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© 1999-2010  Matthias Riedel

 
 
       
    Reisetagebuch aus China    
 

   
         
 

21.10 - 22.10.2006

China, das Land mit einer 3000-Jahre alten Kulturgeschichte, sollte dieses Mal unser Ziel sein. Für die ersten zwei Tage waren wir erst einmal mit Fliegen beschäftigt. Die ersten zwei Stationen waren Stuttgart-Frankfurt, Frankfurt-Shanghai. In Shanghai pünktlich angekommen, mussten wir uns erst einmal zwei Stunden vor endlos scheinenden Warteschlangen an den Einreiseschaltern gedulden. Aber nach einigen bunten Stempeln hatten wir es endlich geschafft und wurden freundlich am Ausgang von unserem chinesischen Freund in Empfang genommen. Das sollte aber für heute nicht das Ende der Fliegerei sein. Um zu Beginn der Reise einen Tag Aufenthalt in Shanghai zu vermeiden, hatten wir uns entschlossen noch in der Nacht den Anschlussflug nach Kunming zu nehmen. Mit dieser Reiseplanung war es möglich den ersten Morgenflug zu unserem ersten Etappenziel Shangri-La zu bekommen.

Da wir noch einige Stunden für den Anschlussflug nach Kunming Zeit hatten, lag es nah, erst einmal in die kulinarischen Genüsse Chinas einzutauchen. Direkt am Flughafen in Shanghai gibt es das Honggang-Hotel, in dem man die überaus leckeren Spezialitäten aus der Shanghai-Region probieren kann. Ein wirklicher Glücksgriff in Geschmacksvielfalt und Frische der Speisen. Mit einem Menü von einem so genannten chinesischen Restaurant in Deutschland hat dies nicht mehr allzu viel Ähnlichkeit. Frisch gestärkt ging es dann gegen 22 Uhr auf den über 2 Stunden dauernden Flug nach Kunming. Endlich angekommen hatten wir um 1 Uhr nachts nur noch einen Gedanken möglichst schnell eine Unterkunft in der Nähe vom Flughafen zu finden. Nach dem dritten Anlauf und etlichen Preisverhandlungen, lagen wir übermüdet ca. gegen 2 Uhr in unserem Betten.

Um 5:30 Uhr und damit einer sehr kurzen Nacht haben wir uns in der Lobby des Hotels wieder getroffen. Dort war bereits unser chinesischer Freund in heftige Diskussionen mit dem Hotelpersonal verwickelt, da es offensichtlich unterschiedliche Ansichten über den ausgehandelten Zimmerpreis gab. Obwohl es eigenartig klingt, hatte uns dies doch etwas beruhigt, da es selbst zwischen Chinesen Verständnisprobleme gab. Wir waren somit gut aufgehoben in einer Gemeinschaft von 1,6 Mill. Menschen, die wir mehr oder weniger nicht verstehen konnten. 

   
 

23.10.2006

Mit der 7 Uhr Maschine nach Shangri-La ließen wir das feucht-schwüle Kunming hinter uns und landeten in über 3000 m Höhe und der morgendlichen Frische von 2 Grad C. Nach kurzer Fahrt zu unserer Unterkunft, einer neu renovierten Jugendherberge (Youth Hostel), bestellten wir ein Frühstück, welches hier dem tibetanischen Stil entspricht. Dazu gehört, der doch immer wieder gewöhnungsbedürftige Buttertee, Reissuppe, Steamed Bread und ein Spiegelei, bei dem die Herausforderung darin liegt, es mit Stäbchen zu essen ohne das Eigelb über Hände und Kleidung zu verteilen. 

   
 
 

Nach einem kurzen Nickerchen haben wir das bunte Treiben der Stadt auf uns wirken lassen und dem in der Nähe liegenden 300 Jahre alten tibetanischen Songzanlin Lamasery- Kloster einen Besuch abgestattet. Man hat hier nicht mehr den Eindruck, dass die Religionsfreiheit massiv eingeschränkt ist.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

   
 
 

Überall wird renoviert und erweitert. Bauern aus der Umgebung unterstützen mit handwerklichem Geschick den Klosterbau in ihrer Freizeit ohne dafür eine Entschädigung zu erwarten.

Zur allgemeinen Abendessenszeit, die zwischen 18 und 20 Uhr liegt, haben wir uns aufgemacht ein Restaurant zu suchen. Bedingt durch den deutlich geringeren Lebensstandard, im Vergleich zu Shanghai, ist die Auswahl an Restaurants hier deutlich eingeschränkt. Letztendlich haben wir es wieder einmal geschafft, den Herausforderungen der lokalen Spezialitäten unerschrocken gegenüber zu treten. Zugegebenermaßen waren die Schweinsohren nicht so süß wie in Deutschland und bedurften einer Neuinterpretation: Knorpelige Variante gegenüber Blätterteig. Keine Kampferfahrung brauchte man dagegen bei Yak in Minzblättersosse, frittierte Aubergine mit einem Schuss karamellisiertem Zucker und kleine Fleischstückchen am Spieß (Ziege – pikant gewürzt).

   
 
 

24.10.2006

Um uns für die heute anstehende 8-stündige Fahrt nach Felai Lamasery zu stärken, gab es eine große Schale Nudelsuppe. Die ließ einen ganz schnell die frostigen Morgentemperaturen vergessen.

 

Für die Hinfahrt der 160 km langen Strecke von Shangri-La nach Felai Lamasery hatten wir uns für das Taxi entschieden. Dies gab uns die Möglichkeit jederzeit anzuhalten und die wunderschöne Landschaft zu genießen.

Entlang von Meadows, einer sumpfartigen Landschaft hinauf in die Berge zum Yangze-Fluss bis auf 4210 m zur Passüberquerung und einem herrlichen Panaroma auf die umgebende Bergwelt wieder hinab nach Deqin und schließlich Felai Lamasery.

Zu dieser Jahreszeit zeigt sich die Landschaft in ihren bunten Herbstfarben.

