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Reisetagebuch
aus China |
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21.10 - 22.10.2006
China, das Land mit
einer 3000-Jahre alten Kulturgeschichte,
sollte dieses Mal unser Ziel sein. Für die
ersten zwei Tage waren wir erst einmal mit
Fliegen beschäftigt. Die ersten zwei
Stationen waren Stuttgart-Frankfurt,
Frankfurt-Shanghai. In Shanghai pünktlich
angekommen, mussten wir uns erst einmal zwei
Stunden vor endlos scheinenden
Warteschlangen an den Einreiseschaltern
gedulden. Aber nach einigen bunten Stempeln
hatten wir es endlich geschafft und wurden
freundlich am Ausgang von unserem
chinesischen Freund in Empfang genommen. Das
sollte aber für heute nicht das Ende der
Fliegerei sein. Um zu Beginn der Reise einen
Tag Aufenthalt in Shanghai zu vermeiden,
hatten wir uns entschlossen noch in der
Nacht den Anschlussflug nach Kunming zu
nehmen. Mit dieser Reiseplanung war es
möglich den ersten Morgenflug zu unserem
ersten Etappenziel Shangri-La zu bekommen.
Da
wir noch einige Stunden für den
Anschlussflug nach Kunming Zeit hatten, lag
es nah, erst einmal in die kulinarischen
Genüsse Chinas einzutauchen. Direkt am
Flughafen in Shanghai gibt es das
Honggang-Hotel, in dem man die überaus
leckeren Spezialitäten aus der
Shanghai-Region probieren kann. Ein
wirklicher Glücksgriff in Geschmacksvielfalt
und Frische der Speisen. Mit einem Menü von
einem so genannten chinesischen Restaurant
in Deutschland hat dies nicht mehr allzu
viel Ähnlichkeit. Frisch gestärkt ging es
dann gegen 22 Uhr auf den über 2 Stunden
dauernden Flug nach Kunming. Endlich
angekommen hatten wir um 1 Uhr nachts nur
noch einen Gedanken möglichst schnell eine
Unterkunft in der Nähe vom Flughafen zu
finden. Nach dem dritten Anlauf und etlichen
Preisverhandlungen, lagen wir übermüdet ca.
gegen 2 Uhr in unserem Betten.
Um 5:30 Uhr und damit
einer sehr kurzen Nacht haben wir uns in der
Lobby des Hotels wieder getroffen. Dort war
bereits unser chinesischer Freund in heftige
Diskussionen mit dem Hotelpersonal
verwickelt, da es offensichtlich
unterschiedliche Ansichten über den
ausgehandelten Zimmerpreis gab. Obwohl es
eigenartig klingt, hatte uns dies doch etwas
beruhigt, da es selbst zwischen Chinesen
Verständnisprobleme gab. Wir waren somit gut
aufgehoben in einer Gemeinschaft von 1,6
Mill. Menschen, die wir mehr oder weniger
nicht verstehen konnten. |
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23.10.2006
Mit der 7 Uhr Maschine
nach Shangri-La ließen wir das
feucht-schwüle Kunming hinter uns und
landeten in über 3000 m Höhe und der
morgendlichen Frische von 2 Grad C. Nach
kurzer Fahrt zu unserer Unterkunft, einer
neu renovierten Jugendherberge (Youth Hostel),
bestellten wir ein Frühstück, welches hier
dem tibetanischen Stil entspricht. Dazu
gehört, der doch immer wieder
gewöhnungsbedürftige Buttertee, Reissuppe,
Steamed Bread und ein Spiegelei, bei dem die
Herausforderung darin liegt, es mit Stäbchen
zu essen ohne das Eigelb über Hände und
Kleidung zu verteilen. |
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Nach
einem kurzen Nickerchen haben wir das bunte
Treiben der Stadt auf uns wirken lassen und
dem in der Nähe liegenden 300 Jahre alten
tibetanischen Songzanlin Lamasery- Kloster
einen Besuch abgestattet. Man hat hier nicht
mehr den Eindruck, dass die
Religionsfreiheit massiv eingeschränkt ist.


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Überall wird renoviert und erweitert. Bauern
aus der Umgebung unterstützen mit
handwerklichem Geschick den Klosterbau in
ihrer Freizeit ohne dafür eine Entschädigung
zu erwarten.
Zur allgemeinen
Abendessenszeit, die zwischen 18 und 20 Uhr
liegt, haben wir uns aufgemacht ein
Restaurant zu suchen. Bedingt durch den
deutlich geringeren Lebensstandard, im
Vergleich zu Shanghai, ist die Auswahl an
Restaurants hier deutlich eingeschränkt.
Letztendlich haben wir es wieder einmal
geschafft, den Herausforderungen der lokalen
Spezialitäten unerschrocken gegenüber zu
treten. Zugegebenermaßen waren die
Schweinsohren nicht so süß wie in
Deutschland und bedurften einer
Neuinterpretation: Knorpelige Variante
gegenüber Blätterteig. Keine Kampferfahrung
brauchte man dagegen bei Yak in
Minzblättersosse, frittierte Aubergine mit
einem Schuss karamellisiertem Zucker und
kleine Fleischstückchen am Spieß (Ziege –
pikant gewürzt). |
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24.10.2006
Um uns für die heute
anstehende 8-stündige Fahrt nach Felai
Lamasery zu stärken, gab es eine große
Schale Nudelsuppe. Die ließ einen ganz
schnell die frostigen Morgentemperaturen
vergessen.

Für die Hinfahrt der
160 km langen Strecke von Shangri-La nach
Felai Lamasery hatten wir uns für das Taxi
entschieden. Dies gab uns die Möglichkeit
jederzeit anzuhalten und die wunderschöne
Landschaft zu genießen.

Entlang von Meadows,
einer sumpfartigen Landschaft hinauf in die
Berge zum Yangze-Fluss bis auf 4210 m zur
Passüberquerung und einem herrlichen
Panaroma auf die umgebende Bergwelt wieder
hinab nach Deqin und schließlich Felai
Lamasery.
Zu dieser Jahreszeit
zeigt sich die Landschaft in ihren bunten
Herbstfarben.

