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© 1999-2011  Matthias Riedel

 
 
 
 
 

 

 

 

 

 
 

Reisetagebuch aus Madeira

Reisebericht Madeira vom 30. September bis 7. Oktober 2010

  Madeira: Tunnel- und grünes Bergland

Laut Flugplan hätte uns die Condor mittels eines Direktflugs Richtung Funchal von Stuttgart innerhalb von 4 ½ Stunden bringen sollen. Nun ja, wir landeten schließlich mit einem extrem eng bestulten Charterer namens White aufgrund von technischen Problemen ca. eine Stunde später auf der Blumeninsel.

Wir hatten uns das Regency Palace in Funchal als Ausgangspunkt für unsere Tagestouren ausgesucht. Die Atmosphäre ist äußerst ruhig und angenehm. Beim Frühstücksbuffet haben mich die reichhaltigen Variationen von frischem Obst positiv überrascht. Es wäre schon äußerst schade gewesen, wenn man in einem Land, in dem es im Überfluss frisches Obst und Gemüse gibt, die Touristen mit Dosenfutter beglückt. Ein Wermutstropfen bleibt die Auslegung: „Zimmer mit seitlichem Meerblick“. Mit gutem Willen und optimaler Positionierung auf dem Balkon lässt sich ein Blick auf das Meer durch einen Spalt erhaschen. Da das Zimmer aber sehr geräumig und ruhig war, und es sowieso nur für die Nacht brauchten haben wir es dennoch behalten.

Bedingt durch den Hurricane im Frühjahr ist der gesamte Strandabschnitt den Gewalten des Meeres zum Opfer gefallen. Die Strandpromenade im Bereich des Hotels existiert quasi nicht mehr. Das Meer scheint sich unaufhaltsam in Richtung Bebauungsgrenze hineinzufressen.

 1. Oktober 2010

Die Lieferung des Mietwagens von Holiday Autos am nächsten Morgen an das Hotel hat hervorragend geklappt.

Da wir die Grippe von Stuttgart nach Madeira mitgebracht haben, konnten wir uns nur zu einer Erkundungstour der Hauptstadt Funchal aufraffen. Ein Rundgang auf dem Markt gibt einem einen schönen Einblick in die Vielfalt der sonnengereiften Früchte  und des knackigen Gemüse. Wer etwas über den typischen hochprozentigen Madeira-Wein incl. Verkostung kennenlernen möchte, dem sei die Madeira-Wein Company, „The old Blandy Wine Lodges“ (Ruo Sao Francisco, 10, Funchal) empfohlen. Eine Flasche des Jahrgangs der dem Geburtsjahr entspricht gefällig? Kein Problem. In dem Laden sind sicherlich hundert Jahrgänge verfügbar.

Wer viel herum läuft, bekommt irgendwann Hunger. Für verschiedene kleine Snacks bietet sich die Strandpromenade an. Wie wäre es zum Beispiel mit dem typischen gebackenen Knoblauchbrot oder ein paar frisch über der Holzkohle gerösteten Maroni?

Immer auf der Suche nach lokalen Spezialitäten, haben wir den Tip bekommen das Restaurant So Espeto (Estrada Monumental – Funchal), max. 5 Min. mit dem Auto unweit vom Hotel entfernt zu besuchen, welches die lokale Spezialität, den Fleischspieß „Espadada“  anbietet. Zu reichhaltigen Beilagen werden an in den Tisch eingelassene Trägerkonstruktionen Fleischspiesse aufgehängt. Je nach Geschmack kann man die Fleischart wählen, die dann auf dem Holzofengrill gut gewürzt gegart wird. 

2. Oktober 2010

Angekommen in Ribeiro Frio beginnt der Wanderweg nach Balcoes gut ausgeschildert ca. 100 Meter von einer Forellenzuchtstation entfernt. Lt. Tourbeschreibung hätten uns völlig vermooste Bäume empfangen sollen und eine entsprechend der feuchten Umgebung angepasste Vegetation. Tatsächlich konnten wir an einigen Stellen einige wenige Flechten an den Bäumen erkennen, aber sonst – es lag evtl. an der Jahreszeit oder am Klimawechsel - war von der angekündigten märchenhaften Stimmung nicht viel zu spüren. Der Weg endete an der Aussichtskanzel Balcoes, der einem den Blick über das gesamte Tal und das Zentralmassiv eröffnet.