Etwas nervös wurde unser Fahrer als plötzlich eine Polizeikontrolle vor ihm auftauchte. Wild hantierend versuchte er schnellstmöglich der Anschnallpflicht in China nachzukommen. Vor lauter Verzweiflung auf der Suche nach dem lange nicht benutzten Gurtschluss würgte er kurz vor der Polizeikontrolle auch noch seinen Wagen ab. Erst nach mehreren Anlassversuchen hatte er es schließlich geschafft, die letzten wenigen Meter auf die Grenzkontrolle zuzurollen und dabei im letzten Moment seinen Gurtschluss einrasten zu lassen. Nun stellte sich die Frage: würden sie seine etwas tollpatschigen Anschnallversuche kulant übersehen oder war eine Strafe fällig. Nachdem aber die Polizisten festgestellten hatten, dass der Fahrer aus derselben Provinz kam, wie sie selber, ließ man den schon in Gedanken eine Strafe zahlenden Taxifahrer aus Solidarität ohne jegliche Verwarnung davon fahren. Überglücklich und keine 20 m vom Kontrollposten entfernt, schnallte sich der Fahrer wieder ab und genoss freudestrahlend seine wieder gewonnene gurtlose Freiheit.

Auf der Passhöhe mussten wir uns ein sehr merkwürdiges Schild erklären lassen. Darauf zu sehen waren Soldaten der roten Armee und eine Kabeltrommel. Entsprechend der Übersetzung des Schildes verläuft entlang dessen Position ein Kommunikationserdkabel der Armee. Da zur Freude der Einheimischen sich diese Kabel auch hervorragend zum Verkauf auf den lokalen Märkten feilbieten lassen, gruben die geschäftstüchtigen Anwohner kurzerhand das Kabel wieder aus um es nutzbringenderen Zwecken wieder zuzuführen. Die Armee stand natürlich diesem Geschäftsinn nicht sehr positiv gegenüber und so stellte man diese Schilder auf um klar zustellen, dass der Zweck dieser Kabel in weiser Voraussicht schon von der Armee festgelegt worden waren. Eine spontane Umnutzung wurde somit unter Strafe gestellt.

 
   
 

25.10.2006

Heute stand uns die erste Treckingtour bevor, die sportlichen Ehrgeiz erforderte.

Um 8 Uhr fuhren wir mit dem Taxi von Felai Temple 1 ½ Stunden zu unserem Ausgangspunkt Xidang-Hotspring. Eine Möglichkeit um in das Wandergebiet von Yubeng zu gelangen, ist per Taxi durch das Maingate zu fahren, an dem Eintrittspreis von 16 Yuan pro Person zu zahlen ist. Alternativ gibt es einen Seiteneingang, der durch eine eintägige Tour von Felai-Temple zu erreichen ist. Dieser Zugang wäre nach Aussage der Einheimischen kostenlos gewesen, hätte aber den Nachteil gehabt, dass man in Xidang-Hotsprings übernachten müsste. Die Qualität der Übernachtungsmöglichkeiten in Xidang-Hotsprings hatten viele Einheimische aber als nicht empfehlenswert abgelehnt. Aus diesem Grund hatten wir uns entschieden direkt nach der Taxifahrt von Xidang-Hotsprings unsere Wandertour zu starten. Ziel des ersten Tages war von unserem Ausgangspunkt (2650 m) hinauf auf den Pass (2800 m) zu steigen und wieder hinab nach Shang-Yubeng (2300 m) zu wandern.

Nach einem 4 ½-stündigen Anstieg durch herrlich bunte Laubwälder hatten wir den Pass erreicht. Hier gibt es ein kleines Teehaus um sich von den Anstrengungen der ersten Etappe zu erholen. Dieses Teehaus ist mit einer kleinen Terrasse ausgestattet, die einen ungestörten Ausblick auf die Umgebung ermöglicht ohne dabei von naschsüchtigen Mulis gestört zu werden.

Hier trafen wir auf Einheimische, die besondere Freude daran hatten, ihr Portrait auf dem Monitor der Digitalkamera zu betrachten. Fast jeder aus der tibetanischen Gruppe wollte fotografiert werden um sein Ebenbild zu betrachten. Nachdem man uns dann auch noch tibetanische Folkloremusik näher gebracht hatte, war eine Filmaufnahme der einheimischen Volksmusiksängerinnen die Attraktion des Tages. Somit waren wir den ganzen Abstieg nach Shang-Yubeng umringt von Einheimischen die lautstark ihre Volkslieder zum Besten gaben.

   
 

Direkt am Ortseingang haben wir uns in ein Guesthouse einquartiert. Nach dem Abendessen wurden wir zum chinesischen Kampftrinken mit Xinque (chinesischer Reiswein) eingeladen. Zum Glück hatte sich das Vorurteil bewahrheitet, dass die asiatische Trinkkonstitution der europäischen ein wenig unterlegen ist. So wurde letztendlich spätabends der Xinque -Trinkanführer von seiner Freundin laut grölend vorzeitig ins Bett abgeführt. Jedenfalls hatten wir an diesem Abend unheimlichen Spaß mit der illustren chinesischen Trinkrunde, auch wenn die Kommunikation auf sprachlicher Ebene leicht eingeschränkt war.

 

   
 
 

