem extrem
eng bestulten Charterer namens White
aufgrund von technischen Problemen ca.
eine Stunde später auf der Blumeninsel.
Wir
hatten uns das Regency Palace in Funchal
als Ausgangspunkt für unsere Tagestouren
ausgesucht. Die Atmosphäre ist äußerst
ruhig und angenehm. Beim
Frühstücksbuffet haben mich die
reichhaltigen Variationen von frischem
Obst positiv überrascht. Es wäre schon
äußerst schade gewesen, wenn man in
einem Land, in dem es im Überfluss
frisches Obst und Gemüse gibt, die
Touristen mit Dosenfutter beglückt. Ein
Wermutstropfen bleibt die Auslegung:
„Zimmer mit seitlichem Meerblick“. Mit
gutem Willen und optimaler
Positionierung auf dem Balkon lässt sich
ein Blick auf das Meer durch einen Spalt
erhaschen. Da das Zimmer aber sehr
geräumig und ruhig war, und es sowieso
nur für die Nacht brauchten haben wir es
dennoch behalten.
Bedingt durch den Hurricane im Frühjahr
ist der gesamte Strandabschnitt den
Gewalten des Meeres zum Opfer gefallen.
Die Strandpromenade im Bereich des
Hotels existiert quasi nicht mehr. Das
Meer scheint sich unaufhaltsam in
Richtung Bebauungsgrenze
hineinzufressen.
1.
Oktober 2010
Die
Lieferung des Mietwagens von Holiday
Autos am nächsten Morgen an das Hotel
hat hervorragend geklappt.
Da
wir die Grippe von Stuttgart nach
Madeira mitgebracht haben, konnten wir
uns nur zu einer Erkundungstour der
Hauptstadt Funchal aufraffen. Ein
Rundgang auf dem Markt gibt einem einen
schönen Einblick in die Vielfalt der
sonnengereiften Früchte und des
knackigen Gemüse. Wer etwas über den
typischen hochprozentigen Madeira-Wein
incl. Verkostung kennenlernen möchte,
dem sei die Madeira-Wein Company, „The
old Blandy Wine Lodges“ (Ruo Sao
Francisco, 10, Funchal) empfohlen. Eine
Flasche des Jahrgangs der dem
Geburtsjahr entspricht gefällig? Kein
Problem. In dem Laden sind sicherlich
hundert Jahrgänge verfügbar.