Etwas nervös wurde
unser Fahrer als plötzlich eine
Polizeikontrolle vor ihm auftauchte. Wild
hantierend versuchte er schnellstmöglich der
Anschnallpflicht in China nachzukommen. Vor
lauter Verzweiflung auf der Suche nach dem
lange nicht benutzten Gurtschluss würgte er
kurz vor der Polizeikontrolle auch noch
seinen Wagen ab. Erst nach mehreren
Anlassversuchen hatte er es schließlich
geschafft, die letzten wenigen Meter auf die
Grenzkontrolle zuzurollen und dabei im
letzten Moment seinen Gurtschluss einrasten
zu lassen. Nun stellte sich die Frage:
würden sie seine etwas tollpatschigen
Anschnallversuche kulant übersehen oder war
eine Strafe fällig. Nachdem aber die
Polizisten festgestellten hatten, dass der
Fahrer aus derselben Provinz kam, wie sie
selber, ließ man den schon in Gedanken eine
Strafe zahlenden Taxifahrer aus Solidarität
ohne jegliche Verwarnung davon fahren.
Überglücklich und keine 20 m vom
Kontrollposten entfernt, schnallte sich der
Fahrer wieder ab und genoss freudestrahlend
seine wieder gewonnene gurtlose Freiheit.
Auf der Passhöhe mussten wir uns ein sehr
merkwürdiges Schild erklären lassen. Darauf
zu sehen waren Soldaten der roten Armee und
eine Kabeltrommel. Entsprechend der
Übersetzung des Schildes verläuft entlang
dessen Position ein Kommunikationserdkabel
der Armee. Da zur Freude der Einheimischen
sich diese Kabel auch hervorragend zum
Verkauf auf den lokalen Märkten feilbieten
lassen, gruben die geschäftstüchtigen
Anwohner kurzerhand das Kabel wieder aus um
es nutzbringenderen Zwecken wieder
zuzuführen. Die Armee stand natürlich diesem
Geschäftsinn nicht sehr positiv gegenüber
und so stellte man diese Schilder auf um
klar zustellen, dass der Zweck dieser Kabel
in weiser Voraussicht schon von der Armee
festgelegt worden waren. Eine spontane
Umnutzung wurde somit unter Strafe gestellt.
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25.10.2006
Heute stand uns die
erste Treckingtour bevor, die sportlichen
Ehrgeiz erforderte.
Um
8 Uhr fuhren wir mit dem Taxi von Felai
Temple 1 ½ Stunden zu unserem Ausgangspunkt
Xidang-Hotspring. Eine Möglichkeit um in das
Wandergebiet von Yubeng zu gelangen, ist per
Taxi durch das Maingate zu fahren, an dem
Eintrittspreis von 16 Yuan pro Person zu
zahlen ist. Alternativ gibt es einen
Seiteneingang, der durch eine eintägige Tour
von Felai-Temple zu erreichen ist. Dieser
Zugang wäre nach Aussage der Einheimischen
kostenlos gewesen, hätte aber den Nachteil
gehabt, dass man in Xidang-Hotsprings
übernachten müsste. Die Qualität der
Übernachtungsmöglichkeiten in
Xidang-Hotsprings hatten viele Einheimische
aber als nicht empfehlenswert abgelehnt. Aus
diesem Grund hatten wir uns entschieden
direkt nach der Taxifahrt von
Xidang-Hotsprings unsere Wandertour zu
starten. Ziel des ersten Tages war von
unserem Ausgangspunkt (2650 m) hinauf auf
den Pass (2800 m) zu steigen und wieder
hinab nach Shang-Yubeng (2300 m) zu wandern.
Nach
einem 4 ½-stündigen Anstieg durch herrlich
bunte Laubwälder hatten wir den Pass
erreicht. Hier gibt es ein kleines Teehaus
um sich von den Anstrengungen der ersten
Etappe zu erholen. Dieses Teehaus ist mit
einer kleinen Terrasse ausgestattet, die
einen ungestörten Ausblick auf die Umgebung
ermöglicht ohne dabei von naschsüchtigen
Mulis gestört zu werden.
Hier
trafen wir auf Einheimische, die besondere
Freude daran hatten, ihr Portrait auf dem
Monitor der Digitalkamera zu betrachten.
Fast jeder aus der tibetanischen Gruppe
wollte fotografiert werden um sein Ebenbild
zu betrachten. Nachdem man uns dann auch
noch tibetanische Folkloremusik näher
gebracht hatte, war eine Filmaufnahme der
einheimischen Volksmusiksängerinnen die
Attraktion des Tages. Somit waren wir den
ganzen Abstieg nach Shang-Yubeng umringt von
Einheimischen die lautstark ihre Volkslieder
zum Besten gaben.
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Direkt am Ortseingang
haben wir uns in ein Guesthouse
einquartiert. Nach dem Abendessen wurden wir
zum chinesischen Kampftrinken mit Xinque
(chinesischer Reiswein) eingeladen. Zum
Glück hatte sich das Vorurteil bewahrheitet,
dass die asiatische Trinkkonstitution der
europäischen ein wenig unterlegen ist. So
wurde letztendlich spätabends der Xinque
-Trinkanführer von seiner Freundin laut
grölend vorzeitig ins Bett abgeführt.
Jedenfalls hatten wir an diesem Abend
unheimlichen Spaß mit der illustren
chinesischen Trinkrunde, auch wenn die
Kommunikation auf sprachlicher Ebene leicht
eingeschränkt war.
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26.10.2006
Nach einer stärkenden
Frühstücksnudelsuppe begannen wir unsere
Tagestour in Richtung des auf fast 4000 m
gelegenen Gletschersees. Es standen uns
somit fast 700 m Höhenunterschied bevor.
Durch den teilweise morastigen, steil
ansteigenden Pfad und der dünnen Luft waren
wir gezwungen den Aufstieg nur sehr langsam
durchzuführen. Der Weg schlängelte sich
durch eine herbstlich gefärbte
Urwaldlandschaft,
bunte Wiesen und Flussüberquerungen zum
ersten Rastplatz (Basecamp). Das Basecamp
wurde als Ausgangspunkt für die umliegenden
Berge genutzt. Nach 4 Stunden Aufstieg
hatten wir dort unser spartanisches
Mittagessen, welches aus Müsliriegeln
bestand, mehr als verdient. Vom Basecamp aus
kann man in aller Ruhe das Ziel des Tages,
den Gletscher, betrachten.