26.10.2006

 Nach einer stärkenden Frühstücksnudelsuppe begannen wir unsere Tagestour in Richtung des auf fast 4000 m gelegenen Gletschersees. Es standen uns somit fast 700 m Höhenunterschied bevor. Durch den teilweise morastigen, steil ansteigenden Pfad und der dünnen Luft waren wir gezwungen den Aufstieg nur sehr langsam durchzuführen. Der Weg schlängelte sich durch eine herbstlich gefärbte Urwaldlandschaft, bunte Wiesen und Flussüberquerungen zum ersten Rastplatz (Basecamp). Das Basecamp wurde als Ausgangspunkt für die umliegenden Berge genutzt. Nach 4 Stunden Aufstieg hatten wir dort unser spartanisches Mittagessen, welches aus Müsliriegeln bestand, mehr als verdient. Vom Basecamp aus kann man in aller Ruhe das Ziel des Tages, den Gletscher, betrachten. Nach einer Stunde hatten wir es schließlich geschafft, den Rand des Gletschersees zu erreichen, in den hin und wieder mit lautem Getöse Teile des Gletscher-Eises abbrachen. Ein plötzlicher Wettersturz von anfänglichem Sonnenschein zwang uns vorzeitig wieder den Rückzug anzutreten. In der Unterkunft angekommen, waren doch Einigen die Anstrengungen des Tages anzumerken. Der Eine oder Andere verzichtete auf seine warme Dusche um sich bloß nicht von seinem Stuhl erheben zu müssen. Aber ein kühles Bier bei einem deftigen Abendessen ließen die Anstrengungen schnell wieder vergessen. Für diejenigen, die sich einen entspannten Aufstieg wünschen, gibt es die Möglichkeit auf einem Pferderücken den Berg zu erklimmen. Manch ein Reiter hatte es dann aber doch vorgezogen, vorzeitig den Pferderücken wieder zu verlassen, da durch den steilen Anstieg offensichtlich das reiterische Können nicht ganz ausreichte.

   
 
 

27.10.2006

Heute sollte uns eine deutlich entspanntere Tour bevorstehen. Ziel war ein Wasserfall, der für die Buddhisten ein Pilgerort darstellt. Wir starteten von Upper-Yubeng ohne Frühstück nach Lower-Yubeng mit einem halbstündigen Abstieg. Dort quartierten wir uns im Mystic-Waterfall-Hotel ein, welches einen herrlichen Blick auf die umliegende Berglandschaft bietet. Nach einem nicht ganz empfehlenswerten Frühstück aus lauwarmer Reissuppe und kaltem Steamed-Bread machten wir uns auf zu der dreistündigen Tour.  

   
 
  Aufgrund der Bedeutung des Wasserfalls als Pilgerziel für die Buddhisten ist der Wanderweg sehr gut ausgebaut. Der Weg führt anfänglich durch eine bewaldete Tiefebene um dann allmählich auf 3400 m anzusteigen. Die Landschaft geht dabei von einem dichten Laub- und Nadelwald in eine Strauchlandschaft über.    
 
 

Am Wasserfall angekommen, kann man die Pilger bei ihren religiösen Handlungen beobachten. Hierbei laufen sie mindestens dreimal unter dem Wasserfall hindurch um sich so von ihren Sünden zu reinigen. Überall finden sich Opfergaben unterschiedlichster Form.

Für diejenigen, die mit den religiösen Gepflogenheiten nicht vertraut sind, sei angemerkt, dass man den Bereich um den Wasserfall nicht als Rastplatz nutzen sollte, auf dem man genüsslich seine Marschverpflegung verspeist.

Aus diesem Grund verlegten wir unser Mittagessen einige Meter entfernt vom Wasserfall. Nachdem wir schon fast dreiviertel des Abstiegs hinter uns hatten, begegneten wir gegen 16 Uhr einer Chinesin, die schnellen Schrittes auf uns zukam. Verwundert stellten wir ihr die Frage, ob sie noch vorhatte zu dem Wasserfall zu wandern, da sie mit Sicherheit in die Nacht hinein kommen würde. Zu unserer Verblüffung teilte sie uns mit, dass sie gerade vom Ice-Lake kommt und der Wasserfall nur eine weitere Tagesetappe für sie darstellt. Dunkelheit wäre für sie kein Problem, da sie schließlich eine Taschenlampe dabei hat. Soviel Wandereifer erstaunte uns schon sehr, da wir die Tour zum Ice-Lake, als eine komplette Tageswanderung ansahen. Ob man mit Hilfe einer Taschenlampe wirklich das Panorama einer Berglandschaft genießen kann, darf wohl aus europäischer Sicht etwas angezweifelt werden.

Nach dem Abstieg kamen wir vergleichsweise wieder recht früh in unserer Unterkunft an. Dort berichtete man uns, dass ein wichtiges Treffen von Mitgliedern der lokalen Behörden und Einheimischen statt finden würde und aus diesem Grund eine Bestellung für ein Abendessen nur noch innerhalb der nächsten halben Stunde angenommen werden könne. Während wir auf unser Essen warteten, erklärte man uns, dass das Thema des Treffens die Trassenplanung einer zukünftigen Strasse war. Durch einen Spalt in der Tür konnte man den Männern sehr genau bei ihren äußerst wichtigen Beratungen sprichwörtlich auf die Finger schauen. Es hatte den Anschein, dass die Hauptbeschäftigung der Beratung mit Kartenspielen mehr als erfüllt war. Um nach diesem erschöpfenden Treffen für Ausgleich zu sorgen, hatte man im Anschluss daran ein Fest organisiert. Aus diesem Grund fanden sich immer mehr Frauen in tibetanischer Landestracht gekleidet im Vorraum ein, um sich für die bevorstehenden Tänze vorzubereiten. Wir hatten das große Glück eine Einladung zu haben, obwohl wir weder einen Beitrag zu den Straßenbauplanungen, noch zum Kartenspiel geleistet hatten. Das Fest begann mit etlichen Ansprachen, wobei eine davon den Gästen gewidmet war. Bei dieser Ansprache wurde uns von einem Mann, der der Regionalverwaltung zuzuordnen war und sich offensichtlich auch der Tourismusentwicklung verpflichtet fühlte, die lokale Art der Begrüßung näher gebracht. Nachdem er seine Reden an uns gerichtet hatte, die uns etwas chinesisch vorkamen, wurde jeder von uns einzeln aufgefordert mit ihm in einem Zug ein Glas Xinque-Wein zu leeren. Nach etlichen Reden und vielen weiteren geleerten Gläsern begannen die Frauen mit ihren traditionellen Tänzen. Auch für diese gab es keinerlei Ausnahme sich gegenseitig mit dem alkoholischen Getränk zuzuprosten. Es wechselte sich somit ein illusteres Zuprosten, Tanzen und Rede halten ab. Gesteigert wurde der abendliche Rahmen dadurch, dass einige Personen aufgefordert wurden ein Lied zum Besten zu geben. Durch das Umhängen weißer Tücher aus Seide (Hada) entstand eine Art Singwettbewerb  bei dem derjenige das größte Ansehen genoss, dem die meisten Hadas umgehängt wurden.