Wer
viel herum läuft, bekommt irgendwann
Hunger. Für verschiedene kleine Snacks
bietet sich die Strandpromenade an. Wie
wäre es zum Beispiel mit dem typischen
gebackenen Knoblauchbrot oder ein paar
frisch über der Holzkohle gerösteten
Maroni?
Immer auf der Suche nach lokalen
Spezialitäten, haben wir den Tip
bekommen das Restaurant So Espeto (Estrada
Monumental – Funchal), max. 5 Min. mit
dem Auto unweit vom Hotel entfernt zu
besuchen, welches die lokale
Spezialität, den Fleischspieß „Espadada“
anbietet. Zu reichhaltigen Beilagen
werden an in den Tisch eingelassene
Trägerkonstruktionen Fleischspiesse
aufgehängt. Je nach Geschmack kann man
die Fleischart wählen, die dann auf dem
Holzofengrill gut gewürzt gegart wird.
2.
Oktober 2010
Angekommen in Ribeiro Frio beginnt der
Wanderweg nach Balcoes gut
ausgeschildert ca. 100 Meter von einer
Forellenzuchtstation entfernt. Lt.
Tourbeschreibung hätten uns völlig
vermooste Bäume empfangen sollen und
eine entsprechend der feuchten Umgebung
angepasste Vegetation. Tatsächlich
konnten wir an einigen Stellen einige
wenige Flechten an den Bäumen erkennen,
aber sonst – es lag evtl. an der
Jahreszeit oder am Klimawechsel - war
von der angekündigten märchenhaften
Stimmung nicht viel zu spüren. Der Weg
endete an der Aussichtskanzel Balcoes,
der einem den Blick über das gesamte Tal
und das Zentralmassiv eröffnet.
Einen Vergleich konnte ich mit einem
Bild anstellen, welches die
gegenüberliegende vermooste Felswand
zeigt. Aktuell ist nur wenig von der
alles überziehenden grünen Vegetation zu
erkennen. Die Felsen sahen braun und
abgetrocknet aus. Vielleicht hat sich
tatsächlich hier am Niederschlag etwas
verändert.
Zurück gekommen an der Forellenzucht
haben wir das Restaurant „Restaurante
Ribeiro Frio“ aufgesucht, in der
Hoffnung auf ein Menü mit fangfrischen
Forellen. Die Forellen, die wir serviert
bekamen, hatten wohl mehr als ihr
Rentenalter erreicht und sind eines
natürlichen Todes aus dem Leben
geschieden. Es bedarf schon einer
besonders ausgefeilten Küchenfertigkeit,
eine gekochte Forelle so vertrocknet
zubereiten zu können. Kalte Kartoffeln
und zu Matsch verkochtes Gemüse rundete
die Komposition nach Art des Hauses
äußerst passend ab.
 Nach der Wandertour kann ich den Strand
„Praia da Alagoa“ bei Porto da Cruz
empfehlen. In der für Madeira
verhältnismäßig weiten Bucht brechen
sich die Wellen des Atlantiks, welche
die Jugend im Ort zum Wellenreiten
nutzt. Direkt am schwarzen Sandstrand
angrenzend befindet sich eine grosse
Bar, dessen Pächterin Maria Edite
Freitas Dias „Spezialtarife“ für
Touristen im Angebot hat. Als besonderen
Service erhält man einen saftigen
Aufschlag auf die Rechnung. Wer diese
Aufmerksamkeit nicht in Anspruch nehmen
möchte, kann versuchen sich eine
Rechnung geben lassen.
Nachdem wir abends gemütlich durch die
Altstadt von Funchal geschlendert sind,
sind wir erneut einem Tip gefolgt und
haben uns in die Schlange für das
Abendessen am kleinen „Restaurante O
Jango“ eingereiht. Den Grund, warum die
Einheimischen für ein Abendessen hier
Schlange stehen, sollte man einfach mal
versuchen selbst heraus zu finden.

3.
Oktober 2010

 Vom
Encumeada-Pass aus kann man eine
Levada-Tour in das Folhadal starten.
Entlang der Levada-Rinne, die über kurze
Stücke mit Blumen gesäumt ist, geht es
entlang tiefer Abgründe, vermoosten
Steilwänden durch einen längeren Tunnel
hindurch bis hin zu einem Wasserfall. An
vielen Stellen kann man die Blicke über
das weite Tal in aller Ruhe schweifen
lassen.
Im
Anschluss daran sind wir auf die
Hochebene zum Picknickplatz Fontes
Ruivas gefahren um von dort aus die
Rundwanderung zum Pico Ruivo do Paul zu
starten. Entlang einer „Zwerglevada“
geht es zwischen Farnwiesen und kleinen
Wäldchen auf der Hochmoorebene hinauf
zum Pico Ruivo. Leider hat sich kurz vor
dem Ziel der Himmel blitzschnell
zugezogen und somit war außer feuchtem
Nebel vom Aussichtspunkt nicht viel zu
sehen. Der Abstieg erfolgte zwischen
stürmischen Böen, der uns die Wolken ins
Gesicht trieb. Diese Gipfeltour lohnt
sich nur bei sehr leicht bewölkten
Wetterverhältnissen.