Nach
einer Stunde hatten wir es schließlich
geschafft, den Rand des Gletschersees zu
erreichen, in den hin und wieder mit lautem
Getöse Teile des Gletscher-Eises abbrachen.
Ein plötzlicher Wettersturz von anfänglichem
Sonnenschein zwang uns vorzeitig wieder den
Rückzug anzutreten. In der Unterkunft
angekommen, waren doch Einigen die
Anstrengungen des Tages anzumerken. Der Eine
oder Andere verzichtete auf seine warme
Dusche um sich bloß nicht von seinem Stuhl
erheben zu müssen. Aber ein kühles Bier bei
einem deftigen Abendessen ließen die
Anstrengungen schnell wieder vergessen. Für
diejenigen, die sich einen entspannten
Aufstieg wünschen, gibt es die Möglichkeit
auf einem Pferderücken den Berg zu
erklimmen. Manch ein Reiter hatte es dann
aber doch vorgezogen, vorzeitig den
Pferderücken wieder zu verlassen, da durch
den steilen Anstieg offensichtlich das
reiterische Können nicht ganz ausreichte. |
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27.10.2006
Heute
sollte uns eine deutlich entspanntere Tour
bevorstehen. Ziel war ein Wasserfall, der
für die Buddhisten ein Pilgerort darstellt.
Wir starteten von Upper-Yubeng ohne
Frühstück nach Lower-Yubeng mit einem
halbstündigen Abstieg. Dort quartierten wir
uns im Mystic-Waterfall-Hotel ein, welches
einen herrlichen Blick auf die umliegende
Berglandschaft bietet. Nach einem nicht ganz
empfehlenswerten Frühstück aus lauwarmer
Reissuppe und kaltem Steamed-Bread machten
wir uns auf zu der dreistündigen Tour.
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Aufgrund
der Bedeutung des Wasserfalls als Pilgerziel
für die Buddhisten ist der Wanderweg sehr
gut ausgebaut. Der Weg führt anfänglich
durch eine bewaldete Tiefebene um dann
allmählich auf 3400 m anzusteigen. Die
Landschaft geht dabei von einem dichten
Laub- und Nadelwald in eine
Strauchlandschaft über. |
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Am
Wasserfall angekommen, kann man die Pilger
bei ihren religiösen Handlungen beobachten.
Hierbei laufen sie mindestens dreimal unter
dem Wasserfall hindurch um sich so von ihren
Sünden zu reinigen. Überall finden sich
Opfergaben unterschiedlichster Form.
Für diejenigen, die mit
den religiösen Gepflogenheiten nicht
vertraut sind, sei angemerkt, dass man den
Bereich um den Wasserfall nicht als
Rastplatz nutzen sollte, auf dem man
genüsslich seine Marschverpflegung
verspeist.
Aus diesem Grund
verlegten wir unser Mittagessen einige Meter
entfernt vom Wasserfall. Nachdem wir schon
fast dreiviertel des Abstiegs hinter uns
hatten, begegneten wir gegen 16 Uhr einer
Chinesin, die schnellen Schrittes auf uns
zukam. Verwundert stellten wir ihr die
Frage, ob sie noch vorhatte zu dem
Wasserfall zu wandern, da sie mit Sicherheit
in die Nacht hinein kommen würde. Zu unserer
Verblüffung teilte sie uns mit, dass sie
gerade vom Ice-Lake kommt und der Wasserfall
nur eine weitere Tagesetappe für sie
darstellt. Dunkelheit wäre für sie kein
Problem, da sie schließlich eine
Taschenlampe dabei hat. Soviel Wandereifer
erstaunte uns schon sehr, da wir die Tour
zum Ice-Lake, als eine komplette
Tageswanderung ansahen. Ob man mit Hilfe
einer Taschenlampe wirklich das Panorama
einer Berglandschaft genießen kann, darf
wohl aus europäischer Sicht etwas
angezweifelt werden.
Nach
dem Abstieg kamen wir vergleichsweise wieder
recht früh in unserer Unterkunft an. Dort
berichtete man uns, dass ein wichtiges
Treffen von Mitgliedern der lokalen Behörden
und Einheimischen statt finden würde und aus
diesem Grund eine Bestellung für ein
Abendessen nur noch innerhalb der nächsten
halben Stunde angenommen werden könne.
Während wir auf unser Essen warteten,
erklärte man uns, dass das Thema des
Treffens die Trassenplanung einer
zukünftigen Strasse war. Durch einen Spalt
in der Tür konnte man den Männern sehr genau
bei ihren äußerst wichtigen Beratungen
sprichwörtlich auf die Finger schauen. Es
hatte den Anschein, dass die
Hauptbeschäftigung der Beratung mit
Kartenspielen mehr als erfüllt war. Um nach
diesem erschöpfenden Treffen für Ausgleich
zu sorgen, hatte man im Anschluss daran ein
Fest organisiert. Aus diesem Grund fanden
sich immer mehr Frauen in tibetanischer
Landestracht gekleidet im Vorraum ein, um
sich für die bevorstehenden Tänze
vorzubereiten.
Wir
hatten das große Glück eine Einladung zu
haben, obwohl wir weder einen Beitrag zu den
Straßenbauplanungen, noch zum Kartenspiel
geleistet hatten. Das Fest begann mit
etlichen Ansprachen, wobei eine davon den
Gästen gewidmet war. Bei dieser Ansprache
wurde uns von einem Mann, der der
Regionalverwaltung zuzuordnen war und sich
offensichtlich auch der Tourismusentwicklung
verpflichtet fühlte, die lokale Art der
Begrüßung näher gebracht. Nachdem er seine
Reden an uns gerichtet hatte, die uns etwas
chinesisch vorkamen, wurde jeder von uns
einzeln aufgefordert mit ihm in einem Zug
ein Glas Xinque-Wein zu leeren.
Nach
etlichen Reden und vielen weiteren geleerten
Gläsern begannen die Frauen mit ihren
traditionellen Tänzen. Auch für diese gab es
keinerlei Ausnahme sich gegenseitig mit dem
alkoholischen Getränk zuzuprosten. Es
wechselte sich somit ein illusteres
Zuprosten, Tanzen und Rede halten ab.
Gesteigert wurde der abendliche Rahmen
dadurch, dass einige Personen aufgefordert
wurden ein Lied zum Besten zu geben.