Einen Vergleich konnte ich mit einem Bild anstellen, welches die gegenüberliegende vermooste Felswand zeigt. Aktuell ist nur wenig von der alles überziehenden grünen Vegetation zu erkennen. Die Felsen sahen braun und abgetrocknet aus.  Vielleicht hat sich tatsächlich hier am Niederschlag etwas verändert.

Zurück gekommen an der Forellenzucht haben wir das Restaurant „Restaurante Ribeiro Frio“ aufgesucht, in der Hoffnung auf ein Menü mit fangfrischen Forellen. Die Forellen, die wir serviert bekamen, hatten wohl mehr als ihr Rentenalter erreicht und sind eines natürlichen Todes aus dem Leben geschieden. Es bedarf schon einer besonders ausgefeilten Küchenfertigkeit, eine gekochte Forelle so vertrocknet zubereiten zu können. Kalte Kartoffeln und zu Matsch verkochtes Gemüse rundete die Komposition nach Art des Hauses äußerst passend ab.

Nach der Wandertour kann ich den Strand „Praia da Alagoa“ bei Porto da Cruz  empfehlen. In der für Madeira verhältnismäßig weiten Bucht brechen sich die Wellen des Atlantiks, welche die Jugend im Ort zum Wellenreiten nutzt. Direkt am schwarzen Sandstrand angrenzend befindet sich eine grosse Bar, dessen Pächterin Maria Edite Freitas Dias „Spezialtarife“ für Touristen im Angebot hat. Als besonderen Service erhält man einen saftigen Aufschlag auf die Rechnung. Wer diese Aufmerksamkeit nicht in Anspruch nehmen möchte, kann versuchen sich eine Rechnung geben lassen.

Nachdem wir abends gemütlich durch die Altstadt von Funchal geschlendert sind, sind wir erneut einem Tip gefolgt und haben uns in die Schlange für das Abendessen am kleinen „Restaurante O Jango“ eingereiht. Den Grund, warum die Einheimischen für ein Abendessen hier Schlange stehen, sollte man einfach mal versuchen selbst heraus zu finden.

 

 

 

 

 

3. Oktober 2010

 

Vom Encumeada-Pass aus kann man eine Levada-Tour in das Folhadal starten. Entlang der Levada-Rinne, die über kurze Stücke mit Blumen gesäumt ist, geht es entlang tiefer Abgründe, vermoosten Steilwänden durch einen längeren Tunnel hindurch bis hin zu einem Wasserfall. An vielen Stellen kann man die Blicke über das weite Tal in aller Ruhe schweifen lassen.

 

 

 

Im Anschluss daran sind wir auf die Hochebene zum Picknickplatz Fontes Ruivas gefahren um von dort aus die Rundwanderung zum Pico Ruivo do Paul zu starten. Entlang einer „Zwerglevada“ geht es zwischen Farnwiesen und kleinen Wäldchen auf der Hochmoorebene hinauf zum Pico Ruivo. Leider hat sich kurz vor dem Ziel der Himmel blitzschnell zugezogen und somit war außer feuchtem Nebel vom Aussichtspunkt nicht viel zu sehen. Der Abstieg erfolgte zwischen stürmischen Böen, der uns die Wolken ins Gesicht trieb. Diese Gipfeltour lohnt sich nur bei sehr leicht bewölkten Wetterverhältnissen.

Abends im Hotel angekommen, kann ich für die späten Stunden für zwei oder drei Absacker-Bierchen die kleine Yacht Bar Praia des Hotels Regency Palace am Strand empfehlen. Diese liegt windgeschützt und gibt trotzdem den Blick frei über das Meer und die gesamte Küstenregion.