In weiser Voraussicht, dass der Xinque-Kelch nicht an uns vorüber gehen würde, überlegten wir uns eine Darbietung. Uns war klar, dass wir mit unseren Sangeskünsten keine Hada gewinnen könnten und so entschlossen wir uns etwas vorzutanzen. Es kam dann auch wie es kommen musste. Wir wurden eindringlich aufgefordert, eine Showeinlage darzubieten. Wir ließen durch unseren chinesischen Freund klar machen, dass die Einheimischen für die musikalische Untermalung verantwortlich waren. Wir gaben kurz den Takt vor und tanzten zu tibetanischen Volksmusikrythmen den altgedienten Disco-Fox. Immerhin schienen wir einige Fans gefunden zu haben, denn wir wurden mit einigen Hadas bedacht.

Schließlich fand sich das musikbegeisterte Völkchen in der Mitte zu einer Polonäse ein, bei der alle herzlich eingeladen waren sich aktiv zu beteiligen. 

   
       
 

28.10.2006

Heute stand uns die längste Tour bevor und zwar von Lower-Yubeng entlang des Yubeng-Rivers, der in den Lang-Cang River mündet. Veranschlagt waren mindestens 8 Stunden Wanderzeit. Die Wanderroute ist prinzipiell ganz einfach zu finden, da sie immer entlang eines Flusses verläuft. Wir starteten von einer Höhe von 3050 m und folgten dem stark abfallenden Flusslauf, der immer tosende Wasserfälle bildete bis auf eine Höhe von GeJiuDa.

   
 
 

An dieser Stelle hatte man vor 60 Jahren eine Abzweigung für ein Bewässerungssystem für das Nachbartal gebaut. Für diese Konstruktion hatte man einen Kanal in den Berg gehauen, auf dessen schmalen Grad letztendlich auch der Wanderweg verlief. Auf der Hangseite verlief der 40 cm breite Kanal, abgesichert durch eine 30 cm breite Wand, die sich dann je nach Standort direkt in eine bis zu 200 m tiefe Schlucht verabschiedete. Für solch einen Spaziergang empfiehlt es sich daher schwindelfrei zu sein.

 
   
 
 

Wir balancierten eine Stunde zu dem Punkt an dem der Yubeng-River in den Lang-Cang River mündet.Auch hier ist der Weg nicht zu verfehlen, da man sich etliche 100 m oberhalb der Flussmündung in der Felswand befindet und man von dort aus nur vor die Frage gestellt wird, dem Lang-Cang River zu folgen oder umzukehren. Entlang des Lang-Cang Rivers verändert sich die Vegetation von vormals herbstlichen Laubwäldern in eine steinig staubige, trockene Landschaft. Es waren dann immer noch 4 Stunden bis wir unseren Zielpunkt Xidang knapp verfehlt hatten.

Beim Einbruch der Dämmerung stellten wir fest, dass wir leicht unterhalb dieser Siedlung angekommen waren. Wir hatten nun die Wahl, entweder 20 Minuten durch die Dunkelheit hinauf nach Xidang zu wandern oder mit dem Taxi in das eine Stunde entfernte Dequin zu fahren. Da aber am Gesichtsausdruck unseres Freundes abzulesen war, dass dieser sich zu Fuß keinen Millimeter mehr bewegen würde, war klar, dass es nur noch die Taxioption gab. Die Einheimischen, die uns halfen das Taxi zu organisieren, waren ebenfalls in der Lage diesen Gesichtsausdruck zu ihren Gunsten zu interpretieren. Folglich wurde dieser schmerzverzerrte Gesichtsausdruck linear in das Verhältnis zu der Taxipreisforderung gesetzt. Kapitulierend vor der überhöhten Forderung traten wir die rasante Taxifahrt nach Deqin an.

   
 
 

29.10.2006

Um 9:30 Uhr traten wir die Busfahrt von Deqin nach Shangri-La an. Die Busfahrer hierzulande reagieren äußerst flexibel auf wartende Passanten entlang der Strasse. Sei es man möchte individuell ein- oder aussteigen oder einen Sack Bauteile verschicken lassen, bis zu einem kleinen Päckchen Medizin, welches zu einem zuvor vereinbarten Treffpunkt vom Busfahrer an ein heran springendes Mädchen ausgehändigt wird. Man ist somit Kurierdienst, Taxiunternehmen und Transportunternehmen in Personalunion. Fahrpläne müssen diesen Bedürfnissen und Zusatzaufgaben dementsprechend untergeordnet werden. In Shangri-La angekommen, haben wir uns gegenüber der Busstation eingemietet, um ohne eine Taxifahrt frühmorgens die Busfahrt am nächsten Tag nach Haba antreten zu können.

30.10.2006

Nachdem wir uns mit einer kräftigen Nudelsuppe gestärkt hatten, deren Bestandteil die regionale Reisnudel ist, starteten wir um 9:10 Uhr mit dem Bus in Richtung Haba. Die Busreise unterbrachen wir an der White-Water Terrace, um uns dieses Kunstwerk der Natur nicht entgehen zu lassen. Durch jahrhundertlange Calcium-Carbonat Abscheidungen sind hier strahlend weiße Wasserterrassen entstanden. Während der ca. dreistündigen Fahrt durften wir allerdings die Mageninhalte anderer Reisegäste intensiv kennen lernen. Obwohl der Busfahrer nicht gerade den Elchtest mit seinem Bus bestehen wollte, ereilte viele Fahrgäste die See-(Bus-)krankheit. Diese Situation verschlimmerte sich sogar noch. Als wir unsere Reise von den White-Water Terraces nach Haba antraten, begrüßten uns schon die ersten Überbleibsel der Mageninhalte beim Öffnen der Bustür. Während der Fahrt hatte ich öfters das Gefühl, dass erfrischend warme Nass von meinem würgenden Hintermann in meinem Nacken zu spüren. Zu meinem großen Glück ließen sich die Fenster des Busses von meinem Hintermann öffnen und so verbrachte dessen Kopf eine etliche Fahrzeit an der frischen Luft um sich noch mal sein Frühstück durch den Kopf gehen zu lassen. Erfreut darüber nicht mit den vorverdauten kulinarischen Spezialitäten des Landes während der Busfahrt verwöhnt worden zu sein, stieg ich in Haba mit trockenem Nacken aus dem Bus aus. Direkt an der Busstation befindet sich ein Guesthouse, von dem aus viele Trecker ihre Touren in die Umgebung unternehmen. Wir quartierten uns ebenfalls hier ein um uns mit der aktuellsten Information für den morgigen Trip zu versorgen.