Abends im Hotel angekommen, kann ich für
die späten Stunden für zwei oder drei
Absacker-Bierchen die kleine Yacht Bar
Praia des Hotels Regency Palace am
Strand empfehlen. Diese liegt
windgeschützt und gibt trotzdem den
Blick frei über das Meer und die gesamte
Küstenregion.
4.
Oktober 2010
Für
heute hatten wir uns eine Wanderung
entlang der Klippen von Carnical in
Richtung Porto da Cruz ausgesucht. Den
Einstiegspunkt habe ich nur mittels der
Geodaten gefunden, die ich hier in
diesem Link hinterlegt habe. An einem
kleinen Parkplatz angekommen, findet
sich keinerlei Hinweis auf den Einstieg.
Erst als eine Frau am Fenster unsere
ratlosen, suchende Blicke sah und uns
daraufhin zu ihr her gewunken hat,
bekamen wir schließlich den Tip für den
Einstiegspunkt. Dieser sieht aus, wie
ein Treppenaufgang zum Haus, führt aber
letztlich hinter das Haus entlang
kleiner Gärten in das Tal der Ribeira
Secca hinein. Nach ca. 20 Minuten kreuzt
man die Levada, die in manchen
Tourbeschreibungen als Teilstrecke
ausgewiesen ist. An diesem Punkt weist
ein kleines Schild in Richtung Poca di
Risco. Hier schlängelt sich der Weg den
Berg hinauf entlang an Farnen und
verkohlten, abgestorbenen Bäumen. Auf
der Passhöhe angekommen, hat man zum
ersten Mal eine herrliche Aussicht auf
die steil abfallende Nordküste. Etliche
Meter unter uns schlägt das Meer weiß
aufschäumend gegen die Felswände. Folgt
man nun dem Küstenpfad in westlicher
Richtung, nimmt die anfangs üppige
Vegetation immer mehr ab, bis man auf
einem nur noch schmalen Pfad entlang der
Steilwand geführt wird. Sollte es jetzt
regnen oder ist man nicht schwindelfrei,
wäre jetzt der Zeitpunkt gekommen,
umzukehren. Zwar war vom Regen in der
Nacht der Pfad noch etwas glitschig,
aber die beeindruckende Szenerie
überzeugte uns das geringe Risiko
einzugehen.

Da wir die gleiche Strecke
wieder zum Auto zurück gehen mussten,
haben wir etwa auf halber Strecke an
einem ca. 50 cm hohen Vermessungsstein
auf einem Felsvorsprung kehrt gemacht.
Dieser Punkt ist gleichzeitig auch das
Ende des spektakulärsten Teils der
Wanderung. Zurück gekehrt am Auto hatten
wir noch Lust auf etwas Sandstrand.
Hierbei bietet sich ein Abstecher zum
östlichsten Teil der Insel an. Folgt man
der Strasse nach Carnical sind wir auf
einen Strand names Prainha gestossen. In
einer windgeschützten Bucht, findet sich
ein kurzes Stück feiner Sandstrand. Die
brandungsgeschützte Lage der Bucht lädt
zum erfrischenden Bad ein. Eine kleine
Bar bietet einfache aber frische Snacks
an, wie gebratene knusprige Sardinen als
„catch of the day“ zu Pommes Frites.

Fährt man jetzt etwas die Landzunge
hinaus, gibt es immer wieder Verweise zu
gut ausgebauten Aussichtspunkten an
denen die Felswand etliche hundert Meter
senkrecht ins Meer abfällt.