Durch
das Umhängen weißer Tücher aus Seide (Hada)
entstand eine Art Singwettbewerb
bei dem
derjenige das größte Ansehen genoss, dem die
meisten Hadas umgehängt wurden.
In weiser Voraussicht,
dass der Xinque-Kelch nicht an uns vorüber
gehen würde, überlegten wir uns eine
Darbietung. Uns war klar, dass wir mit
unseren Sangeskünsten keine Hada gewinnen
könnten und so entschlossen wir uns etwas
vorzutanzen. Es kam dann auch wie es kommen
musste. Wir wurden eindringlich
aufgefordert, eine Showeinlage darzubieten.
Wir ließen durch unseren chinesischen Freund
klar machen, dass die Einheimischen für die
musikalische Untermalung verantwortlich
waren. Wir gaben kurz den Takt vor und
tanzten zu tibetanischen Volksmusikrythmen
den altgedienten Disco-Fox.
Immerhin
schienen wir einige Fans gefunden zu haben,
denn wir wurden mit einigen Hadas bedacht.
Schließlich fand sich
das musikbegeisterte Völkchen in der Mitte
zu einer Polonäse ein, bei der alle herzlich
eingeladen waren sich aktiv zu beteiligen. |
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28.10.2006
Heute
stand uns die längste Tour bevor und zwar
von Lower-Yubeng entlang des Yubeng-Rivers,
der in den Lang-Cang River mündet.
Veranschlagt waren mindestens 8 Stunden
Wanderzeit. Die Wanderroute ist prinzipiell
ganz einfach zu finden, da sie immer entlang
eines Flusses verläuft. Wir starteten von
einer Höhe von 3050 m und folgten dem stark
abfallenden Flusslauf, der immer tosende
Wasserfälle bildete bis auf eine Höhe von
GeJiuDa.
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An dieser Stelle hatte man vor 60 Jahren
eine Abzweigung für ein Bewässerungssystem
für das Nachbartal gebaut. Für diese
Konstruktion hatte man einen Kanal in den
Berg gehauen, auf dessen schmalen Grad
letztendlich auch der Wanderweg verlief. Auf
der Hangseite verlief der 40 cm breite
Kanal, abgesichert durch eine 30 cm breite
Wand, die sich dann je nach Standort direkt
in eine bis zu 200 m tiefe Schlucht
verabschiedete. Für solch einen Spaziergang
empfiehlt es sich daher schwindelfrei zu
sein.
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Wir
balancierten eine Stunde zu dem Punkt an dem
der Yubeng-River in den Lang-Cang River
mündet.Auch hier ist der Weg nicht zu
verfehlen, da man sich etliche 100 m
oberhalb der Flussmündung in der Felswand
befindet und man von dort aus nur vor die
Frage gestellt wird, dem Lang-Cang River zu
folgen oder umzukehren. Entlang des
Lang-Cang Rivers verändert sich die
Vegetation von vormals herbstlichen
Laubwäldern in eine steinig staubige,
trockene Landschaft. Es waren dann immer
noch 4 Stunden bis wir unseren Zielpunkt
Xidang knapp verfehlt hatten.
Beim Einbruch der
Dämmerung stellten wir fest, dass wir leicht
unterhalb dieser Siedlung angekommen waren.
Wir hatten nun die Wahl, entweder 20 Minuten
durch die Dunkelheit hinauf nach Xidang zu
wandern oder mit dem Taxi in das eine Stunde
entfernte Dequin zu fahren. Da aber am
Gesichtsausdruck unseres Freundes abzulesen
war, dass dieser sich zu Fuß keinen
Millimeter mehr bewegen würde, war klar,
dass es nur noch die Taxioption gab. Die
Einheimischen, die uns halfen das Taxi zu
organisieren, waren ebenfalls in der Lage
diesen Gesichtsausdruck zu ihren Gunsten zu
interpretieren. Folglich wurde dieser
schmerzverzerrte Gesichtsausdruck linear in
das Verhältnis zu der Taxipreisforderung
gesetzt. Kapitulierend vor der überhöhten
Forderung traten wir die rasante Taxifahrt
nach Deqin an. |
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29.10.2006
Um
9:30 Uhr traten wir die Busfahrt von Deqin
nach Shangri-La an. Die Busfahrer
hierzulande reagieren äußerst flexibel auf
wartende Passanten entlang der Strasse. Sei
es man möchte individuell ein- oder
aussteigen oder einen Sack Bauteile
verschicken lassen, bis zu einem kleinen
Päckchen Medizin, welches zu einem zuvor
vereinbarten Treffpunkt vom Busfahrer an ein
heran springendes Mädchen ausgehändigt wird.
Man ist somit Kurierdienst, Taxiunternehmen
und Transportunternehmen in Personalunion.
Fahrpläne müssen diesen Bedürfnissen und
Zusatzaufgaben dementsprechend untergeordnet
werden. In Shangri-La angekommen, haben wir
uns gegenüber der Busstation eingemietet, um
ohne eine Taxifahrt frühmorgens die Busfahrt
am nächsten Tag nach Haba antreten zu
können.
30.10.2006
Nachdem wir uns mit
einer kräftigen Nudelsuppe gestärkt hatten,
deren Bestandteil die regionale Reisnudel
ist, starteten wir um 9:10 Uhr mit dem Bus
in Richtung Haba. Die Busreise unterbrachen
wir an der White-Water Terrace, um uns
dieses Kunstwerk der Natur nicht entgehen zu
lassen.
Durch
jahrhundertlange Calcium-Carbonat
Abscheidungen sind hier strahlend weiße
Wasserterrassen entstanden. Während der ca.
dreistündigen Fahrt durften wir allerdings
die Mageninhalte anderer Reisegäste intensiv
kennen lernen. Obwohl der Busfahrer nicht
gerade den Elchtest mit seinem Bus bestehen
wollte, ereilte viele Fahrgäste die
See-(Bus-)krankheit. Diese Situation
verschlimmerte sich sogar noch. Als wir
unsere Reise von den White-Water Terraces
nach Haba antraten, begrüßten uns schon die
ersten Überbleibsel der Mageninhalte beim
Öffnen der Bustür. Während der Fahrt hatte
ich öfters das Gefühl, dass erfrischend
warme Nass von meinem würgenden Hintermann
in meinem Nacken zu spüren. Zu meinem großen
Glück ließen sich die Fenster des Busses von
meinem Hintermann öffnen und so verbrachte
dessen Kopf eine etliche Fahrzeit an der
frischen Luft um sich noch mal sein
Frühstück durch den Kopf gehen zu lassen.