   
 
 

31.10.2006

Wir hatten uns entschlossen mit dem Bus von Haba zur Tiger-Leaping Gorge zu fahren, anstelle dieses Teilstück als 10-stündige Trekkingtour per pedes zu absolvieren.

Der Bus fuhr vom Haba Snow Mountain Inn in Richtung Tiger-Leaping Gorge ab. Wir informierten unseren Busfahrer uns am Chateau de Woody aussteigen zu lassen, welches direkt hinter dem Checkpoint der Gorge liegt. Am Checkpoint wird von allen Wanderwilligen 30 Yuan einkassiert. Am Chateau de Woody liegt auch der Einstiegspunkt des Weges, der hinunter zu der Gorge führt und durch einen Rundweg bei einem 3 km entfernten Guesthouse endet. Um die Tour besonders entspannt zu gestalten, haben wir unser Gepäck beim Chateau de Woody aufgegeben um es für 20 Yuan mittels eines Taxis zu Tinas Guesthouse bringen zu lassen. Dieser Rucksackversendedienst ist entlang der Gorge eine weit verbreitete Dienstleistung.

So konnte es also ohne jegliche Last auf dem Rücken losgehen. Nach einem Abstieg von 2 Stunden und vielen Pausen erreichten wir den der Sage nach beschriebenen Tiger-Sprung Felsen.

 
   
 
 

Um auf den Tiger-Sprung Felsen selbst zu gelangen, sollte man aber noch einmal Eintritt bezahlen. Diese extreme Geschäftstüchtigkeit, nur um auf einen Felsvorsprung zu den Stromschnelle zu gelangen, erschien mir für ein kommunistisches System doch etwas befremdlich. Auch beim Aufstieg wurden wir mit dem real existierenden Kommunismus konfrontiert, da die zweite Hälfte des Rundweges von einer Familie erbaut worden war und somit für die Benutzung eine Art Maut erhoben wurde. Am Beginn des Aufstiegs unterhält die Familie ein kleines Häuschen, von dem aus die geschäftstüchtigen Familienmitglieder die 20 Yuan pro Person einfordern.

Als Gegenleistung gelangt man zu einem durch senkrecht in den Himmel verlaufende Leitern interessant gestalteten Aufstieg, der teilweise nur durch Drahtseile gesichert ist. Nach ca. einer Stunde Aufstieg erreichten wir Tinas Guesthouse um bei einem Bier den noch frühen Abend gemütlich ausklingen zu lassen.

   
 
 

1.11.2006

 Das heutige Ziel war entlang des oberen Pfades vorbei am Half-Way Guesthouse, das Tea Horse (Trade) Guesthouse. Von Tinas Guesthouse ist der Einstiegspunkt zum oberen Pfad sehr leicht zu finden, da er nur wenige Meter vom Guesthouse entfernt ist. Es folgt ein ca. einstündiger Anstieg um die Höhe des oberen Pfades zu erreichen. Der untere Pfad ist generell nicht mehr zu empfehlen, da dieser entlang der bereits ausgebauten Strasse führt. Die ganze Gegend hat bereits massiven Tribut an den Tourismus bezahlen müssen. Überall werden neue Häuser gebaut und Hänge für den Straßenbau abgesprengt. Auch entlang des oberen Pfades befinden sich bereits Kommunikationsleitungen, Stromleitungen und Funktürme für Mobiltelefon. Es scheint deshalb nur noch eine Frage der Zeit zu sein, bis die Region einen Großteil ihres Reizes eingebüsst hat.

Das Tea Horse Guesthouse ist die letzte Unterkunftsmöglichkeit vor dem Abstieg vom oberen Pfad. Auch dieses Guesthouse wurde gerade bei unserem Besuch massiv ausgebaut. Spätestens in einem Jahr sind auch hier Zimmer im Angebot mit Dusche, Toilette und Fernseher.

   

 

 

2.11.2006

Der letzte Teilabschnitt der Wanderung führt uns vom Tea Horse Guesthouse zum Ort Qiao Tou. Der Weg steigt für ca. eine Stunde stetig an, bis man zu einem Aussichtspunkt gelangt für den erneut 6 Yuan zu bezahlen sind. Neue Eindrücke von diesem Aussichtspunkt sind allerdings nicht zu erwarten, da man das Panorama auch während der Wanderung vollständig genießen kann. Diesen Vergleich konnte ich kostenlos durchführen, da gegen 10 Uhr noch niemand bereit stand um für den Zugang zum Felsvorsprung eine Gebühr zu verlangen.

Ab diesem Punkt geht es die so genannten „28 Bends“  steil hinab ohne jedoch das Tal zu erreichen. Man wandert noch ca. 100 m oberhalb des Flusslaufes bis man über einen immer breiter werdenden Pfad, der in einen Schotterweg mündet, die Ausläufer des Dorfes Qiao Tou erreicht. Qiao Tou ist alles andere als sehenswert und so fuhren wir mit dem Minibus in Richtung Lijang (100 Yuan pro Minibus). Die Fahrt verlief durch eine abwechslungsreiche Landschaft bis wir nach ca. 2 Stunden die ersten Ausläufer der Stadt Lijang vom Berg aus erblickten. Was wir zu sehen bekamen, übertraf im negativen Sinne unsere Erwartungen. Eigentlich hatten wir in unseren Köpfen ein Bild von einer Altstadt, die von einem gewachsenen Neustadtring umbaut war. Was man aber zu sehen bekommt, ist eine ausufernde Stadt, die bereits einen Großteil des Tals eingenommen hat und deren Altstadtkern von der Größe fast nicht mehr ins Gewicht fällt.