 

 

 

4. Oktober 2010

Für heute hatten wir uns eine Wanderung entlang der Klippen von Carnical in Richtung Porto da Cruz ausgesucht. Den Einstiegspunkt habe ich nur mittels der Geodaten gefunden, die ich hier in diesem Link hinterlegt habe. An einem kleinen Parkplatz angekommen, findet sich keinerlei Hinweis auf den Einstieg. Erst als eine Frau am Fenster unsere ratlosen, suchende Blicke sah und uns daraufhin zu ihr her gewunken hat, bekamen wir schließlich den Tip für den Einstiegspunkt. Dieser sieht aus, wie ein Treppenaufgang zum Haus, führt aber letztlich hinter das Haus entlang kleiner Gärten in das Tal der Ribeira Secca hinein. Nach ca. 20 Minuten kreuzt man die Levada, die in manchen Tourbeschreibungen als Teilstrecke ausgewiesen ist. An diesem Punkt weist ein kleines Schild in Richtung Poca di Risco. Hier schlängelt sich der Weg den Berg hinauf entlang an Farnen und verkohlten, abgestorbenen Bäumen. Auf der Passhöhe angekommen, hat man zum ersten Mal eine herrliche Aussicht auf die steil abfallende Nordküste. Etliche Meter unter uns schlägt das Meer weiß aufschäumend gegen die Felswände.  Folgt man nun dem Küstenpfad in westlicher Richtung, nimmt die anfangs üppige Vegetation immer mehr ab, bis man auf einem nur noch schmalen Pfad entlang der Steilwand geführt wird. Sollte es jetzt regnen oder ist man nicht schwindelfrei, wäre jetzt der Zeitpunkt gekommen, umzukehren. Zwar war vom Regen in der Nacht der Pfad noch etwas glitschig, aber die beeindruckende Szenerie überzeugte uns das geringe Risiko einzugehen.

 

Da wir die gleiche Strecke wieder zum Auto zurück gehen mussten, haben wir etwa auf halber Strecke an einem ca. 50 cm hohen Vermessungsstein auf einem Felsvorsprung kehrt gemacht. Dieser Punkt ist gleichzeitig auch das Ende des spektakulärsten Teils der Wanderung. Zurück gekehrt am Auto hatten wir noch Lust auf etwas Sandstrand. Hierbei bietet sich ein Abstecher zum östlichsten Teil der Insel an. Folgt man der Strasse nach Carnical sind wir auf einen Strand names Prainha gestossen. In einer windgeschützten Bucht, findet sich ein kurzes Stück feiner Sandstrand. Die brandungsgeschützte Lage der Bucht lädt zum erfrischenden Bad ein. Eine kleine Bar bietet einfache aber frische Snacks an, wie gebratene knusprige Sardinen als „catch of the day“ zu Pommes Frites.

Fährt man jetzt etwas die Landzunge hinaus, gibt es immer wieder Verweise zu gut ausgebauten Aussichtspunkten an denen die Felswand etliche hundert Meter senkrecht ins Meer abfällt.

Zum Abendessen sind wir einer Empfehlung gefolgt, den Strandabschnitt unterhalb des Hotels ca. 10 Minuten in östliche Richtung entlang zu wandern. Direkt an der Promenade findet sich das Restaurant „Praia Formosa“ (Rua da Praia Formosa-Praia dos Namorados, 9000-247 Funchal) mit hervorragend frischem Fisch. Wenn man nach dem Fang des Tages fragt, bekommt man mit etwas Glück die Fische, die von den lokalen Fischern morgens ins Netz gegangen sind. Ich habe selten eine gegrillte Dorade gegessen, die so saftig und würzig war.