Erfreut darüber nicht mit den vorverdauten
kulinarischen Spezialitäten des Landes
während der Busfahrt verwöhnt worden zu
sein, stieg ich in Haba mit trockenem Nacken
aus dem Bus aus.
Direkt
an der Busstation befindet sich ein
Guesthouse, von dem aus viele Trecker ihre
Touren in die Umgebung unternehmen. Wir
quartierten uns ebenfalls hier ein um uns
mit der aktuellsten Information für den
morgigen Trip zu versorgen. |
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31.10.2006
Wir
hatten uns entschlossen mit dem Bus von Haba
zur Tiger-Leaping Gorge zu fahren, anstelle
dieses Teilstück als 10-stündige
Trekkingtour per pedes zu absolvieren.
Der Bus fuhr vom Haba
Snow Mountain Inn in Richtung Tiger-Leaping
Gorge ab. Wir informierten unseren Busfahrer
uns am Chateau de Woody aussteigen zu
lassen, welches direkt hinter dem Checkpoint
der Gorge liegt. Am Checkpoint wird von
allen Wanderwilligen 30 Yuan einkassiert. Am
Chateau de Woody liegt auch der
Einstiegspunkt des Weges, der hinunter zu
der Gorge führt und durch einen Rundweg bei
einem 3 km entfernten Guesthouse endet. Um
die Tour besonders entspannt zu gestalten,
haben wir unser Gepäck beim Chateau de Woody
aufgegeben um es für 20 Yuan mittels eines
Taxis zu Tinas Guesthouse bringen zu lassen.
Dieser Rucksackversendedienst ist entlang
der Gorge eine weit verbreitete
Dienstleistung.
So
konnte es also ohne jegliche Last auf dem
Rücken losgehen. Nach einem Abstieg von 2
Stunden und vielen Pausen erreichten wir den
der Sage nach beschriebenen Tiger-Sprung
Felsen.
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Um
auf den Tiger-Sprung Felsen selbst zu
gelangen, sollte man aber noch einmal
Eintritt bezahlen. Diese extreme
Geschäftstüchtigkeit, nur um auf einen
Felsvorsprung zu den Stromschnelle zu
gelangen, erschien mir für ein
kommunistisches System doch etwas
befremdlich. Auch beim Aufstieg wurden wir
mit dem real existierenden Kommunismus
konfrontiert, da die zweite Hälfte des
Rundweges von einer Familie erbaut worden
war und somit für die Benutzung eine Art
Maut erhoben wurde. Am Beginn des Aufstiegs
unterhält die Familie ein kleines Häuschen,
von dem aus die geschäftstüchtigen
Familienmitglieder die 20 Yuan pro Person
einfordern.

Als Gegenleistung
gelangt man zu einem durch senkrecht in den
Himmel verlaufende Leitern interessant
gestalteten Aufstieg, der teilweise nur
durch Drahtseile gesichert ist. Nach ca.
einer Stunde Aufstieg erreichten wir Tinas
Guesthouse um bei einem Bier den noch frühen
Abend gemütlich ausklingen zu lassen. |
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1.11.2006
Das
heutige Ziel war entlang des oberen Pfades
vorbei am Half-Way Guesthouse, das Tea Horse
(Trade) Guesthouse. Von Tinas Guesthouse ist
der Einstiegspunkt zum oberen Pfad sehr
leicht zu finden, da er nur wenige Meter vom
Guesthouse entfernt ist. Es folgt ein ca.
einstündiger Anstieg um die Höhe des oberen
Pfades zu erreichen. Der untere Pfad ist
generell nicht mehr zu empfehlen, da dieser
entlang der bereits ausgebauten Strasse
führt. Die ganze Gegend hat bereits massiven
Tribut an den Tourismus bezahlen müssen.
Überall werden neue Häuser gebaut und Hänge
für den Straßenbau abgesprengt. Auch entlang
des oberen Pfades befinden sich bereits
Kommunikationsleitungen, Stromleitungen und
Funktürme für Mobiltelefon. Es scheint
deshalb nur noch eine Frage der Zeit zu
sein, bis die Region einen Großteil ihres
Reizes eingebüsst hat.
Das Tea Horse
Guesthouse ist die letzte
Unterkunftsmöglichkeit vor dem Abstieg vom
oberen Pfad. Auch dieses Guesthouse wurde
gerade bei unserem Besuch massiv ausgebaut.
Spätestens in einem Jahr sind auch hier
Zimmer im Angebot mit Dusche, Toilette und
Fernseher. |
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2.11.2006
Der letzte
Teilabschnitt der Wanderung führt uns vom
Tea Horse Guesthouse zum Ort Qiao Tou. Der
Weg steigt für ca. eine Stunde stetig an,
bis man zu einem Aussichtspunkt gelangt für
den erneut 6 Yuan zu bezahlen sind. Neue
Eindrücke von diesem Aussichtspunkt sind
allerdings nicht zu erwarten, da man das
Panorama auch während der Wanderung
vollständig genießen kann. Diesen Vergleich
konnte ich kostenlos durchführen, da gegen
10 Uhr noch niemand bereit stand um für den
Zugang zum Felsvorsprung eine Gebühr zu
verlangen.
Ab diesem Punkt geht es
die so genannten „28 Bends“ steil hinab
ohne jedoch das Tal zu erreichen. Man
wandert noch ca. 100 m oberhalb des
Flusslaufes bis man über einen immer breiter
werdenden Pfad, der in einen Schotterweg
mündet, die Ausläufer des Dorfes Qiao Tou
erreicht. Qiao Tou ist alles andere als
sehenswert und so fuhren wir mit dem Minibus
in Richtung Lijang (100 Yuan pro Minibus).
Die Fahrt verlief durch eine
abwechslungsreiche Landschaft bis wir nach
ca. 2 Stunden die ersten Ausläufer der Stadt
Lijang vom Berg aus erblickten. Was wir zu
sehen bekamen, übertraf im negativen Sinne
unsere Erwartungen. Eigentlich hatten wir in
unseren Köpfen ein Bild von einer Altstadt,
die von einem gewachsenen Neustadtring
umbaut war. Was man aber zu sehen bekommt,
ist eine ausufernde Stadt, die bereits einen
Großteil des Tals eingenommen hat und deren
Altstadtkern von der Größe fast nicht mehr
ins Gewicht fällt.