In der Altstadt angekommen, wurden unsere aufkommenden Befürchtungen leider bestätigt. Die Altstadt selbst hat sich zu einer Touristenmetropole verändert, an der sich ein Souvenirladen an den anderen reiht. Nach Aussagen der Einheimischen setzte dieser Ausverkauf der Altstadt 1995 ein und ist offensichtlich mittlerweile fast abgeschlossen. D.h. der Altstadtkern wurde von Händlern übernommen und die einheimischen Naxifamilien in die äußeren Bezirke verdrängt. Einige Strassen könnte man mit Mallorca´s Ballermann für Chinesen vergleichen.

   
 
 

Trotz dieses Massentourismus kann man sich aber nicht ganz dem Charme der malerisch beleuchteten Häuserkulisse in der Nacht entziehen.

 

   
 
 

Durch unseren chinesischen Freund sind wir über dessen Familienbande an eine Unterkunft gelangt, die von einer Gruppe Künstlern umgebaut und geleitet wird. Man war bemüht das Naxi Haus in seiner Fassade unangetastet zu lassen, aber die Einrichtung hingegen mit viel Liebe zum Detail, geschmückt mit allerlei Kunstgegenständen, in eine Herberge für das etwas entspanntere Künstlerleben umzugestalten (The Verge 2416 Studio, e-mail: weng80220@162.com).

   
 
 

3.11.2006

Die Morgenstunden haben wir damit zugebracht unsere Inlandsflüge von Lijang über Kunming nach Guilin und von Guilin nach Shanghai zu buchen. Hierzu haben wir die Dienste eines Reisebüros, welches sich auf dem Marktplatz befindet in Anspruch genommen. Etwas befremdlich dabei war die Art und Geschwindigkeit, wie die Tickets ausgestellt wurden. Nach langen Preisdiskussionen wollten wir endlich unsere Tickets bezahlen und gleich in Empfang nehmen. Diese deutsche Voreiligkeit, erwies sich natürlich als unvereinbar mit den landestypischen Gegebenheiten. Für jedes Ticket schien irgendwoher aus der Stadt ein Kurier beauftragt worden zu sein, um die ausgestellten Tickets an das Reisebüro zu liefern. Welche verschlungenen Pfade diese Tickets aber eigentlich nehmen, blieb im Dunkeln. Letztendlich muss aber eine „Ticketreisezeit“ von 1 Stunde eingeplant werden. Da die Flugscheine auch noch falsch ausgestellt worden waren, summierte sich die Gesamtreisezeit auf annähernd den gesamten Morgen.

Nach getaner Arbeit konnten wir uns endlich den lokalen Spezialitäten widmen, eine Art Tofu, der aus Chicken-Beans hergestellt und gebraten mit Soja-Sauce und Gewürzen serviert wird oder eine vegetarische Riesenmaultasche.

Der Abend sollte der Kultur gehören. Wir besuchten das Naxi-Orchester der Naxi Music Akademie. Geleitet wird es von dem 77-jährigen Xuan Ke, der nach eigenen Aussagen die Höhen und Tiefen der chinesischen Geschichte miterleben durfte bzw. musste. Er lässt sich selber gern als Mandela der Naxi-Minderheit bezeichnen, da sein Einsatz für die Minderheiten und Bewahrung des Kulturgutes ihm 21 Jahre Gefängnisaufenthalt kostete. Obwohl er damit seiner besten Jahre beraubt wurde, hat er wieder ein Orchester zusammengestellt, welches Instrumente, Melodien und Gesänge der vergangenen Jahrhunderte pflegt, bewahrt und an die interessierten Zuschauer weiter gibt. Sein Stil folgt sicher nicht den Gepflogenheiten einer europäischen Theatervorstellung. Xuan Ke erzählt sehr ausführlich die Hintergründe jedes Stückes, das zur Ausführung kommt. Manch einem mag dies übertrieben erscheinen, aber vor dem Hintergrund, dass hier auch ein Teil der Geschichte vermittelt werden soll, nimmt man diese Hintergrundinformation gerne auf.

   
 
 

4.11.2006

 

Unseren letzten Tag in Lijang haben wir dem entspannten Schlendern durch die Stadt gewidmet.

Entlang des Flusses gelangt man zu dem berühmten Black-Dragon Pool Park. Für alle Foto-Freunde bietet dieser ein Eldorado für wunderschöne Postkartenmotive. Ich jedenfalls habe mir fast vier Stunden Zeit genommen, um in aller Ruhe meine Motiv-Auswahl treffen zu können und zwischen sprudelnden Quellen, Treppen und Brückkomplexen zu schlendern.

 

   
 
 

   
       
 

5.11.2006

Unser nächstes Ziel ist Yangshuo. Besonders interessant für diese Region ist die Karstlandschaft mit seinen Steinwäldern, durchzogen von Flüssen und Grotten.

Aus Zeitgründen haben wir uns für das Flugzeug entschieden um nach Guilin zu reisen. Da es keine direkte Flugverbindung von Lijang nach Guilin gibt, mussten wir einen Zwischenstopp in Kunming einlegen. Es ging also von der Old Town in Lijang zum Blue Sky Hotel mit dem Taxi (8 Yuan) von dem aus die Shuttle-Busse zum Flughafen abfahren (erster Bus ab 8 Uhr, Reisezeit 40 Minuten).