05. Okt. 2010

Es ist schwer eine Levada-Rundwanderung zu finden, da meist die Quelle der Levadas den Endpunkt bildet. Eine Ausnahme hiervon ist der Rundwanderweg im Tal der Ribeira Ponta do Sol. Von Solar dos Esmeraldos geht man den „Levada Nova“ an der rechten Talflanke landeinwärts bis hinauf zu seiner Quelle. Über weite Strecken läuft man auf der ca. 80 cm breiten Levada-Kante. Da es hier keinerlei Sicherung über dem Abgrund gibt, sollte man, obwohl der Weg einfach zu begehen ist, schwindelfrei sein. Den Wasserfall, den man hinterlaufen muss und früher für eine unfreiwillige Dusche sorgte, wurde leider (?) entschärft, indem man eine rostige, verbeulte Blechwand als Spritzschutz aufgestellt hat.

Der Weg der ersten Hälfte endet in einem Flussbett, welches die Quelle der Levada bildet und gleichzeitig als Rastplatz dient.

Für den Rückweg steigt man zu der Levada do Moinho ab, die ebenfalls den Bergrücken im Tal der Ribeira Punto do Sol folgt. Hier hat man einen weiten Blick auf Terassenfelder, die ehemals für den Zuckerrohranbau benutzt wurden. Heute sind nur noch wenige Felder mit etwas Gemüse bestellt. Durch die steile Hanglage kann man leicht nachvollziehen, dass man sich den mühsamen Gemüseanbau zweimal überlegt.

 

 

 

6. Oktober 2010

Im Norden ist Santana für seine kleinen traditionellen riedgedeckten Spitzgiebelhäuser bekannt. Also machten wir uns auf den Weg, um zu sehen, was davon noch übrig geblieben ist. In Santana selbst sind wir in die Touristenfalle getappt. Auf dem zentralen Platz sind einige Häuschen aufgebaut worden, die zu Touristenshops umfunktioniert worden sind. Einen Einblick in die damalige Lebensweise kann man hierbei natürlich nicht bekommen. Also sind wir lieber ein kurzes Stück wandern gegangen um den Pico das Pedras zum Parc des Queimadas. Für diese kurze Wanderstrecke braucht man keine Wanderausrüstung. Man wandert unter dichten Waldkronen hindurch auf einem breiten, gut befestigten Pfad.

Da es unser letzter Tag war, wollten wir der Küste auf Höhe von Sao Jorge noch einmal einen Besuch abstatten. Zwischen Santana und Sao Jorge liegt der kleine Küstenort Calhau. Am Ende der Strasse angekommen, die zu einem Schwimmbad führt, steht man vor einer grossen Bogenbrücke unter der ein Fluss ins Meer mündet. Läuft man den Pfad entlang der Steilklippen in Richtung Sao Jorge, kommt man an verfallenen Steinhäusern und Levadas entlang.

Die massiven Steinwände und Torbögen, die direkt am Meer enden und die schwarz gepflasterten Strassen zeugen von einer anderen Epoche. Ich hätte gerne Bilder aus der Zeit gesehen, in denen dieses Dorf noch in seinem Reichtum glänzte.

 

Bei Madeira denkt natürlich jeder gleich auch an den Madeira-Wein. Im Weingut Madeira Wine Company, „The old Blandy Wine Lodges“ (Ruo Sao Francisco, 10, Funchal) haben wir uns mittels vieler Weinverkostungen und einer geführten Tour intensiv mit der Materie beschäftigt. Wo hat man sonst die Möglichkeit sich durch alle Qualitätsstufen am Ursprung des Entstehungsprozesses hindurchzukosten. Wer besonders viel von dem Hochprozentigen gelernt hat, kann getrost auf die Unterstützung der Taxifahrer hoffen. Um den Madeira-Wein nachträglich auf eine Grundlage zu stellen, sind wir noch einmal ins O Jango Restaurant gegangen.

Als lokale Spezialität bietet sich Degenfisch und Stockfisch nach Art des Hauses an. Interessanterweise war der Stockfisch evtl. bedingt durch die viele Sahne weder salzig noch sehr kompakt. Schaut man sich das Ausgangsprodukt getrocknet und eingesalzen, hart wie ein Brett in den Läden an, hätte man ein anderes Ergebnis erwarten können.

 

 

Zum Abschluss...

Madeira ist ein vollkommen unproblematisches Reiseland. Es sind keinerlei Vorbereitungen notwendig.