In
der Altstadt angekommen, wurden unsere
aufkommenden Befürchtungen leider bestätigt.
Die Altstadt selbst hat sich zu einer
Touristenmetropole verändert, an der sich
ein Souvenirladen an den anderen reiht. Nach
Aussagen der Einheimischen setzte dieser
Ausverkauf der Altstadt 1995 ein und ist
offensichtlich mittlerweile fast
abgeschlossen. D.h. der Altstadtkern wurde
von Händlern übernommen und die
einheimischen Naxifamilien in die äußeren
Bezirke verdrängt. Einige Strassen könnte
man mit Mallorca´s Ballermann für Chinesen
vergleichen.
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Trotz dieses
Massentourismus kann man sich aber nicht
ganz dem Charme der malerisch beleuchteten
Häuserkulisse in der Nacht entziehen.

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Durch unseren
chinesischen Freund sind wir über dessen
Familienbande an eine Unterkunft gelangt,
die von einer Gruppe Künstlern umgebaut und
geleitet wird. Man war bemüht das Naxi Haus
in seiner Fassade unangetastet zu lassen,
aber die Einrichtung hingegen mit viel Liebe
zum Detail, geschmückt mit allerlei
Kunstgegenständen, in eine Herberge für das
etwas entspanntere Künstlerleben
umzugestalten (The Verge 2416 Studio, e-mail:
weng80220@162.com). |
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3.11.2006
Die Morgenstunden haben
wir damit zugebracht unsere Inlandsflüge von
Lijang über Kunming nach Guilin und von
Guilin nach Shanghai zu buchen. Hierzu haben
wir die Dienste eines Reisebüros, welches
sich auf dem Marktplatz befindet in Anspruch
genommen. Etwas befremdlich dabei war die
Art und Geschwindigkeit, wie die Tickets
ausgestellt wurden. Nach langen
Preisdiskussionen wollten wir endlich unsere
Tickets bezahlen und gleich in Empfang
nehmen. Diese deutsche Voreiligkeit, erwies
sich natürlich als unvereinbar mit den
landestypischen Gegebenheiten. Für jedes
Ticket schien irgendwoher aus der Stadt ein
Kurier beauftragt worden zu sein, um die
ausgestellten Tickets an das Reisebüro zu
liefern. Welche verschlungenen Pfade diese
Tickets aber eigentlich nehmen, blieb im
Dunkeln. Letztendlich muss aber eine
„Ticketreisezeit“ von 1 Stunde eingeplant
werden. Da die Flugscheine auch noch falsch
ausgestellt worden waren, summierte sich die
Gesamtreisezeit auf annähernd den gesamten
Morgen.
Nach getaner Arbeit
konnten wir uns endlich den lokalen
Spezialitäten widmen, eine Art Tofu, der aus
Chicken-Beans hergestellt und gebraten mit
Soja-Sauce und Gewürzen serviert wird oder
eine vegetarische Riesenmaultasche.

Der Abend sollte der
Kultur gehören. Wir besuchten das
Naxi-Orchester der Naxi Music Akademie.
Geleitet wird es von dem 77-jährigen Xuan Ke,
der nach eigenen Aussagen die Höhen und
Tiefen der chinesischen Geschichte
miterleben durfte bzw. musste. Er lässt sich
selber gern als Mandela der Naxi-Minderheit
bezeichnen, da sein Einsatz für die
Minderheiten und Bewahrung des Kulturgutes
ihm 21 Jahre Gefängnisaufenthalt kostete.
Obwohl er damit seiner besten Jahre beraubt
wurde, hat er wieder ein Orchester
zusammengestellt, welches Instrumente,
Melodien und Gesänge der vergangenen
Jahrhunderte pflegt, bewahrt und an die
interessierten Zuschauer weiter gibt. Sein
Stil folgt sicher nicht den Gepflogenheiten
einer europäischen Theatervorstellung. Xuan
Ke erzählt sehr ausführlich die Hintergründe
jedes Stückes, das zur Ausführung kommt.
Manch einem mag dies übertrieben erscheinen,
aber vor dem Hintergrund, dass hier auch ein
Teil der Geschichte vermittelt werden soll,
nimmt man diese Hintergrundinformation gerne
auf. |
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4.11.2006

Unseren
letzten Tag in Lijang haben wir dem
entspannten Schlendern durch die Stadt
gewidmet.
Entlang des Flusses
gelangt man zu dem berühmten Black-Dragon
Pool Park. Für alle Foto-Freunde bietet
dieser ein Eldorado für wunderschöne
Postkartenmotive.
Ich
jedenfalls habe mir fast vier Stunden Zeit
genommen, um in aller Ruhe meine
Motiv-Auswahl treffen zu können und zwischen
sprudelnden Quellen, Treppen und
Brückkomplexen zu schlendern.
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5.11.2006
Unser
nächstes Ziel ist Yangshuo. Besonders
interessant für diese Region ist die
Karstlandschaft mit seinen Steinwäldern,
durchzogen von Flüssen und Grotten.
Aus Zeitgründen haben
wir uns für das Flugzeug entschieden um nach
Guilin zu reisen. Da es keine direkte
Flugverbindung von Lijang nach Guilin gibt,
mussten wir einen Zwischenstopp in Kunming
einlegen. Es ging also von der Old Town in
Lijang zum Blue Sky Hotel mit dem Taxi (8
Yuan) von dem aus die Shuttle-Busse zum
Flughafen abfahren (erster Bus ab 8 Uhr,
Reisezeit 40 Minuten).
In Guilin angekommen,
haben wir den Shuttle-Bus in die Innenstadt
zum Busbahnhof genommen um in den Bus nach
Yangshuo umzusteigen. An dieser Busstation
ist es üblich den Touristen einen überhöhten
Fahrpreis zu berechnen. Um nicht in den
Genuss dieser Touristenbehandlung zu kommen,
sollte man keinesfalls außerhalb des Busses
den vermeintlichen Fahrpreis bezahlen. Auch
dann nicht, wenn der Fahrpreis von den für
den Bus zuständigen Fahrbegleiter
eingefordert wird. Die Fahrpreisentwicklung
sieht in etwa folgendermaßen aus: Sobald man
sich in Richtung Busstation bewegt, stürzt
ein Busbegleiter laut das Fahrziel ausrufend
auf einen zu und versucht mit allen Tricks
den überhöhten Fahrpreis abzukassieren. Er
legt einem auch dazu ganz ungerührt selbst
erstellte Preistafeln vor, die beweisen
sollen, dass der überhöhte Fahrpreis der
korrekte ist. Wie immer hilft nur eines.