In Guilin angekommen, haben wir den Shuttle-Bus in die Innenstadt zum Busbahnhof genommen um in den Bus nach Yangshuo umzusteigen. An dieser Busstation ist es üblich den Touristen einen überhöhten Fahrpreis zu berechnen. Um nicht in den Genuss dieser Touristenbehandlung zu kommen, sollte man keinesfalls außerhalb des Busses den vermeintlichen Fahrpreis bezahlen. Auch dann nicht, wenn der Fahrpreis von den für den Bus zuständigen Fahrbegleiter eingefordert wird. Die Fahrpreisentwicklung sieht in etwa folgendermaßen aus: Sobald man sich in Richtung Busstation bewegt, stürzt ein Busbegleiter laut das Fahrziel ausrufend auf einen zu und versucht mit allen Tricks den überhöhten Fahrpreis abzukassieren. Er legt einem auch dazu ganz ungerührt selbst erstellte Preistafeln vor, die beweisen sollen, dass der überhöhte Fahrpreis der korrekte ist. Wie immer hilft nur eines. Ruhig bleiben, nicht bezahlen, einen kleinen Hinweis geben, dass man den Fahrpreis genau kenne und ruhig abwarten, bis die Front des Fahrpreises bröckelt. Nach 10 Minuten hitzigen Diskutierens und Gestikulierens des Fahrtbegleiters lenkt dieser schließlich ein, lässt uns den Bus besteigen und rechnet wie mit jedem Fahrgast die 10 Yuan ab.

Bedingt dadurch, dass der Bus individuell nach den Wünschen der Fahrgäste anhält, zieht sich die Fahrzeit von Guilin nach Yangshuo auf fast zwei Stunden hin. Auf der Busfahrt haben wir einen Lehrer kennen gelernt, der in Yangshuo in Englisch unterrichtet und sich als sehr hilfsbereit erwies. Er führte uns durch seine Kleinstadt und empfahl einige Hotels, die natürlich in irgendeinem Zusammenhang mit seiner Familienbande standen. Da hier aber jeder mit jedem verwandt zu sein scheint, war die Auswahl an Unterkünften ausreichend groß. Und so entschieden wir uns in der Fußgängerzone abzusteigen. Er bot uns auch an das Abendessen mit ihm auf dem großen Platz einzunehmen, auf dem hauptsächlich die Einheimischen essen. Dieser Platz ist tagsüber für den Verkehr frei gegeben und abends verwandelt er sich in ein überdimensionales Freiluft-Restaurant mit einer großen Anzahl fliegender Küchen und einer sehr breiten Auswahl an Delikatessen. Unser Begleiter erklärte uns dabei die Zutaten der lokalen Gerichte, da einige Punkte auf der Speisekarte, wie getrocknete Ratte oder Schweinepenis am Spieß dem europäischen Gaumen meist unbekannt sind. Um gleich evtl. hochkommende Fragen zu beantworten. Ja, Hund steht hier auch auf dem Speisezettel. Nein, ich habe keinen bestellt.

Aber ich nehme dieses Mal gleich eine Vorwarnung vorweg. Das Abendessen auf dem Nachtmarkt beschäftigte im negativen Sinne meinen Magen noch weitere 3 Tage. Als medizinische Heilmittel vertraute ich auf 45%-igen Reisschnaps, um gegen die Bakterien in Stellung zu gehen und ihnen ein trinkfreudiges Ende zu bereiten.

   
 
 

6.11.2006

Um 8 Uhr nahmen wir den lokalen Bus (ca. 1 Stunde Fahrt) nach Yangdi, um dort unsere Wandertour entlang des Li-Rivers durch die Karstlandschaft zu gestalten.

In Yangdi setzt man erst einmal auf die gegenüberliegende Seite über um dort in Richtung Langshi Village (ca. 45 Minuten) zu wandern und dort angekommen, die zweite Fähre zur erneuten Flussüberquerung zu nehmen. Beide Fähren sind im Eintrittspreis von 16 Yuan enthalten. Hat man sich dann entlang des Flusses (ca. 2 Stunden) nach Lengshuidu durchgearbeitet, kann man entweder mit einem Bambusboot fahren oder eine weitere Fähre nehmen um auf der gegenüberliegende Seite nach Xingpin zu wandern. Der Fahrpreis schwankt hier – je nach Laune des Fährmannes – zwischen 2 und 4 Yuan. Lokale Absprachen führen interessanterweise dazu, dass man den Fährpreis in jedem Fall bezahlten muss, unabhängig davon, ob man das Bambusboot nimmt, über das Wasser wandelt oder sonst irgendwie auf die andere Seite gelangt. Wir haben uns für die Fähre und die Landroute entschieden und sind nach Xingpin gewandert. Das letzte Teilstück folgt im Gegensatz zu der vorhergehenden Strecke nicht mehr dem Flusslauf, sondern führt durch das Landesinnere.

Überall sind schon die Vorboten des nahenden Straßenbaus zu erkennen. Es mag nur noch wenige Jahre dauern, dann wird diese Wanderroute viel von ihrem Reiz eingebüsst haben.

Nachdem wir mit dem Bus von Xingpin (ca. 1 Stunde) zurückgekehrt waren, hatten wir uns für einen chinesischen Kochkurs eingeschrieben. Innerhalb von 4 Stunden, die sehr professionell geleitet wurden,  konnte man  erste praktische Erfahrung sammeln, wie auf lokalen Märkten eingekauft wird, wie Zutaten richtig vorbereitet und diese letztendlich zu einem leckeren Menü gekocht werden (Cloud 9 Restaurant, E-Mail: cloud9restaurant03@yahoo.com).  

   
       
 

7.11.2006

Zum Standard-Programm in Yangshuo gehört eine Radtour in die Umgebung. Um uns ganz auf die Natur konzentrieren zu können, haben wir uns einen Guide genommen (45 Yuan pro Tag).

Zuerst ging es für ca. eine halbe Stunde in Richtung Yulong-River, um auf der Höhe Baisha-Town eine Bambusfloßfahrt (140 Yuan) pro Floss für max. zwei Personen. Die Floßfahrt dauert ca. zwei Stunden und wird immer wieder an den Stellen unterbrochen, an denen der Fluss durch kleine Mauern aufgestaut wird. Um die Barrieren zu überwinden, müssen die Boote über die Mauern gezogen werden um dann auf der anderen Seite mit Schwung in das Wasser zu klatschen. Die Natur bietet ein wunderbares Panorama von Karstgesteinformationen.