Zum
Abendessen sind wir einer Empfehlung
gefolgt, den Strandabschnitt unterhalb
des Hotels ca. 10 Minuten in östliche
Richtung entlang zu wandern. Direkt an
der Promenade findet sich das Restaurant
„Praia Formosa“ (Rua da Praia
Formosa-Praia dos Namorados, 9000-247
Funchal) mit hervorragend frischem
Fisch. Wenn man nach dem Fang des Tages
fragt, bekommt man mit etwas Glück die
Fische, die von den lokalen Fischern
morgens ins Netz gegangen sind. Ich habe
selten eine gegrillte Dorade gegessen,
die so saftig und würzig war.
05.
Okt. 2010
Es
ist schwer eine Levada-Rundwanderung zu
finden, da meist die Quelle der Levadas
den Endpunkt bildet. Eine Ausnahme
hiervon ist der Rundwanderweg im Tal der
Ribeira Ponta do Sol. Von Solar dos
Esmeraldos geht man den „Levada Nova“ an
der rechten Talflanke landeinwärts bis
hinauf zu seiner Quelle. Über weite
Strecken läuft man auf der ca. 80 cm
breiten Levada-Kante. Da es hier
keinerlei Sicherung über dem Abgrund
gibt, sollte man, obwohl der Weg einfach
zu begehen ist, schwindelfrei sein.
Den
Wasserfall, den man hinterlaufen muss
und früher für eine unfreiwillige Dusche
sorgte, wurde leider (?) entschärft,
indem man eine rostige, verbeulte
Blechwand als Spritzschutz aufgestellt
hat.
Der
Weg der ersten Hälfte endet in einem
Flussbett, welches die Quelle der Levada
bildet und gleichzeitig als Rastplatz
dient.
Für den Rückweg steigt man zu der Levada do Moinho ab, die ebenfalls den
Bergrücken im Tal der Ribeira Punto do
Sol folgt. Hier hat man einen weiten
Blick auf Terassenfelder, die ehemals
für den Zuckerrohranbau benutzt wurden.
Heute sind nur noch wenige Felder mit
etwas Gemüse bestellt. Durch die steile
Hanglage kann man leicht nachvollziehen,
dass man sich den mühsamen Gemüseanbau
zweimal überlegt.
6.
Oktober 2010
Im
Norden ist Santana für seine kleinen
traditionellen riedgedeckten
Spitzgiebelhäuser bekannt. Also machten
wir uns auf den Weg, um zu sehen, was
davon noch übrig geblieben ist. In
Santana selbst sind wir in die
Touristenfalle getappt. Auf dem
zentralen Platz sind einige Häuschen
aufgebaut worden, die zu Touristenshops
umfunktioniert worden sind. Einen
Einblick in die damalige Lebensweise
kann man hierbei natürlich nicht
bekommen. Also sind wir lieber ein
kurzes Stück wandern gegangen um den
Pico das Pedras zum Parc des Queimadas.
Für diese kurze Wanderstrecke braucht
man keine Wanderausrüstung. Man wandert
unter dichten Waldkronen hindurch auf
einem breiten, gut befestigten Pfad.

Da
es unser letzter Tag war, wollten wir
der Küste auf Höhe von Sao Jorge noch
einmal einen Besuch abstatten. Zwischen
Santana und Sao Jorge liegt der kleine
Küstenort Calhau. Am Ende der Strasse
angekommen, die zu einem Schwimmbad
führt, steht man vor einer grossen
Bogenbrücke unter der ein Fluss ins Meer
mündet. Läuft man den Pfad entlang der
Steilklippen in Richtung Sao Jorge,
kommt man an verfallenen Steinhäusern
und Levadas entlang.

Die
massiven Steinwände und Torbögen, die
direkt am Meer enden und die schwarz
gepflasterten Strassen zeugen von einer
anderen Epoche. Ich hätte gerne Bilder
aus der Zeit gesehen, in denen dieses
Dorf noch in seinem Reichtum glänzte.
Bei
Madeira denkt natürlich jeder gleich
auch an den Madeira-Wein. Im Weingut
Madeira Wine Company, „The old Blandy
Wine Lodges“ (Ruo Sao Francisco, 10,
Funchal) haben wir uns mittels vieler
Weinverkostungen und einer geführten
Tour intensiv mit der Materie
beschäftigt. Wo hat man sonst die
Möglichkeit sich durch alle
Qualitätsstufen am Ursprung des
Entstehungsprozesses hindurchzukosten.
Wer besonders viel von dem
Hochprozentigen gelernt hat, kann
getrost auf die Unterstützung der
Taxifahrer hoffen. Um den Madeira-Wein
nachträglich auf eine Grundlage zu
stellen, sind wir noch einmal ins O
Jango Restaurant gegangen.
Als lokale
Spezialität bietet sich Degenfisch und
Stockfisch nach Art des Hauses an.
Interessanterweise war der Stockfisch
evtl. bedingt durch die viele Sahne
weder salzig noch sehr kompakt. Schaut
man sich das Ausgangsprodukt getrocknet
und eingesalzen, hart wie ein Brett in
den Läden an, hätte man ein anderes
Ergebnis erwarten können.
 Zum
Abschluss...
Madeira ist ein vollkommen
unproblematisches Reiseland. Es sind
keinerlei Vorbereitungen notwendig.

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