Ruhig bleiben, nicht bezahlen, einen kleinen
Hinweis geben, dass man den Fahrpreis genau
kenne und ruhig abwarten, bis die Front des
Fahrpreises bröckelt. Nach 10 Minuten
hitzigen Diskutierens und Gestikulierens des
Fahrtbegleiters lenkt dieser schließlich
ein, lässt uns den Bus besteigen und rechnet
wie mit jedem Fahrgast die 10 Yuan ab.
Bedingt dadurch, dass
der Bus individuell nach den Wünschen der
Fahrgäste anhält, zieht sich die Fahrzeit
von Guilin nach Yangshuo auf fast zwei
Stunden hin. Auf der Busfahrt haben wir
einen Lehrer kennen gelernt, der in Yangshuo
in Englisch unterrichtet und sich als sehr
hilfsbereit erwies. Er führte uns durch
seine Kleinstadt und empfahl einige Hotels,
die natürlich in irgendeinem Zusammenhang
mit seiner Familienbande standen. Da hier
aber jeder mit jedem verwandt zu sein
scheint, war die Auswahl an Unterkünften
ausreichend groß. Und so entschieden wir uns
in der Fußgängerzone abzusteigen. Er bot uns
auch an das Abendessen mit ihm auf dem
großen Platz einzunehmen, auf dem
hauptsächlich die Einheimischen essen.
Dieser Platz ist tagsüber für den Verkehr
frei gegeben und abends verwandelt er sich
in ein überdimensionales Freiluft-Restaurant
mit einer großen Anzahl fliegender Küchen
und einer sehr breiten Auswahl an
Delikatessen. Unser Begleiter erklärte uns
dabei die Zutaten der lokalen Gerichte, da
einige Punkte auf der Speisekarte, wie
getrocknete Ratte oder Schweinepenis am
Spieß dem europäischen Gaumen meist
unbekannt sind. Um gleich evtl. hochkommende
Fragen zu beantworten. Ja, Hund steht hier
auch auf dem Speisezettel. Nein, ich habe
keinen bestellt.
Aber ich nehme dieses
Mal gleich eine Vorwarnung vorweg. Das
Abendessen auf dem Nachtmarkt beschäftigte
im negativen Sinne meinen Magen noch weitere
3 Tage. Als medizinische Heilmittel
vertraute ich auf 45%-igen Reisschnaps, um
gegen die Bakterien in Stellung zu gehen und
ihnen ein trinkfreudiges Ende zu bereiten. |
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6.11.2006
Um 8 Uhr nahmen wir den
lokalen Bus (ca. 1 Stunde Fahrt) nach Yangdi,
um dort unsere Wandertour entlang des
Li-Rivers durch die Karstlandschaft zu
gestalten.
In
Yangdi setzt man erst einmal auf die
gegenüberliegende Seite über um dort in
Richtung Langshi Village (ca. 45 Minuten) zu
wandern und dort angekommen, die zweite
Fähre zur erneuten Flussüberquerung zu
nehmen. Beide Fähren sind im Eintrittspreis
von 16 Yuan enthalten. Hat man sich dann
entlang des Flusses (ca. 2 Stunden) nach
Lengshuidu durchgearbeitet, kann man
entweder mit einem Bambusboot fahren oder
eine weitere Fähre nehmen um auf der
gegenüberliegende Seite nach Xingpin zu
wandern. Der Fahrpreis schwankt hier – je
nach Laune des Fährmannes – zwischen 2 und 4
Yuan. Lokale Absprachen führen
interessanterweise dazu, dass man den
Fährpreis in jedem Fall bezahlten muss,
unabhängig davon, ob man das Bambusboot
nimmt, über das Wasser wandelt oder sonst
irgendwie auf die andere Seite gelangt. Wir
haben uns für die Fähre und die Landroute
entschieden und sind nach Xingpin gewandert.
Das letzte Teilstück folgt im Gegensatz zu
der vorhergehenden Strecke nicht mehr dem
Flusslauf, sondern führt durch das
Landesinnere.
Überall sind schon die
Vorboten des nahenden Straßenbaus zu
erkennen. Es mag nur noch wenige Jahre
dauern, dann wird diese Wanderroute viel von
ihrem Reiz eingebüsst haben.
Nachdem wir mit dem Bus
von Xingpin (ca. 1 Stunde) zurückgekehrt
waren, hatten wir uns für einen chinesischen
Kochkurs eingeschrieben. Innerhalb von 4
Stunden, die sehr professionell geleitet
wurden, konnte man erste praktische
Erfahrung sammeln, wie auf lokalen Märkten
eingekauft wird, wie Zutaten richtig
vorbereitet und diese letztendlich zu einem
leckeren Menü gekocht werden (Cloud 9
Restaurant, E-Mail:
cloud9restaurant03@yahoo.com). |
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7.11.2006
Zum
Standard-Programm in Yangshuo gehört eine
Radtour in die Umgebung. Um uns ganz auf die
Natur konzentrieren zu können, haben wir uns
einen Guide genommen (45 Yuan pro Tag).
Zuerst
ging es für ca. eine halbe Stunde in
Richtung Yulong-River, um auf der Höhe
Baisha-Town eine Bambusfloßfahrt (140 Yuan)
pro Floss für max. zwei Personen. Die
Floßfahrt dauert ca. zwei Stunden und wird
immer wieder an den Stellen unterbrochen, an
denen der Fluss durch kleine Mauern
aufgestaut wird. Um die Barrieren zu
überwinden, müssen die Boote über die Mauern
gezogen werden um dann auf der anderen Seite
mit Schwung in das Wasser zu klatschen. Die
Natur bietet ein wunderbares Panorama von
Karstgesteinformationen.
Obwohl
wir uns in der absoluten Nebensaison
befanden, waren schon mehr als reichlich
weitere Bambusfloß-Ausflügler unterwegs.