Obwohl wir uns in der absoluten Nebensaison befanden, waren schon mehr als reichlich weitere Bambusfloß-Ausflügler unterwegs. Entlang des Ufers standen aber noch über 100 weitere Boote in Parkposition. Dies lässt erahnen welchen Massenauflauf der Fluss zur Hauptsaison bewältigen muss.

Zu weiteren Standardtouristenattraktionen wie der Besuch der Water-Cave, eines Schmetterlingparks oder des alten Big Banyan Tree konnten wir uns dann nicht mehr durchringen. Wir nutzten vielmehr die Zeit um unserem Guide die Möglichkeit zu geben für ihn unbekannte Gegenden zu erkunden. Wie weit wir bereits aus seinem Erfahrungsradius herausgeradelt waren, konnten wir an dessen Nervosität ablesen. Als wir zuguterletzt auch noch auf einer Großbaustelle zur Erstellung einer Schnellstrassenverbindung landeten, waren die Ortskenntnisse auf den absoluten Nullpunkt gesunken. Verständnislosigkeit schwappte uns ab dem Zeitpunkt entgegen, als wir auch noch entlang dieser Trasse radeln wollten. Etwas Aufmunterung bekam unser Guide von dem Heer von Bauarbeitern, die um uns herum kurvten und ihr bereitwillig die grobe Himmelsrichtung nach Yangshuo aufzeigten. Letztendlich stellte sich heraus, dass wir auf einer Neubautrasse von Guilin nach Yangshuo  gefahren waren, an dessen Seiten schon teilweise Vorbereitungen für große Neubausiedlungen getroffen wurden. Auch hier kann man erwarten, dass nach Fertigstellung dieser Strasse sich das Bild von Yangshuo erheblich verändern wird.

Als empfehlenswert zu erwähnen ist auch die Lichtshow mit Hunderten von Statisten, die den Fluss aus seiner Dunkelheit heraus reißen und in ein farbenfrohes Lichtermeer tauchen. Die Preise hierfür weisen erhebliche Spielräume auf. Angefangen von den einheimischen Tarifen, die sich um 40 Yuan bewegen, bis zu einigen 100 Yuan für die teuerste Kategorie. Empfehlenswert in jedem Fall ist das Restaurant Cloud 9 aufgrund seiner hervorragenden Küche, welches in einem Seitenarm der West-Street liegt. Alle lokalen Spezialitäten, einschließlich Hund, welcher das Lieblingsgericht der Dame des Hauses ist, stehen hier auf der lokalen Speisekarte. 

   
       
 

8.11.2006

Auf der Rückfahrt mit dem Bus zum Flughafen von Guilin durften wir die gleiche Entwicklung des Fahrpreises erleben, wie bei der Hinfahrt. Dieses Mal versuchte man uns im Bus während der Fahrt zu überzeugen, dass der Fahrpreis von 15 Yuan allgemein gültig ist. Wieder verwies man auf die gleiche Preistabelle mit den selbst gestrickten Tarifen. Dieses Mal schien unsere energische Ablehnung so beeindruckend zu sein, dass es nicht einmal eine Minute dauerte, bis wir korrekt behandelt wurden. Rekordzeit!

 In Shanghai  hungrig angekommen, führte uns Robert in ein hervorragendes Restaurant (Peony Golden Restaurant). Besonders die Art, wie man hier Peking-Ente isst, hat meine Vorstellung davon komplett über den Haufen geworfen sowie der Geschmack der Süßwassershrimps denen keinerlei Anzeichen von fischigen Gerüchen anhaften.

Zuguterletzt sind wir noch ein bisschen um das Hotel herum geschlendert und Richtung Key-Mauern gelaufen, die an einigen Stellen größere Plattformen ausbilden. Dieser Raum wurde an diesem Abend begeistert von älteren Chinesen in Anspruch genommen, die hier ihre sehr bemerkenswerten Standardtanzvariationen verfeinerten und erweiterten. Es dauerte nicht lange und schon wurde Tania von den tanzbegeisterten chinesischen Männern ohne Scheu zum Tanz aufgefordert. Ruck Zuck war die Attraktion des Abends gefunden und das Tanzduo Europa-Asien war der Hingucker des Abends.

   
       
 

9.11.2006

 

Für den letzten Tag hatten wir uns vorgenommen unser verbleibendes Geld in die chinesische Wirtschaft zu pumpen. Zur großen Freude von Tania bedeutete dies einen kompletten Tag Shopping. Natürlich waren in diesem Zusammenhang die etwas flehenden Nachfragen der Männerwelt, ob es denn schon genug wäre mit dem Einkaufen ein reichlich frauenweltfremdes Unterfangen. Da die Katze auch schließlich nie das Mausen lässt, hatten wir die Möglichkeit uns durch das überquellende Warenangebot Shanghais durchzuarbeiten. Nach Einbrechen der Dunkelheit stellte sich dann doch ein ganz leichtes Sättigungsgefühl der Einkaufslust ein.

 
   
       
 

10.11.2006

Für den Abreisetag hatte ich mir noch die Attraktion der Fahrt mit der Magnetschwebebahn aufgespart, welche zwischen der Innenstadt und dem Flughafen verkehrt. Mit einer Spitzengeschwindigkeit von ca. 430 km erreicht man dabei sein Ziel schon innerhalb von 8 Minuten. Dieses Erlebnis zeigt besonders eindrucksvoll die enormen Gegensätze, die in diesem Land alltäglich sind.

 
   
       
 

Auf der einen Seite Lastenkaravanen, die sich mit Muligeschwindigkeit über Bergpässe bewegen und auf der andern Seite die Magnetschwebebahn, die mit Spitzengeschwindigkeit durch eine hochmoderne Großstadt donnert. Der chinesische Kommunismus hat hier seine ganz eigene kapitalistische Ausprägung entwickelt. Alles scheint möglich in diesem Land und bei einem Wachstum von 10% pro Jahr auch vieles erreichbar. Mit seiner unheimlichen Vielfalt ist China auf jeden Fall eine Reise wert. Sei es um sich nur auf die Metropolen zu beschränken oder auch wenn man keine intensiven Treckingtouren scheut, das noch teilweise von Touristenströmen verschonte Hinterland zu erkunden.