Entlang des Ufers standen aber noch über 100
weitere Boote in Parkposition. Dies lässt
erahnen welchen Massenauflauf der Fluss zur
Hauptsaison bewältigen muss.
Zu
weiteren Standardtouristenattraktionen wie
der Besuch der Water-Cave, eines
Schmetterlingparks oder des alten Big Banyan
Tree konnten wir uns dann nicht mehr
durchringen. Wir nutzten vielmehr die Zeit
um unserem Guide die Möglichkeit zu geben
für ihn unbekannte Gegenden zu erkunden. Wie
weit wir bereits aus seinem Erfahrungsradius
herausgeradelt waren, konnten wir an dessen
Nervosität ablesen. Als wir zuguterletzt
auch noch auf einer Großbaustelle zur
Erstellung einer Schnellstrassenverbindung
landeten, waren die Ortskenntnisse auf den
absoluten Nullpunkt gesunken.
Verständnislosigkeit schwappte uns ab dem
Zeitpunkt entgegen, als wir auch noch
entlang dieser Trasse radeln wollten. Etwas
Aufmunterung bekam unser Guide von dem Heer
von Bauarbeitern, die um uns herum kurvten
und ihr bereitwillig die grobe
Himmelsrichtung nach Yangshuo aufzeigten.
Letztendlich stellte sich heraus, dass wir
auf einer Neubautrasse von Guilin nach
Yangshuo gefahren waren, an dessen Seiten
schon teilweise Vorbereitungen für große
Neubausiedlungen getroffen wurden. Auch hier
kann man erwarten, dass nach Fertigstellung
dieser Strasse sich das Bild von Yangshuo
erheblich verändern wird.
Als
empfehlenswert zu erwähnen ist auch die
Lichtshow mit Hunderten von Statisten, die
den Fluss aus seiner Dunkelheit heraus
reißen und in ein farbenfrohes Lichtermeer
tauchen. Die Preise hierfür weisen
erhebliche Spielräume auf. Angefangen von
den einheimischen Tarifen, die sich um 40
Yuan bewegen, bis zu einigen 100 Yuan für
die teuerste Kategorie. Empfehlenswert in
jedem Fall ist das Restaurant Cloud 9
aufgrund seiner hervorragenden Küche,
welches in einem Seitenarm der West-Street
liegt. Alle lokalen Spezialitäten,
einschließlich Hund, welcher das
Lieblingsgericht der Dame des Hauses ist,
stehen hier auf der lokalen Speisekarte. |
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8.11.2006
Auf der
Rückfahrt mit dem Bus zum Flughafen von
Guilin durften wir die gleiche Entwicklung
des Fahrpreises erleben, wie bei der
Hinfahrt. Dieses Mal versuchte man uns im
Bus während der Fahrt zu überzeugen, dass
der Fahrpreis von 15 Yuan allgemein gültig
ist. Wieder verwies man auf die gleiche
Preistabelle mit den selbst gestrickten
Tarifen. Dieses Mal schien unsere energische
Ablehnung so beeindruckend zu sein, dass es
nicht einmal eine Minute dauerte, bis wir
korrekt behandelt wurden. Rekordzeit!
In
Shanghai hungrig angekommen, führte uns
Robert in ein hervorragendes Restaurant (Peony
Golden Restaurant). Besonders die Art, wie
man hier Peking-Ente isst, hat meine
Vorstellung davon komplett über den Haufen
geworfen sowie der Geschmack der
Süßwassershrimps denen keinerlei Anzeichen
von fischigen Gerüchen anhaften.
Zuguterletzt sind wir noch ein bisschen um
das Hotel herum geschlendert und Richtung
Key-Mauern gelaufen, die an einigen Stellen
größere Plattformen ausbilden. Dieser Raum
wurde an diesem Abend begeistert von älteren
Chinesen in Anspruch genommen, die hier ihre
sehr bemerkenswerten Standardtanzvariationen
verfeinerten und erweiterten. Es dauerte
nicht lange und schon wurde Tania von den
tanzbegeisterten chinesischen Männern ohne
Scheu zum Tanz aufgefordert. Ruck Zuck war
die Attraktion des Abends gefunden und das
Tanzduo Europa-Asien war der Hingucker des
Abends. |
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9.11.2006

Für den letzten Tag
hatten wir uns vorgenommen unser
verbleibendes Geld in die chinesische
Wirtschaft zu pumpen. Zur großen Freude von
Tania bedeutete dies einen kompletten Tag
Shopping. Natürlich waren in diesem
Zusammenhang die etwas flehenden Nachfragen
der Männerwelt, ob es denn schon genug wäre
mit dem Einkaufen ein reichlich
frauenweltfremdes Unterfangen. Da die Katze
auch schließlich nie das Mausen lässt,
hatten wir die
Möglichkeit
uns durch das überquellende Warenangebot
Shanghais durchzuarbeiten. Nach Einbrechen
der Dunkelheit stellte sich dann doch ein
ganz leichtes Sättigungsgefühl der
Einkaufslust ein.
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10.11.2006
Für
den Abreisetag hatte ich mir noch die
Attraktion der Fahrt mit der
Magnetschwebebahn aufgespart, welche
zwischen der Innenstadt und dem Flughafen
verkehrt. Mit einer Spitzengeschwindigkeit
von ca. 430 km erreicht man dabei sein Ziel
schon innerhalb von 8 Minuten. Dieses
Erlebnis zeigt besonders eindrucksvoll die
enormen Gegensätze, die in diesem Land
alltäglich sind. |
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Auf der einen Seite Lastenkaravanen, die sich mit
Muligeschwindigkeit über Bergpässe bewegen
und auf der andern Seite die
Magnetschwebebahn, die mit
Spitzengeschwindigkeit durch eine
hochmoderne Großstadt donnert. Der
chinesische Kommunismus hat hier seine ganz
eigene kapitalistische Ausprägung
entwickelt. Alles scheint möglich in diesem
Land und bei einem Wachstum von 10% pro Jahr
auch vieles erreichbar. Mit seiner
unheimlichen Vielfalt ist China auf jeden
Fall eine Reise wert. Sei es um sich nur auf
die Metropolen zu beschränken oder auch wenn
man keine intensiven Treckingtouren scheut,
das noch teilweise von Touristenströmen
verschonte Hinterland zu erkunden.
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